Die Sims
Review von M..Kleditzsch (mail) | 04. April 2003 | PAL Version

Electronic Arts beschert uns mit "Die Sims" eine Umsetzung des meistverkauften PC Spiels aller Zeiten - welches seit seiner Grundversion auch schon gute drei Jahre auf dem Buckel hat - und dem wirklich einiges an Extras gegönnt wurde. Zwar kann man diesen Titel trotz neuer 3D Engine (die in angepasster Weise auch auf den anderen Konsolen eingesetzt wird), neuen Spielmodi (darunter Multiplayer) und vergrößertem Sound- und Mobiliarrepertoire nicht als "Fortsetzung" einstufen, aber dennoch wird es wohl die modernste und umfassendste Version der Sims zur Zeit sein. Ich habe jetzt schon die meisten Neuerungen der Konsolen- (und dementsprechend auch der GameCube-)Version genannt, dennoch lohnt es sich, einmal hinter die Fassaden der DVD Box des Spiels zu gucken, und euch die Story der Sims zu erzählen (sprich: Einen Test zu schreiben).

Gameplay:
24 Millionen Sims-Spiele wurden bis jetzt weltweit verkauft - jedoch beschränkten sich bis jetzt alle Versionen auf "Upgrades" der ursprünglichen PC-Version. In der GameCube Version von "Die Sims" fängt man aber komplett anders an:
Natürlich haben wir immer noch die gleiche Grundlage: Wir (die User) spielen Gott und dürfen uns in einem, in der Größe wachsenden Haushalt um den kompletten Ablauf des Alltags kümmern. Denn ohne uns würden unsere Schützlinge (die Sims) wild auf den Boden pinkeln, nie duschen, nicht arbeiten, nicht in die Schule gehen und erst recht nicht Wäsche waschen oder Geschirr abspülen. All diese Aufgaben müssen wir also koordinieren. Als ob dies nicht genug wäre, müssen wir aber auch noch ständig auf insgesamt acht Unterschiedliche "Motive" achten. Diese "Motive" - eingeteilt in Hunger, Hygiene, Harndrang, Energie, Spaß, Soziales Leben, Wohnung, Komfort und Karriere - müssen ständig im positiven Bereich sein. Ansonsten kann man sich wohl vorstellen, was passiert, wenn ein Sim einen riesigen Harndrang hat. Diese Motive beeinflussen den Spielverlauf entscheidend. Wenn so z.B. ein Sim keinerlei Spaß hat, weigert er sich strikt, Gegenstände zu reparieren oder sich neue Eigenschaften anzueignen. Auffüllen lassen sich diese Motive natürlich - wie im echten Leben - mit den spezifischen Dingen wie z.B. ein Gang zum stillen Örtchen bei Harndrang, Schlaf bei fehlender Energie etc.
In das Spiel steigen wir in der Konsolenfassung jedoch komplett anders ein als noch bei der PC-Grund-Version. Zu Beginn des Spiels kreieren wir uns in dem "Ein Leben von A bis Z" getauften Modus einen jungen, vielleicht 20 jährigen Sim (männlich oder weiblich) und gestalten ihn nach unseren Vorstellungen (Tony Hawk oder diverse Box-Games lassen grüßen). Nachdem wir diesen Schritt getan haben, und unserer Dame bzw. unserem Herren einen netten Vor- und Nachnamen gegeben haben, finden wir uns in einem kleinen Bungalow-Haus zusammen mit unserer Alten (sprich: Unserer stänkernden Mutter) wieder. Ein Blick auf die "Ziele" dieser Umgebung, zeigt uns, dass wir innerhalb kürzester Zeit 800 € von unserer Mutter erschnorren müssen, damit wir endlich aus dieser Bude ausziehen können. Aber es ist nicht alles Gold was glänzt, denn wir können zwar unsere Mutter auch per Gamepad steuern, sie gehorcht uns aber nicht wirklich und sitzt eigentlich den ganzen Tag vor dem Fernseher. Also müssen wir so ziemlich alle Aufgaben im Haushalt selber regeln. Darunter fällt dann zuerst einmal das Kochen und putzen sowie das Betten machen und die Blumen gießen.
Auf einmal geht dann aber im Haushalt der Fernseher und die Espresso-Maschine kaputt. Hier setzt ein weiteres interessantes Element des Spiels ein. Wir müssen nämlich nun einige "Kenntnisse" in Reparatur von elektrischen Gegenständen erwerben. Zufällig gibt es ein Buch darüber in der Hausbibliothek. Nach intensivem Lernen kann man dann den Fernseher fixen und Muttern ist glücklich.

So oder so ähnlich geht es ca. eine Spielstunde weiter und endlich hat man sich das Geld abgestottert. Nun heißt es, ausziehen und ein größeres, schöneres Haus suchen. Hier warten natürlich wieder Aufgaben auf uns die ihr aber schon selber herausfinden müsst. Für jede Aufgabe (eingeteilt in Primär- und Sekundäraufgaben) erhält man einen neuen "Wohngegenstand" mit dem man sich - so lange man genug Geld besitzt - schick einrichten kann. Wenn man die "Primäraufgaben" löst, endet dies meist in einer neuen Wohnung bzw. einem neuen Haus. So arbeitet man sich immer höher bis irgendwann ein Stadium erreicht ist, in dem man in den "Endlos-Modus" übergeht - d.h. man kümmert sich nur noch um seine berufliche Karriere, die täglichen Aufgaben wie z.B. die Rechnungen bezahlen etc. - so ist man es vom PC her auch gewohnt.
Natürlich kann man auch direkt am Anfang die Version "Endlosspiel" auswählen, und das Game direkt so wie auf dem PC starten und endlos weiterspielen.

Multiplayer:
Ein ganz klarer Vorteil (wenn nicht sogar DER Vorteil) dieser Sims Version ist der eingebettete Multiplayer-Modus. Deswegen auch ein entsprechender Absatz in diesem Review. Um im Multiplayer mit bis zu einem Freund / einer Freundin spielen zu können, muss man das verlangte Level vorher im Singleplayer-Modus durchgespielt haben. Danach kann dein Freund sich einen schon erstellten Sim von seiner Memory Card importieren oder sich selber einen Sim erstellen. Das gewählte Level wird dann mit beiden Sims dargestellt und man kann freudig versuchen, schneller als der Gegner die primären und sekundären Ziele zu erreichen. Auch im Multiplayer Modus lässt sich das Spiel jederzeit Speichern und Laden - sehr interessant also für einen gemütlichen Abend mit eurem besten Freund oder eurer besten Freundin.

Steuerung:
In dem kompletten Spiel müssen natürlich immer mehr Sims und immer mehr Aufgaben koordiniert und gesteuert werden, so dass man ganz schön ins Schwitzen kommt, wenn man Alles so hin und herorganisieren muss. Gott sei Dank kann man mit Hilfe der L- und R-Tasten aber die Zeit schneller oder langsamer vergehen lassen. Mit dem Z-Knopf switcht man zwischen den einzelnen Sims hin und her und gibt ihnen verschiedene Aufgaben. Das ganze ist recht gut durchdacht, durch die vielen Funktionen, die auf dem PC leicht zu Erreichen waren, kommt einem das GamePad auf dem GameCube aber leicht überladen vor. Nach 10 min einspielen kann man sich aber schon fast als "Steuerungs-Profi" titulieren.

Grafik:
Eine "neue" 3D Engine wird überall bei der Konsolenversion angepriesen. Die leicht verwinkelte "Draufsicht" kann mit dem C-Stick stufenlos gedreht und gezoomt werden - so dass man seine Sims jederzeit unter Kontrolle hat und alles auswählen kann. Natürlich ist die Engine nicht überragend, aber mehr als ausreichend und vor allem für eine Multiplattform-Engine recht gut anzusehen. Ein kleinerer Kritikpunkt ist, dass die "Gedankenblasen" bei bestimmten Bedürfnissen der Sims mitgezoomt werden - das heißt wenn man die Kamera zu weit nach hinten schwenkt, erkennt man nur noch einen kleinen weißen Punkt und kann dem Sim nicht direkt helfen. Dies ist aber auch nicht weiter schlimm. Auf jeden Fall auf diesem Bereich grundsolide vertreten!

Sound:
Die Sounduntermalung der Sims ist recht gut durchdacht und da sie sich auch komplett nach der Sims-Umgebung richtet, kann man sich leicht nach seiner speziellen Vorliebe unterhalten lassen (im Radio einfach den Sender auf Country stellen z.B.). Die Sims "sprechen" eine recht gewöhnungsbedürftige, an einen Furby erinnernde Sprache, die ihren jeweiligen Gefühlsbereich widerspiegelt, welche aber auch in perfekter Qualität aus den Boxen erklingt. Sound-Effekte wie das Zirpen von Grillen in der Nacht wiederholen sich jedoch leider ständig und sind mitunter recht nervig. Da gerade die Sims wohl sehr lange am Stück gespielt werden, und da es eindeutige Unterschiede zwischen Tag- und Nachtgeräuschen gibt, dürfte aber genug Abwechslung für jedermann vorhanden sein. Die Musik beschränkt sich, wie schon erwähnt, nur auf "von den Sims auch gehörte" Geräusche / Lieder. Auf dem PC konnte man sich selber MP3s einspielen - auf der Konsole ist das natürlich nicht möglich. Schade eigentlich, aber dank relativ großem Repertoire akzeptabel.

Fazit:
Die Sims darf sich wohl selber einen würdigen Nachfolger des süchtigmachenden Games Tetris nennen, denn mit 24 Millionen verkauften Einheiten alleine auf dem PC und einer riesigen Community (die auch aus Leuten besteht, die sonst nie vor dem PC sitzen) liegt der Erfolg auf der Hand. Auch auf dem GameCube haben die Entwickler nicht geschlampt (außer vielleicht bei den Blöcken, denn 60 Blöcke erfordern schon eine 256er Karte oder ein 3rd Party Produkt) und eine wirklich akzeptable Umsetzung abgeliefert. Das "Sim" Feeling kommt auch super rüber, die Innovationen bzw. Neuerungen halten sich in Grenzen aber sind sinnvoll (und wie der Zweispielermode wirklich ein Argument zum Kauf - auch für alte Hasen). Jeder, der auf Real-Life à la Big Brother steht, wird dieses Spiel lieben. Der Rest wird genauso danach süchtig :-) Also: Für All diejenigen, die "Die Sims" auf dem PC nicht gespielt haben lohnt sich der Kauf auf jeden Fall. Der Rest sollte vielleicht erst mal seine Geldbörse konsultieren und danach entscheiden, ob nicht eine (preislich) billigere PC Version schon reicht.

Von M..Kleditzsch
7.8Grafik
Multiplattform, effektarm aber zweckmäßig und grundsolide
8.2Sound
Zweckmäßig - Erzeugt Atmosphäre
8.9Spielspass
Multiplayer innovativ, bestverkauftes Spiel weltweit
8.5Gesamt

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