Thrustmaster Ferrari Challenge 2
Hardware-Bericht von M.Kallhardt (mail) | 27. November 2002

Warum eigentlich ein Lenkrad anstelle des hervorragenden Controllers?
Nur für das "echte Rennfeeling"?
Nein, es geht um mehr - wo der Controller nur circa 45 Grad gekippt werden kann, kann man ein Lenkrad meistens um mehr als 90 Grad nach links und rechts drehen, man kann also viel präziser lenken. Manche Modelle liefern auch noch Pedale dazu, mit denen üblicherweise Gas- und Bremspedal simuliert werden. Luxusmodellen wird auch noch ein Rauf/Runter-Ganghebel spendiert.

Um solch ein Luxusmodell handelt es sich bei dem Thrustmaster Ferrari Challenge 2 leider nicht - dafür erhält man für einen geringen Preis eine Menge an Funktionen:

Informationen:
Hersteller: Guillemot / Thrustmaster
Preis: ca. 30 Euro

Möglichkeiten:
Zwei analoge Wippen (ersetzen L & R)
Fünf digitale Buttons (A, B, X, Y, Z)
Acht-Richtungen-Steuerkreuz (umschaltbar zw. D-Pad und C-Stick)
Start-Button
Zwei digitale Buttons für den "Klick" bei L & R
Umschaltbutton für das Richtungspad
Button für Vibration an/aus
Digitale Buttons sind programmierbar
etwa zwei Meter Kabel

Zum Aufbau:
Das Lenkrad kommt in einem typischen Pappkarton und muss erstmal aus Verpackung und Tüte befreit werden. Mit in der Schachtel ist die mehrsprachige Anleitung und eine Befestigungsvorrichtung.
Zunächst wiege ich das Rad in der Hand. Es ist ziemlich leicht, besitzt ein paar Gummifüße und die ersten kräftigen Drehbewegungen lassen das Plastik und die analogen Signalabnehmer im Inneren ächzen. Beim Drehen komme ich auf einen Aktionskreis von je etwa 135° nach links und rechts. Dann wird die Bewegung sofort gestoppt und es macht laut hörbar "Klack".
Aber an den Aufbau: Das Lenkrad auf die Tischkante gesetzt, die mitgelieferte Schraube und diese 'Klammer' angebracht und festgezogen. Ein paar Probedrehungen, dann nochmal die Festigkeit kontrolliert und es kann losgehen. Das Kabel wird einfach in einen der Controllerports gesteckt und dann sollte man ein Racing-Spiel starten.
Alle anderen Spiele funktionieren zwar auch, lassen sich aber nicht vernünftig steuern. Die Drehbewegung des Rades ersetzt dann die Links-Rechts-Bewegung des A-Sticks.

Erster Spieleeindruck:
Ich setze mich an das Lenkrad, wie ich es auch in meinem Auto gewohnt bin.
Natürlich fällt mir sofort auf, dass das Lenkrad nur halb so groß wie das in meinem Opel ist, das dürfte aber nicht stören - außerdem ist es eher für kleinere Hände ausgelegt, was auch vom Hersteller hervorgehoben wird. Mit Zeige- und/oder Mittelfinger lassen sich die beiden Wippen gut bedienen, auch beim Komplett-Einschlag hindert mich da nix. Probleme gibt es dann bei den digitalen Buttons.
Ich bin es vom Auto fahren her gewohnt, den Daumen auf den Radkranz zu legen, nicht irgendwelche Knöpfe zu drücken. Außerdem liegen die Buttons etwas zu weit in der Mitte, um sie bequem zu erreichen, muss ich das Lenkrad weiter unten anfassen und komme so schlechter an die beiden Wippen. Aber erstmal sehen, wie es sich draussen auf der Piste macht.


Erster Testkandidat ist Burnout.
Ich wähle die einfachste Strecke und fahre los. Auf der Autobahn merkt man, dass der Wagen angenehm zügig auf das Lenkrad reagiert. Für meinen Geschmack aber etwas zu schnell und so baue ich einige Unfälle, bis ich an der ersten Ausfahrt ankomme. Hier dann ein butterweiches Durchfahren der Kurve. Ich freue mich, mit dem normalen Controller und einem nervösen Daumen ist man hier schnell mal in die Bande gerast.
Aber dank des Lenkrads kann man alle Kurven sauber durchfahren. Im Stadtverkehr kommt dann die ersten Brems- und Slideübungen. Hier leisten die Wippen ganze Arbeit und man kommt sehr gut durch den Verkehr. Erneut auf der Autobahn kann ich das erste Mal den Turbo auslösen und hier suche ich zunächst den richtigen Button. Als ich ihn gefunden habe, bekomme ich wieder das Problem, dass das Lenkrad zu schnell reagiert und es zerhaut meinen Wagen an einem Brückenpfeiler.

Nächster Testkandidat: Pro Rally 2002.
Pro Rally ist eher in der Simulationssparte einzuordnen, deswegen ist es der ideale Gegenkandidat zu Burnout.
Hier bekomme ich aber auch wieder das Problem mit den übel sitzenden Tasten. Da man bei dem Spiel schnell reagieren muss, entschliesse ich mich, ohne Handbremsen-Einsatz zu fahren und den Wagen nur mit Gas und Bremse zu kontrollieren. Nur damit macht das Spiele eine Menge Spass. Es ist viel einfacher, den Wagen auf der Strecke zu halten und solange man kontrolliert reagiert und keine hektischen Bewegungen macht (Volleinschlag!), fährt der Wagen fast wie auf Schienen.

Weitere Tests:
Das Lenkrad verfügt über einen leichten Vibrationsmotor. Dieser ist nicht so stark, dass es einem das Steuer verreisst, sondern eher ein kleiner Hinweis, dass der Wagen mit etwas kollidiert ist. Die Vibration lässt sich mit einem Button auch abstellen.
Zusätzlich lassen sich alle Tasten umprogrammieren. Dies ist insofern hilfreich, als das sich z.B. die Klick-Tasten, die das volle Durchdrücken von L oder R simulieren, besser erreichen lassen, als A und B. Nun kann ich beispielsweise die Handbremse auf "Klick R" legen, auch wenn das Spiel das nicht unterstützt. Somit rettet sich Thrustmaster über die schlechte Button-Platzierung hinweg.
Das große Steuerpad lässt sich leicht bedienen und ist Pflicht, wenn man sich durch die Gamemenüs hangeln muss. Per Buttondruck schaltet man auf den C-Stick um.

Fazit:
Wer wirklich auf Rennspiele steht, der kommt um einen echten Lenkrad-Controller für seinen Gamecube nicht herum!
Mit dem Thrustmaster Ferrari Challenge 2 bekommt nun auch mal der kleine Geldbeutel die Gelegenheit, am Rad drehen zu können. Dabei sollten Leute mit großen Händen (Erwachsene) und vielleicht auch größerem Geldbeutel nach einem anderen Modell Ausschau halten, denn die Buttons sind nicht optimal platziert. Verarbeitungstechnisch gibt es aber nichts zu bemängeln.

Persönliche Meinung des Testers:
Die Buttonanordnung wird wohl nur mir so merkwürdig vorkommen, da ich schon seit mehreren Jahren Auto fahre und einfach keine Knöpfe am Lenkrad gewohnt bin. Zusammen hat es mir mit der Cockpit-Ansicht im Wagen aber einen Riesenspass gemacht.

Von M.Kallhardt
GCX Wertung
Verarbeitung
Bei starker Belastung knirschts, steht aber sicher auf dem Tisch
8,5
Komfort und Spielegefühl
Echtes Racingfeeling kommt nur auf, wenn nicht so viel Knöpfchendrücken gefragt ist
7.5
Preis
Preislich wohl unschlagbar, ein Taschengeld sollte reichen
9.5
Gesamt 8.5


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