Der Anschlag
Review von T.Wackerbauer (mail) | 10. Mai 2003 | PAL Version

Viele werden den Film oder das Buch "Der Anschlag" schon gelesen oder gesehen habe, und andere werden zumindest davon gehört haben. Nun ist auch das darauf basierende Spiel für den GameCube im Handel. Da das Spiel die offizielle Lizenz zum Buch hat und eigentlich alle Lizenzspiele nicht wirklich überzeugen konnten, sollte man auch bei diesem Titel die Erwartungen herunterschrauben. Ich habe mich also mal an das Spiel drangesetzt und teile euch jetzt mein Ergebnis mit.

Gameplay:
Das Spielprinzip ist dasselbe wie in der bekannten Rainbox-Six Reihe: Ihr seid der Befehlshaber einer Eliteeinheit des FBI, welche das Beenden von Geiselnahmen, dem Eliminieren von Terroristen oder das Zerstören von illegalen Waffenlagern zur Aufgabe hat.
Hier ist also eure taktische Raffinesse gefragt, um die Missionen ohne Verluste im Team oder unter den Geiseln zu bestehen.
Eingeleitet wird man in das Geschehen durch eine in Echtzeitgrafik dargestellte Sequenz, welche von einer guten deutschen Synchronstimme begleitet wird. Leider ist die Grafik nicht ansehnlich und zeugt auf diese Weise nicht gerade von einem soliden Spiel.

Im Hauptmenü könnt ihr nun als Erstes das Training auswählen und habt dann die Auswahl aus 5 Trainingsmissionen. Das Training selbst sieht so aus, dass ihr akustische Anweisungen bekommt, die komplett in deutsch sind und zudem von deutschem Bildschirmtext begeleitet werden. Damit man sich nicht verläuft, ist ein roter Leidfaden auf dem Boden abgebildet, dem ihr einfach Folgen könnt. Auf diese Weise werdet ihr schnell durch die Funktionen und Bewegungsmöglichkeiten, die ihr während der späteren Kampagne braucht, geleitet.
Was allerdings nervend auffällt ist zum Einen, der Bildschirmtext, der den oberen Teil des Sichtfeldes bedeckt und somit einen Teil der Sicht in Anspruch nimmt. Diesen kann man jedoch nicht wegklicken und es erscheint auch öfters die selbe Mitteilung, wenn man die Aufgabe nicht sofort bewältigt. Dies ist schon recht nervig, da man die Aufgabe schon beim ersten Mal verstanden hat, nun aber durch dieses Briefing-Fenster behindert wird. Die andere Sache, die das Training ein bisschen alt aussehen lässt, ist die Tatsache, dass im Briefing immer nur gesagt wird was man machen soll, aber nie wie man dies machen kann. Es werden nie Buttons erwähnt, mit denen man sich zum Beispiel ducken kann oder wie man nachladen kann. Hier muss man entweder ausprobieren oder die Anleitung zur Hilfe nehmen. Meiner Meinung nach sollte aber gerade ein Trainingsmodus dem Spieler in das Spiel einführen und dazu gehören auch die Erläuterungen der Button-Funktionen.
So wie man den Trainings-Modus vorfindet, hätte man ihn eigentlich auch ganz wegfallen lassen können, da er in keiner Weise hilft und man nur von den Briefings genervt wird.

Nachdem man in sich nun in der Anleitung über die Grundfunktionen seiner Soldaten informiert hat, startet man den Kampagne-Modus und stellt erst einmal die gewünschten Settings ein, die da wären: Schwierigkeitsgrad (Einfach, Mittel, Hart), Im Spiel speichern (an/aus), Scheitern durch Verluste im Team (an/aus) und Unterstützungs-Teams (an/aus).
Wenn alles nach euren Wünschen eingestellt ist, kommt man zum Briefing, in dem euch erst einmal auf Deutsch erzählt wird, was vorgefallen ist und was eure Aufgabe sein wird.
Dies könnt ihr auch überspringen und gleich zur Ausrüstung vorschreiten. Euer Team besteht immer aus 3 Leute, also wird hier auch die Ausrüstung für alle 3 ausgesucht. Knackpunkt ist, dass ihr euch leider nicht die Ausrüstung selbst zusammen stellen könnt, sondern eines der vorgegebenen Pakete nehmen müsst. Die Anzahl, die euch zur Auswahl steht, hängt von eurem Fortschritt ab. Also um so mehr Missionen ihr absolviert habt, um so mehr Waffenpakete stehen euch zur Auswahl. Im Endeffekt gibt es eine nette Zahl an Waffen, derer ihr euch bedienen könnt. So habt ihr mal eine Schrotflinte, eine Handgranate und eine Pistole und ein anderes Mal geht ihr mit einer Sniper-Rifle, einer MP5 und einer Blendgranate auf Terroristen-Jagd. Das ihr aber weder euere Teammitglieder einzeln ausstatten, noch das Paket selbst zusammen stellen könnt ist alles andere als schön, und schmälert den eh schon nicht so guten Eindruck von "Der Anschlag" um ein weiteres. Hier sei dann auch gleich gesagt, dass es im Endeffekt ziemlich egal ist, für welches Set man sich entscheidet, da man bei diesem Spiel wirklich mit jeder Waffe trifft. Auf die Granaten könnte auch verzichtet werden, sind aber in einigen Fällen eine nette Dreingabe und fordern zum rumspielen auf, aber ein Einsatz selbiger ist eigentlich nie erforderlich.
Wenn ihr noch den Drang verspürt vor der Mission euer Team zu sehen und deren bis jetzt erlangten Auszeichnungen, so habt ihr dazu die Möglichkeit unter der Rubrik "Team". Ansonsten könnt ihr euch noch unter "Nachrichtendienst" Texte über eure bisherigen Mission durchlesen, welche aber nicht wirklich interessant sind.

Nun steht man also in seinem Missionsgebiet und orientiert sich erst einmal an der eingeblendeten Mini-Karte, auf welcher euer zu gehender Weg gekennzeichnet ist und zudem sowohl eure Teammates, als auch eure Feinde angezeigt werden, sobald sie in Sichtkontakt kommen. Man folgt jetzt einfach mal der Linie auf der Karte, bis man auf die ersten Feinde stößt und diese tötet. Man kann theoretisch jetzt nach jeden Gegner den man getötet hat Schnellspeichern (falls die Funktion nicht deaktiviert wurde), das ist euch dann selbst überlassen. Hier kommt es dann darauf an, wie einfach man es haben will. Wenn man sich also der Linie auf der Karte folgend, durch ein paar Terroristen "gekämpft" hat, löst man schon fast automatisch alle Missionsziele, Bombenentschärfen, Geisel retten, oder irgendwas in die Luft sprengen bzw. einen Terroristenboss killen. Selbstständigkeit ist in diesem Spiel praktisch nicht gefragt. Auf diese Weise geht es dann durch 11 Missionen, die alle sehr schnell beendet sind und dann ist das Spiel auch schon durch.
Ich musste nach dem Abspann (Credits) erstaunt feststellen, dass dieser fast mehr Zeit in Anspruch genommen hat, als alle 11 Missionen zusammen. An dieser Stelle habe ich mich ernsthaft gefragt, was so viele Menschen, in mehr oder weniger so langer Zeit, an diesem Spiel gemacht haben? Ich konnte mir diese Frage leider nicht selbst beantworten, aber weiter im Text.

Man kann sich während der Missionen verschiedene Medaillen und Streifen erstreiten, indem man bestimmte Dinge erfüllt. Diese bekommt man aber praktisch auch, während man normal durchspielt ohne sich anzustrengen. Man sieht also, das es bei diesem Spiel keine Langzeitmotivation gibt. Man spielt es an einem Abend durch und dasselbe dann auf einem anderen Schwierigkeitsgrad zu spielen oder noch 2 Medaillen zuholen ist nicht wirklich motivierend.
Hier kommt dann noch die KI hinzu, welche wirklich nicht durch Intelligenz überzeugen kann. Sowohl die Teammates, als auch die Gegner verhalten sich alles andere als clever. So laufen euch eure eigenen Kammerraden vor die Flinte, während ihr einen Feind ummäht, und dann beschweren sie sich noch das sie von euch getroffen werden. Oder aber sie blockieren Türen und lassen euch einfach nicht durch. Eine andere Sache ist es auch die Leute zu den Abholzonen zu bekommen. Bei einigen Missionen musste ich mehrmals unter meinen Teammates hin und her wechseln, um alle aus dem Team zu der Zone hinzubekommen und so die Mission abzuschließen. Ich denke doch, dass die KI wenigstens soweit sein sollte, um einer Person zufolgen ohne irgendwo hängen zu bleiben. "Der Anschlag" wäre ohne die 2 Teammates sicherlich besser dran gewesen, da sie auch im Gefecht nicht wirklich helfen. Sollte man aber trotzdem mal sterben, kann man doch froh sein noch 2 Leute in Reserve zu haben. Oder man macht einfach gebrauch von der Schnellladenfunktion, wenn man vorher Schnellgespeichert hat.
Hier sei aber auch gesagt, das ich die ersten Male wirklich am grübeln war ob mein geliebter Gamecube vielleicht abgestürzt sein könnte, denn einmal war dies sogar der Fall. Aber ansonsten waren es einfach nur die Ladezeiten, welche sich durch das gesamte Spiel ziehen und meistens durch ein bewegtes "Der Anschlag" Logo angedeutet werden.

Das Problem mit der Teammate KI hätte man auch sehr schön durch einen Kooperations-Modus lösen können, aber der wurde dem Spiel leider nicht spendiert. Genauso wenig wie irgendeine andere Multiplayer Option.



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