Ikaruga
Preview von M. Wagner (mail) | 12. September 2002

Der Beginn der 32 Bit Konsolen Ära und das Zauberwort 3D leuteten den Untergang für einige klassische Spielegenres ein, darunter auch die bis dato sehr beliebten 2D Shoot 'em Ups. Damals arbeitete die japanische Spieleschmiede Treasure noch an einem vertikal Shooter für die Playstation, der das Genre durch Implementierung hochauflösender 3D Grafiken in klassiche 2D Arcade Optik wiederbeleben sollte. Doch Sony gab zu verstehen. daß es keinen Platz für ein 2D Spiel auf ihrer 3D Wunderkonsole gebe. Konkurrent Sega griff zu und so erschien "Radiant Silvergun" letztendlich 1997 auf dem Sega Saturn. Die Kombination aus phantastischer Grafik, perfektem Gameplay und im Manga Stil präsentierter (Alibi-)Hintergrundstory begeisterte die japanischen Fans und brachte Radiant Silvergun den Titel als bester Shooter aller Zeiten ein. Nun präsentiert Treasure den Nachfolger "Ikaruga-Project Radiant Silvergun 2" zunächst als Arcade Konvertierung (Naomi Board) für das Sega Dreamcast. Ikaruga wird mit zusätzlichen Features im Frühjahr 2003 auch auf dem Nintendo GameCube erscheinen. Grund genug also einen ausführlichen Blick auf die vorliegende DC Version zu werfen.

In Ikaruga gilt es, euch unter Zuhilfenahme eines kampfstarken Raumjägers fünf Level lang gegen Unmengen gegnerischer Feindschiffe, mächtiger Zwischen- und Endgegner sowie nahezu unüberwindbarer Verteidigungsanlagen zu behaupten. Allzu üppig ist das Arsenal an offensiven Waffen diesmal allerdings nicht ausgefallen, lediglich der hochfrequent feuernde Standard-Laser steht zum konsequenten Dauerbeschuß der Gegnermassen zur Verfügung. Zum Glück schützt das neuartige Schildsystem vor dem vorzeitigen Ableben, dieses stellt auch die absolute Innovation Ikarugas dar. Auf Knopfdruck wechselt das Schildsystem zwischen den Farben Blau und Rot und schützt praktischerweise vor den Projektilen der jeweils gleichen Farbe. So ist das Schiff z.B. in Blauem Schildzustand absolut sicher vor dem blauen Beschuß weißer Gegnerschiffe, wird allerdings von roten Treffern schwarzer Raumschiffe sofort zerstört. Eine direkte Kollision mit einem Feindschiff endet allerdings immer in einer nett anzuschauenden Explosion. Der eigene Laserschuß nimmt immer eure entsprechende Schildfarbe an, dummerweise sind die Gegner durch die Treffer der entgegengesetzten Farbe viel leichter zu zerstören. Hier gilt es also Feuerkraft und Schutz gegeneinander abzuwägen, in den allermeisten Fällen empfiehlt sich Zweiteres. Ein As hat man dann aber doch noch im Ärmel, denn zum Glück nutzt das Schildsystem absorbierte Treffer zum Aufladen einer verherenden Spezialattacke aus, die nahezu alle Gegner auf dem Schirm in ihre subatomaren Bestandteile zerlegt. Wilde Ausweichmanöver und intelligentes Umschalten des Schildzustandes bleiben aber trotzdem Pflicht, um in Ikaruga die ausgeklügelst zusammengesetzten Gegnerrotten sowie das Kombinationsfeuer der riesigen Zwischen- und Endgegner zu übertehen.

Ikaruga Kadetten können sich im kurzen Tutorial in die zu Beginn vielleicht etwas verwirrenden Schutzschildoptionen einweisen lassen. Den Hauptteil des Spieles macht natürlich der klassische Arcade Modus aus. Dieser wird in 3 Schwierigkeitsstufen angeboten, wobei sich bereits der leichte Schwierigkeitsgrad, trotz mehrerer Leben und Zusatzcredits, als hart zu knackende Nuß erweist. Mit ein wenig Übung lernt man aber schnell deutlich besser zu bestehen, daher kann man die einmal im Hauptspiel erreichten Level in ihrem entsprechendem Schwierigkeitsgrad im Practice Mode einzeln anwählen und so sein künftiges Vorgehen verfeinern. Zur Krönung bietet Ikaruga noch einen Zweispieler-Modus, neidische Freunde lädt man daher am besten zum extrem spaßigen Kooperationsmodus ein. Neben dem Betrachten eurer Spielrekorde in der ein wenig aus der Mode gekommenen Highscore-Liste, lassen sich noch einige Goodies freispielen.

Solch eine Grafikpracht hätten wohl die meisten Spieler dem Dreamcast dann doch nicht mehr zugetraut, denn Treasure ist eine perfekte 1:1 Konvertierung aus der Spielhalle gelungen. Ikaruga bietet konstante 60 FPS, selbst bei geballter Gegnermasse und unzähligen Laserschüssen sowie Explosionen, kommt nicht das kleinste Ruckeln auf. Lediglich das bildschirmfüllende Ableben der Endgegner wird bewußt in einem etwas ruckelnd ausschauenden Slow Motion Modus dramatisiert. Die 3D Hintergrundgrafiken sind hochauflösend und liebevoll texturiert. Das flüssige vertikal-scrolling vermittelt ein angenehm flottes Geschwindigkeitsgefühl, die kurzen Verschnaufspausen innerhalb eines Levels bannen den Blick durch rasante, gescriptete Flugeinlagen mit effektvollem Drehen der Perspektive auf den Bildschirm. Gegnerrotten kommen nicht nur simpel angeflogen, sondern tauchen des Öfteren sich drohend-vergrößernd aus dem Spielhintergrund auf. Treasure spielt dabei derart gekonnt mit den verschiedenen Ebenen, so daß eine Art Pseudo 3D Effekt entsteht. Alle Feindschiffe sind schön und abwechslungsreich in 2D designt, es sind aber ausreichend viele Animationsphasen jedes Schiffes vorhanden, um Flugmanöver realistisch ausschauen zu lassen. Am meisten Wert wurde natürlich auf die imposanten Endgegner gelegt, dagegen verblasst ein wenig das Effektgewitter aus transparenten Laserstrahlen und plastischen Feuerbällen.

Ikaruga bietet durchweg dezent-treibende, technoide Sounds, gekoppelt mit Exlosions-, Baller- und Roboterstimmeffekten, die man irgendwann vor langer Zeit, irgendwo, in irgendeinem Spiel, schon einmal gehört hat. Auch auf akkustischer Ebene wirkt Ikaruga wie ein moderner Ausflug in alte Zeiten.

Die Steuerung ist angenehm simpel und intuitiv ausgefallen. Ihr steuert euren Jäger mittels digitalem Steuerkreuz, geschossen wird mit der A-Taste, Schildumschaltung erfolgt mit dem B-Knopf. Mit der rechten Schultertaste kann der verheerende Spezialangriff ausgelöst werden. Als besondere Option kann man den Bildschirm vom vertikalen in den horizontalen Modus umschalten, mit angepaßter Steuerung wird Ikaruga somit zum horizontal-scrollenden Shooter. Sinnvoll erscheint diese Option vor allem für eine bessere Bildflächenausnutzung von breiten 16:9 Fernsehern.

Fazit:
Für mich steht es fest: Treasure erobert mit Ikaruga erneut die Spitzenposition als bester Shooter aller Zeiten. Es bietet neben phantastischer Grafik, treibendem Sound und innovativem Gameplay vor allem viel Action. Für die künftige GameCube Version kann man sich eigentlich nur noch zusätzliche Level und einen netten Story Modus wünschen. Leider kann Ikaruga auf Grund des unveränderlich simplen Spielprinzipes in punkto Komplexität nicht mehr mit aktuellen Titeln mithalten. Der extrem spaßige Zweispieler-Modus lädt zwar selbst nach längerer Zeit immer noch auf eine Runde ein, aber ob ein Old-School Spiel auch noch die heutige Spielergeneration auf breiter Front begeistern kann, bleibt abzuwarten.

Von M. Wagner
GCX Wertung
Prognose Sehr Gut


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