Review von M.Wagner (mail) | 19. Mai 2003 | US Version
Bereits im letzten Jahr feierte Ubi Soft`s "Splinter Cell" mit großem PR-Aufwand seine Premiere auf der X-Box. Nicht zu Unrecht gehört es zu den besten Titeln für die Microsoft Konsole, denn das Hightech Action-Adventure Splinter Cell bietet mit hervorragender Grafik, spannender Hintergrundgeschichte und knackiger Agenten Action so ziemlich alles, was sich das Solospielerherz wünschen kann.
Mit einiger Verzögerung hat Splinter Cell nun auch in Form einer überarbeiteten Version den Weg auf den Nintendo GameCube gefunden. Trotz dezent abgespeckter Optik will Ubi Soft auch den verwöhnten GameCube Spieler überzeugen: Neben einem auf ein spielbareres Niveau abgesenkten Schwierigkeitsgrad, bietet die GameCube Fassung ein umfangreicheres Waffenarsenal sowie die GBA-Linkfunktion.
Gameplay:
Der amerikanische Geheimdienst CIA hat den Kontakt zu zwei seiner in der ehemaligen Republik Georgien eingesetzten Geheimagenten verloren - als nächster Schritt wird sofort eine sogenannte "Splinter Cell" aktiviert. Diese ultrageheimen Unterabteilungen des NSA (National Security Agency) sind speziell für Informationsgewinnung im Kampf gegen den modernen Hightech Terrorismus ausgebildet. In Belangen der Nationalen Sicherheit stehen für diese kleinen Einsatzteams absolute Top Secret Missionen hinter feindlichen Linien auf der Tagesordnung.
Der primäre Auftrag besteht darin, das Verschwinden der beiden CIA Spione aufzuklären. Hierfür schlüpft ihr als Spieler in die Rolle des beinharten Spezialagenten "Sam Fisher", mit dem ihr durch das Bestehen zahlreicher Solomissionen eine weltumspannende Verschwörung aufdecken und verhindern müßt. Doch der Weg zum Ziel erweist sich als äußerst steinig, denn nur die perfektionierte Kombination aus taktischer Vorgehensweise und unentdecktem Agieren führt zum gewünschten Erfolg.
Die Basics erlernt man zu Spielbeginn in einem nützlichen Tutorial. Neben lebenswichtigen Standardmoves wie Laufen, Schleichen und Ducken kann Sam Fisher sich auch genretypisch an Wände drücken, um die Ecke schauen, klettern und hangeln. Das umfangreiche Move-Repertoire beinhaltet allerdings noch einige Spezialitäten wie z.B. Doppelwandsprünge oder den Split Jump. Bei der Bewegung ist vor allem darauf zu achten, immer möglichst leise vorzugehen und sich im Schatten zu halten. Die Effektivität eures lautlosen Vorgehens könnt ihr durch das "Stealth Meter" überprüfen. Sofern der angezeigte Balken möglichst überhaupt nicht ausschlägt, seid ihr für die meisten Gegner nahezu unsichtbar.
Natürlich steht euch auch eine umfangreiche Spezialausrüstung zu Verfügung. Zur Basisausstattung zählt ein multifunktionales Headset - neben Nachtsichtgerät und Zoomfunktion ermöglicht euch dieses den oft lebenswichtigen Kontakt zu eurem Missionskoordinator. Dieser gibt euch wertvolle Tipps und hilft euch das ein oder andere Mal aus der Klemme. Mit der praktischen Glasfaseroptik kann Sam durch Schlüssellöcher schauen, verschlossene Türen lassen sich hervorragend mit seinem Dietrich öffnen. Im Laufe des Spieles ergattert ihr passend zum ansteigenden Schwierigkeitsgrad immer ausgefeilteres und spezielleres Inventar. Selbstverständlich zieht Mr. Fisher aber auch nicht ganz unbewaffnet in den Kampf: Neben einigen exotischen Waffen der Marke Prototyp sind eine schallgedämpfte Pistole sowie die etwas durchschlagskräftigere Maschinenpistole so gut wie immer zur Hand. Neben Standardmunition lassen sich auch atraumatische K.O. Geschosse für die eher unentbehrlichen Ziele abfeuern. Von der Lizenz zum Töten sollte möglichst wenig Gebrauch gemacht werden, viele Gegner lassen sich durch Ablenken umgehen oder unblutig außer Gefecht setzen. Empfehlenswert ist hier das leise Anschleichen von hinten. Einmal im Rücken des Gegners platziert, lassen sich die Widersacher problemlos in den Schwitzkasten nehmen. So könnt ihr mit vorgehaltener Waffe nützliche Informationen gewinnen, Sicherheitstüren öffnen lassen oder weitere Wachen zur Kapitulation zwingen. Ein beherzter Schlag auf den Hinterkopf befördert die Kontrahenten danach in sanften Schlummer.
Dies gestaltet sich in der harten Spielrealität jedoch alles andere als einfach, denn die Gegner KI ist nicht von Pappe. Die gegnerischen Kräfte halten nicht nur Schlüsselpositionen ein, sondern patrouillieren einzeln wie auch in Teams euer Einsatzgebiet ab. Daher müsst ihr erst einmal unentdeckt bleiben und die Lage checken, meist lässt sich dann ein festes Muster und eine Schwachstelle in den Feindbewegungen erkennen. Ein wenig erinnert das Ganze an den Taktik Klassiker "Commandos". Habt ihr aber auch nur einmal durch zu forsches Vorgehen die Aufmerksamkeit der Wachen auf euch gezogen, lassen diese nicht mehr so schnell locker. Die noch eher schlichten Wachmänner suchen lediglich mit gezückter Waffe euren vermeintlichen Aufenthaltsort ab und lassen sich relativ gefahrlos außer Gefecht setzen. Profi Terroristen schlagen jedoch bei der kleinsten Ungereimtheit sofort Alarm um Verstärkung herbeizurufen. Dies kommt nahezu einem unentrinnlichen Todesurteil gleich, denn schon ein paar gezielte Schüsse lassen Sam bereits das Zeitliche segnen. Um das Agentenleben noch schwerer zu gestalten, nutzt der Feind natürlich auch technische Hilfsmittel wie Kameras oder Geräuschsensoren. Zu auffälliges Vorgehen ist auch von euren Vorgesetzten nicht erwünscht, spätestens nach dem dritten Alarm beendet euer Field Coordinator die Mission.
Insgesamt weiß Splinter Cell trotz Erz-Patriotischer Story wirklich zu gefallen. Die Missionen sind spannend und abwechslungsreich designt. Mal müsst ihr euch in den CIA Zentralrechner einhacken (Mission Impossible lässt grüßen), ein Laptop mit Geheiminformationen von einer besetzten Bohrinsel stehlen oder auch "nur" eine ausländische Botschaft auf den Kopf stellen. Hinter jeder Ecke gibt es dabei etwas zu erleben. Die Designer haben dem Spiel dank gescripteter Ereignisse eine ganze Menge Leben und Charakter eingehaucht. Ständig werdet ihr dadurch vor abwechslungsreiche Herausforderungen gestellt. So entwickelt sich ein hochkomplexes, fast filmreifes und spannendes Ganzes, das die Genrekonkurrenz samt "Headhunter" und "Metal Gear Solid" alt aussehen lässt.
Wirklich verkorkst ist allerdings die automatische Speicherfunktion, die nur an sehr weit auseinanderliegenden Arealen eine Sicherung des Spielstandes ermöglicht. Kombiniert mit dem immer noch sehr hohen Schwierigkeitsgrad, erfordern einige Abschnitte daher mehrfaches Angehen. Auf Dauer trübt dieses Manko deutlich den Spielspaß und führt immer wieder zu frustrierenden Brüchen im Spielfluss.
Splinter Cell unterstützt die GBA Linkfunktion mit einigen nützlichen Features wie zusätzlichem Kartenbildschirm, ausgefeilteren Hacker Funktionen und Kontrolle über das GameCube exklusive "Sticky Bomb" Geschoss.
Splinter Cell belegt 17 Blocks auf der Memorycard und bietet zwei wählbare Schwierigkeitsgrade.
Nach dem Durchspielen lädt die Mini-DV zum Durchstöbern von umfangreichem "Behind-The-Game" Material ein.
Steuerung:
Splinter Cell lässt sich nach kurzer Einspielzeit hervorragend mit dem GameCube Controller steuern. Mit dem linken Analog Stick bewegt ihr die Spielfigur, der rechte Analogstick dient zum Schwenken der Kamera. Das zoomfähige Headseat könnt ihr durch einen kurzen Druck des rechten Analog Sticks nach oben aktivieren. Der A-Knopf dient als universeller Action Button. Sollten an einem Objekt mehrere Aktionen durchführbar sein, könnt ihr die gewünschte Aktion mittels eines Pulldown Menüs auswählen. Mittels Y-Taste springt Sam, X dient zum überlebenswichtigem Ducken. Die rechte Schultertaste schaltet in den Waffenzielmodus um, diesen könnt ihr durch Druck auf die B-Taste wieder verlassen. Per Druck auf die linke Schultertaste lassen sich gegnerische Wachen bewusstlos schlagen, der alternative Feuermodus aktivieren oder bei Benutzung des Scharfschützengewehres der Atem für genaueres Zielen anhalten. Das Nachtsichtgerät lässt sich durch die Z-Taste aktivieren. Mit dem digitalen Steuerkreuz schaltet ihr durch Sams Inventar. So lassen sich z.B. verschiedene Munitionstypen laden, Granaten oder auch hilfreiche Medi-Kits auswählen.
Durch Druck auf die Start Taste wird das Spiel pausiert. In diesem Pause Menü erlangt ihr auch weitere Informationen über den Missionsstatus, neue Gegenstände und im Spielverlauf gefundene Notizen.
Grafik:
Splinter Cell wird mit einer leistungsfähigen 3D Engine und komplett aus der 3rd Person Perspektive (ala Tomb Raider) dargestellt. Lediglich beim Blick durch das Headset sowie im Schussmodus wird in eine First Person Ansicht umgeschaltet. Die Kamera wird per Handsteuerung geführt, was sich zu Beginn noch ein wenig umständlich und unkomfortabel gestaltet. Nach kurzer Einarbeitungszeit wird man dafür mit nahezu immer korrekter Kameradarstellung und wirklich freier Rundumsicht belohnt. Von technischer Seite gibt es wenig zu bemängeln, Splinter Cell läuft zu jeder Zeit absolut flüssig und bietet hervorragende Weitsicht. Lediglich die Kantenglättung arbeitet sichtbar uneffektiv, hier hätte man die leistungsfähige GameCube Hardware besser ausreizen können. Die Spielfiguren sind schön gezeichnet und bestechen vor allem durch ihre wunderbar animierten Bewegungsabläufe. Wie auch das Leveldesign sind diese zwar nur wenig opulent texturiert, bestechen allerdings dafür durch eine möglichst natürliche und realistische Darstellung. Spektakuläre Explosionseffekte und knallbunte Grafiken werden bei Splinter Cell zwar nicht geboten, dafür erweisen sich dann aber die kontrastreichen Licht- und Schatteneffekte als absolute Hingucker. Da das ganze Spiel auch auf dem taktischen Ausnutzen der Dunkelheit basiert, wird quasi jeder Raum von diesen Effekten überschüttet. An einigen Stellen wird man sich dabei ertappen, einen kurzen Moment zu verharren und die tolle Grafik zu bestaunen, z.B. wenn Sam durch einen engen Gang kriecht und sanfte Lichtstrahlen durch ein löchriges Lüftungsgitter strahlen.
Die Story wird zwischen den Missionen durch vorgerenderte und qualitativ hochwertige FMV Sequenzen vorangetrieben. Splinter Cell unterstützt progressive Scan Output mittels digitalem Komponentenkabel.
Sound:
Neben angenehm treibenden, technoiden Soundtracks beherrscht eine Unzahl von verschiedenen Soundeffekten das Gameplay von Splinter Cell. Vor allem letztere stellen eine immens wichtige Komponente zum Bestehen des Spieles bei, denn viele Gegner verraten ihre Anwesenheit schon durch auffällige Geräusche: Gelangweiltes Summen, das Anzünden einer Zigarette, das leise Surren einer Kameraautomatik - all diese Geräusche gilt es aus der urbanen Hintergrundkulisse wie pfeifendem Wind oder einem anfahrenden Auto herauszufiltern und zu seinem Vorteil zu nutzen.
Audiofreaks freuen sich über Dolby Pro Logic 2 Support.
Fazit:
Splinter Cell ist momentan das beste Agenten Action Adventure auf dem Markt - alle Genrefans können bedenkenlos zugreifen. Es bietet tolle Grafik, komplexes und forderndes Gameplay, tollen Sound und eine spannende Story. Ein kleines Meisterstück ist vor allem mit der nahezu perfekten Steuerung gelungen, welche die unterschiedlichsten Aktionen ganz einfach von der Hand gehen lässt. Die Konvertierung der X-Box Fassung ist in allen Belangen hervorragend gelungen. Leider stören der hohe Schwierigkeitsgrad und die mäßige Speicherfunktion den ungestörten Spielfluss.
Auf Grund der relativ kurzen Spieldauer und komplett fehlendem Multiplayer Modus bietet Splinter Cell allerdings wenig Langzeitmotivation.
Von M.Wagner
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| 9.1 | Grafik Leistungsfähige Grafik Engine mit realistisch-texturierter Spielwelt; Tolle Licht- und Schatteneffekte; Mäßiges Anti-Aliasing | |
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| 9.4 | Sound Cooler Sound, spielentscheidende FX | |
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| 8.9 | Spielspass Spannendes, forderndes und hochkomplexes Spiel; Teils frustrierend schwer; kurze Spieldauer | |
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| 9.1 | Gesamt | |
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