Burnout 2
Review von M.Kleditzsch (mail) | 01. Juni 2003 | PAL Version

Einige Verwirrung gab es um diesen Titel von Acclaim. Immerhin wurde das Spiel (ähnlich wie bei Splinter Cell) zuerst komplett für alle Konsolen angekündigt, die Ankündigung dann aber für die XBOX und den GameCube zurückgezogen. Das ganze aber nur weil Sony sich ein „exklusives Vermarktungsrecht“ des Games für die ersten zwei Monate gesichert hatte. Nun ist Burnout 2 aber auch in einer angepassten Version auf dem GameCube erschienen, und wir sagen Euch, ob es sich lohnt, den Nachfolger des bis jetzt bei den Fans beliebtesten Racing-Games auf dem GameCube eines Blickes (oder Kaufes) zu würdigen.
Nachdem wir das Spiel auf der Games Convention schon Probe spielen durften waren wir eigentlich schon von Anfang an von dem Erfolg des Spiels überzeugt. Ob man aber dank veränderten Schadensmodellen und einer aufgebohrten Grafik einen Schritt nach vorne macht, werdet Ihr jetzt gleich lesen. Also lehnt Euch zurück und lest!

Gameplay:
Der Name Burnout steht konsolenübergreifend für feinstes Arcade-Racing mit coolen Crash-Elementen. Die Aufmachung des zweiten Teils des Spiels ist um einiges aggressiver als noch der erste Titel. So scheut man nicht die offensichtlichen Assoziationen zu dem Film „The Fast and the Furious“ schon auf dem Cover auszunutzen. Aber wollen wir erst mal mit der Beschreibung des Menüaufbaus anfangen.
Nach einem leider nicht vorhandenen Intro geht es in ein langweiliges 2D-Menü über und nachdem man 5 Blöcke auf seiner Memory Card dem Spiel „geschenkt“ hat will dieses wissen, ob man alleine oder mit bis zu drei Freunden zocken möchte. Die Optionen beschränken sich auf sinnvolle Features wie Soundeigenschaften und einer Option zum umschalten zwischen 16:9 und 4:3 Modus. Man hat – wie im ursprünglichen Burnout auch – die Möglichkeit, Meisterschaften gegen drei Computergegner zu fahren. Diese Beschränken sich jeweils auf drei Kurse und durch das Gewinnen schaltet man „Competitions“ frei, in denen man gegen Bonusautos antreten kann. Ist das Vorhaben erfolgreich, kann man diesen Wagen im nächsten Rennen dann auswählen. Zu den Meisterschaften kommt dann noch der Crash Modus und ein „Trainings-Modus“ hinzu. Im Crash Modus muss man immer an verschiedenen Locations möglichst viel Schaden durch Crashs verursachen.
Auf diesen Punkt möchte ich dann jetzt noch etwas mehr eingehen, immerhin ist er wohl die bedeutenste Neuerung des Spiels. Man legt nämlich diesmal – nicht wie beim ersten Teil – sogar Wert darauf, dass spektakuläre Crashs provoziert werden. Beim ersten Teil waren diese nämlich noch verpöhnt. So hat man also das Schadensmodell und die „KI“ (zumindest was das Brems- und Ausweichverhalten angeht) deutlich verbessert so dass man manchmal wirklich nicht weiß ob man nicht gerade „The Fast and the Furious“ guckt oder zockt. So sind spektakuläre Crashs sogar dann möglich, wenn man einfach ein anderes Auto antickt – denn alle in der Umgebung befindlichen Wagen bremsen ab und weichen aus – sprich: Masssenkarambolage. Begleitet von grafisch brillanten Funkenstrahlen aus abgefallenen Teilen wirkt dies manchmal leicht übertrieben. Aber nicht vergessen: Wir befinden uns in einem Arcade-Game. Sobald man drei Crash-Strecken „geschafft“ hat (es gibt immer drei Medaillen-Möglichkeiten) darf man sich an die nächsten drei wagen. Insgesamt stehen 30 zur Verfügung – also 15 mehr als auf der PS2 Version.
Das maßgebende, für den Titel ausschlaggebende Extra von Burnout ist die „Boost-Option“. So lange man keine Crashs während eines Rennens baut und immer schön gefährlich die Kurven nimmt füllt sich am unteren Bildschirmrand die „Boost-Anzeige“ – sobald diese ihren Höchststand erreicht hat, kann man komfortabel mit der R-Taste den Boost auslösen.
Hinzu kommen dann noch nette Extras wie z.B. die Möglichkeit, als Polizeiwagen bösen Buben das leben durch rammen schwer zu machen oder nette Wagentypen wie z.B. ein Hot-Rod oder eine Familienkutsche.
Die Streckendesigns orientieren sich zum einen an den extrem linearen Vorgängern, jedoch gibt es in den Strecken die innerhalb einer Stadt spielen wirklich riesige Straßen (-Kreuzungen) die sich manchmal recht frei dem Fahrer darbieten. Man ist also nicht mehr an dieses lineare System des Vorgängers gebunden (zumindest nicht mehr so stark).

Multiplayer:
Man sollte noch einige Sätze zum Multiplayer verlieren: Einzelrennen kann man leider immer noch „nur“ mit insgesamt zwei Playern zocken, die Crash-Level lassen sich aber auch mit 3 Mitspielern bestreiten. Jedoch dann hintereinander. Das ganze hat aber auch Vorteile: So ist das Detaillevel im 2-Spieler Modus nur minimal runtergeschraubt und alles läuft flüssig. Und da die Crashs einfach grandios aussehen, ist Burnout 2 auch ein Gesprächsthema auf einer kleinen Party wo man einfach mal testen will, wer der beste Autofahrer ist (und dank betrunkenem Zustand auf den GameCube zurückgreifen muss). Hier kann man also noch dran arbeiten, dennoch bringt der MP Anteil bei Burnout 2 noch ein paar Punkte in der Bewertung.

Steuerung:
Burnout 2 steuert sich komplett identisch zum Vorgänger. Einzig und allein das Kurvenverhalten wurde dank einer verbesserten „Slide-Funktion“ aufgebessert. Für all diejenigen, die den Vorgänger nicht kennen: Arcadelastige Steuerung, dementsprechend in keinster Weise realistisch aber einfach zu fahren.
Es stört – wie beim Vorgänger auch – eventuell, dass man nur zwei Kamerapositionen zur Verfügung hat. (3rd Person über dem Wagen und in der Stoßstange) . Sonst gibt es hier nicht viel zu sagen.

Grafik:
Die Engine von "Renderware" ist zwar nicht atemberaubend, aber Crash Szenen sind schon sehr stilvoll in Szene gesetzt worden und auch die Umgebungsgrafik ist eindeutig über Need For Speed Niveau. Leider sind die Wagenmodelle leicht „blechern“ geworden (war ja auch schon beim ersten Teil so) und wirken immer noch leicht wie Spielzeug. Die Strecken haben alle recht unterschiedliche Texturen und man kann sich auf den ersten Blick in sie verlieben. Schnee, Regen und Nebel werden in der Engine auch blendend dargestellt. Laut Acclaim soll die Engine für die XBOX und den GameCube noch einmal aufgebohrt worden sein. Dies merkt man letztendlich dann aber wohl nur am Progressive Scan Modus (und auf dem GameCube beim 60 Hz Modus). Also von der Engine her wohl nur sehr kleine Veränderungen. Die Licht-Effekte gerade bei Nachtfahrten sind beeindruckend aber vor allem wenn die Kamera am Anfang eines jeden Levels einmal über den Horizont fährt (in etwa 30 Meter über dem Boden) sieht man kleine Löcher in den Häuser-Texturen etc. Dort, wo mans nicht sieht, wurde also nicht so effektiv gearbeitet. Das dürfte hier aber wohl auch keinen stören.

Sound:
Dolby Surround Pro Logic 2 wird bei diesem Titel unterstützt. Der Sound-Stil hätte wohl unterschiedlicher nicht sein können. Haben wir beim ersten Teil dem Sound noch ein vernichtendes Urteil gegeben, so kann man dieses Mal, mit Musik die wohl an amerikanische Rockbands wie Blink182 oder The Offspring angelehnt ist, wirklich nicht meckern. Die Musik wird schneller, sobald man den Boost anschaltet, und nimmt dann wieder ab. Dennoch bleiben E-Gitarren im Hintergrund – das ganze wirkt auf jeden Fall sehr viel erwachsener als noch beim ersten Teil. Leider ist die komplette Musikuntermalung ohne Gesang. Ansonsten muss man aber loben: Man hat erkannt, was dem Titel gefehlt hat, und reibungslos ausgebessert!

Fazit:
Haben wir bei Burnout 1 noch von einem guten Rennspiel mit leider fundamentalen Mängeln (hauptsächlich bezogen auf den Sound) gesprochen, so können wir bei Burnout 2 sagen: Man hat offensichtlich erkannt, welche Probleme es bei dem ersten Teil gab, diese ausgebessert, und außerdem den Schwerpunkt vom puren Racing auf „Racing & Crashing“ verlegt. Dies kommt sowohl der Präsentation als auch dem Spiel an sich sehr zu gute. Man hat nun nicht nur die (wirklich gut gemachten, standardmäßigen) Cups, sondern auch den Crash Modus und zusätzlich noch die Möglichkeit, das aus NFS:HP2 bekannte Prinzip mit Polizei / Verbrecherjagd zu spielen. Also grundsätzlich alles, was man in einem Arcade Rennspiel braucht. Leider kann man die Autos nicht tunen und die Grafik ist gut, aber nicht perfekt. Dennoch können wir das Spiel als momentan besten Racing-Titel nur empfehlen. So sollte ein solides Racing Game aussehen.

Von M.Kleditzsch
8.5Grafik
Aufgebohrte PS2 Engine / Geile Crash-Szenen & Schadensmodell
8.3Sound
Rockige Stücke, bei Boost schneller / Extreme Verbesserung zum Vorgänger
8.9Spielspass
Dank Multiplayer, 30 Crash-Kursen, 14+ Cars, Police Chase und Meisterschaft sehr gut
8.7Gesamt

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