Fire Emblem - Path of Radiance
Preview von A.Held (mail) | 29. Juli 2005

Während sich die Cube-Ära langsam ihrem Ende neigt, wird auch die Versorgung mit Spielen immer karger. War 2003 noch ein Jahr, in dem es einen Hit nach dem anderen setzte, ging die Rate der Spiele 2004 schon sehr stark zurück und 2005 hat uns bis auf Resident Evil 4 noch keinen echten Top-Hit gegeben. Um dem Cube einen würdigen Abschied zu spendieren, schmeißt Nintendo im November jedoch gleich 3 Top-Hits auf den Markt: Etwas im Schatten vom heiß erwarteten Zelda: Twilight Princess erscheinen in diesem Monat noch Pokémon XD: Gale of Darkness und eben Fire Emblem: Path of Radiance. Während über den neuen Pokémon-Titel noch nicht allzu viel bekannt ist, ist die japanische Version von Fire Emblem bereits erschienen. Diese liegt mir zwar nicht vor, ist jedoch sehr ähnlich zu den beiden GBA-Versionen, weshalb man schon sehr genau sagen kann, was uns mit dem Titel erwarten wird.

Fire Emblem gehört einem Genre an, welches auf dem Cube eigentlich noch gar keinen würdigen Vertreter hat: es sit ein Startegy-RPG, kurz SRPG. Anders als in den meisten RPGs kontrolliert ihr hier eine relativ große Gruppe, die aus ca. 10 Kämpfern besteht und versucht, eure meist noch zahlreicheren Gegner auf einem schachbrettartigen Schlachtfeld zu besiegen.
Wie die Vorgänger ist das Spiel streng rundenbasiert, das heißt, erst zieht ihr mit allen euren Einheiten, danach ist die KI am Zug. Damit ihr dann nicht einfach zusehen müsst, wie eure Einheiten verprügelt werden, nehmen grundsätzlich beide Einheiten am Kampf teil, wobei die angreifende Einheit keinen Vorteil hat – um die gegnerisch Streitmacht zu besiegen, muss man sich also durch taktisches Platzieren der eigenen Einheiten einen Vorteil verschaffen.
Hierzu gibt es mehrere Möglichkeiten. Die offensichtlichste davon ist das „Weapon Triangle“, welches seit den ersten Teilen auf dem NES das Markenzeichen der Serie ist. Wie der Name vermuten lässt, ist ein Großteil der Waffen in drei Kategorien eingeteilt – Äxte, Lanzen und Schwerter. Je nachdem, mit welcher Waffe man bewaffnet ist, erhält man hierdurch im Kampf deutliche Vor- oder Nachteile: Ein Schwertkämpfer ist einer mit einer Axt bewaffneten Einheit weit überlegen, diese wiederum können Speerkämpfern ordentlich einheißen, und Schwertkämpfer müssen sich vor mit Lanzen ausgerüsteten Einheiten in Acht nehmen. Etwas aus der Reihe fallen mit Distanzwaffen bestückte Kämpfer wie Bodenschützen und Magier. Diese ziehen im Nahkampf in jedem Fall den Kürzeren, können dafür aber aus der Entfernung angreifen – einen solchen Angriff können Nahkämpfer nicht kontern, weshalb diese Einheiten gegen starke Nahkämpfer extrem wertvoll sein können. Um noch etwas mehr Tiefe ins Spiel zu bringen, unterscheidet sich die Kampfkraft der einzelnen Einheiten sehr stark voneinander. Wie in den GBA-Versionen hat man eine Einheit zur Verfügung, die sehr viel stärker ist als alle anderen Einheiten auf dem Schlechtfeld, dafür aber auch kaum Erfahrungspunkte bekommt und die Entwicklung der anderen Kämpfer fast unmöglich macht, wenn man sie wirklich an die Front schickt um die Gegner reihenweise zu plätten. Andere Einheiten können fliegen; Diebe sind zwar relativ schwach, können jedoch Schlösser knacken, und wo weiter.
Auf den ersten Blick wirkt Fire Emblem jedoch trotzdem recht simpel. Anfangs scheint es so, als könne man einfach die entsprechend bewaffneten Kämpfer nach vorne Ziehen, die Magier und Bogenschützen aus der Distanz angreifen und die Gegner quasi von selbst besiegen. In der Praxis sieht das jedoch anders aus, und nach den ersten einfach gehaltenen Kämpfen, die einem beim Spieleinstieg helfen, wird man überrascht sein, wie viele taktische Möglichen das Kampfsystem bietet. Diese müssen auch voll ausgenutzt werden, denn wenn eine Einheit in Fire Emblem stirbt, ist sie auch wirklich tot – sie kann danach nie wieder kämpfen. Da nicht nur schwache Einheiten bei einem taktischen Fehler schnell ins Gras beißen, muss man also wirklich aufpassen und braucht fast immer mehrere Versuche, um jeden Kampf ohne Verluste zu überstehen. Die Motivation hierzu ist groß, da es immer eine Möglichkeit gibt, eine Schlacht zu gewinnen, ohne dabei das Leben seiner Kämpfer zu gefährden. Erst mit dem zweiten Teil auf dem GBA (The Sacred Stones) kam auch Frust auf, da einige Gegner hier mit Waffen ausgerüstet waren, die die eigenen Kämpfer mit einer recht hohen Wahrscheinlichkeit mit einem Schlag umbringen konnten. Falls wir diese Waffen in der Gamecube-Variante von Fire Emblem nicht zu Gesicht bekommen, ist schon jetzt sicher, dass uns ein SRPG mit einem erstklassigen Kampfsystem erwartet.
Storytechnisch darf wohl wieder eine stark politisch angehauchte Geschichte erwartet werden – ohne kriegerisches Geschehen wäre ein Fire Emblem auch fast unmöglich umzusetzen. Aufgrund der Masse der Charaktere bleiben die einzelnen Persönlichkeiten leider sehr oft zu kurz; trotzdem schätzen Fans der Serie die Spiele auch für ihre intrigenreiche Handlung. Die Gamecube-Version wird hier mit Sicherheit keine Ausnahme machen. Ebenfalls hat sich an der Präsentation der Story nichts geändert: Die Storysequenzen werden weiterhin mit zweidimensionalen (sehr gut aussehenden) Artworks der Charaktere und viel Text erzählt. Um den Titel auf Next-Generation.Niveau zu heben, wurden jedoch zusätzlich voll mit Sprachausgabe unterlegte Animesequenzen in das Spiel eingefügt.

Ansonsten ist Fire Emblem grafisch eher Mittelmaß: Während das Spiel auf Screenshots schon nicht überzeugen kann, sieht in Bewegung alles noch etwas schlechter aus, da die Animationen der einzelnen Figuren recht unbeholfen wirken – hier merkt man einfach, dass die vorher mit den GBA-Teilen und Paper Mario beschäftigten Entwickler von Intelligent Systems noch keine Erfahrungen mit einer 3D-Engine haben.
Sollte dies jedoch die einzige Schwäche von Fire Emblem- Path of Radiance sein, erwartet uns im November ein Titel, der sich ohne Probleme zusammen mit Resident Evil 4 und Zelda TP zu den besten Spielen des Jahres 2005 zählen darf. Wer ganz ungeduldig ist, kann die am 17. Oktober erscheinende US-Version importieren oder zur bereits erhältlichen japanischen Version greifen.
Von A.Held
GCX Wertung
Prognose Super


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