V-Rally 3
Review von M.Wagner (mail) | 09. August 2003 | PAL Version

Mit dem Release von "V-Rally 3" beendet Atari den Mangel an simulationslastigen Rennspielen für den Nintendo GameCube. In der Konvertierung des Playstation 2 Hits übernehmt ihr die Kontrolle über pfeilschnelle Rallye Wagen, die ihr möglichst gekonnt über widrigstes Terrain steuern müsst. An Spielumfang soll es dabei nicht mangeln, so bietet der Titel neben etlichen Rennstrecken, ausgefeilten Tuning-Einstellungen und realistischem Schadensmodell auch einen komplexen Karrieremodus.

Gameplay:
Dieser Karrieremodus bildet auch gleich das Kernstück des gesamten Spieles. Nach der Charaktererstellung und einer Anstellung bei einem geeigneten Rennstall geht es dann auch schon in der 1.6L Klasse auf die Jagd nach guten Platzierungen. Hierfür müsst ihr die Einzeletappen der verschiedenen Rallyes möglichst in der besten Gesamtzeit absolvieren. Im einsamen Kampf gegen die Uhr steht euch lediglich euer Co-Pilot zur Seite, der euch die nächsten Kurven und Gefahren auf der Straße rechtzeitig ansagt. Wer diesen Anweisungen nicht folgt, landet schnell vor dem nächsten Baum. Durch das ausgefeilte Schadensmodell wirken sich solch unschöne Kollisionen direkt auf das Fahrverhalten aus – neben etlichen Karosserieschäden und zersplitterten Frontlichtern kommt man da auch schon das ein oder andere mal mit defekter Radaufhängung oder einem platten Reifen ins Ziel. Eine gute Platzierung ist mit den damit verbundenen Zeitrückständen allerdings kaum noch zu erfahren. Zwischen den Etappen empfiehlt sich der Werkstattbereich durch das Beheben von Materialschäden und bietet dem versierten Hobbyschrauber ein umfangreiches Angebot an Feintuningmöglichkeiten an.
Zwischen den einzelnen Rallyes erntet ihr die Früchte der geleisteten Arbeit. Bei Topplatzierungen werdet ihr mit positiven Presseschlagzeilen und Belobigungen durch den Teamchef bedacht. Unter Umständen lädt euch auch ein anderes Team zu einer kleinen Probefahrt mit dem flotteren Konkurrenzfahrzeug oder bietet euch gleich den Aufstieg in die 2.0L Klasse an. Fahrt ihr allerdings nur hintere Ränge ein, droht euch Schelte und Missgunst seitens eures Teams.
Neben dem Karrieremodus bietet V-Rally3 noch das Zeitfahren und den Challenge Mode an. Im Zeitfahr-Modus könnt ihr auf der Jagd nach der Bestzeit alle Rallye Strecken direkt anwählen. Im Challenge Modus müsst ihr vorgegebene Strecken unter besonders schwierigen Vorlagen, wie z.B. ohne eine Beschädigung des Wagens absolvieren. Beide Spielmodi werden ebenfalls in einer Multiplayer Splitscreen Variante mit bis zu vier Spielern angeboten.
Insgesamt bietet V-Rally 3 mit zehn abwechslungsreichen Strecken einen ordentlichen Spielumfang. Auf dem Programm stehen neben herkömmlichen Kies- und Schlammstrecken auch vereiste Schneepisten und Wüstenrallyes. Für weitere Variation sorgen unterschiedliche Wetterbedingungen und wechselnde Tageszeiten. Auch der Fahrzeugpark weiß mit insgesamt fünfzehn aktuellen Meisterschaftswagen wie z.B. dem Peugot 206 oder Subaro Impreza zu überzeugen. Viel Mühe hat man sich mit der Simulation der einzelnen Rennwagen gemacht, diese weisen allesamt ein unterschiedliches Fahrverhalten auf.

Steuerung:
Leider bereitet die Steuerung der Fahrzeuge immense Probleme, welche man auch nicht mehr der Kategorie "schwierig und so gewollt" zuordnen kann. Gerade das so wichtige Lenkverhalten wurde derart schlampig mit dem Analog Stick umgesetzt, dass das Spiel in der schnellen 2.0L Klasse nahezu unspielbar wird. Auch nach mehreren Stunden Einspielzeit kann man den Wagen selbst in der kleinsten Kurve kaum unter Kontrolle halten. Ansonsten ist das Beschleunigungs- und Bremsverhalten sowie das Driften auf verschiedenen Bodenbelägen sehr gut gelungen. Das gut unterstützte Rumble Feature lässt die Unebenheiten der Straße wirklich spürbar werden.
Schade, bei der verkorksten Steuerung werden sicherlich nur leidensfähige Simulationsprofis ihren vollen Spaß an V-Rally 3 haben. Normaluser werfen spätestens nach der ersten Saison in der 2.0L Klasse voller Verzweiflung das Handtuch.
Nebenbei erweist sich V-Rally 3 auch noch als absolutes Speichermonster: Für das Abspeichern des Karrieremodus werden 14 Speicherblöcke benötigt. Will man im Zeitfahr-Modus auch in den Genuss von "Ghost Drivern" kommen, werden zusätzlich bombastische 158 Blöcke Speicherplatz verlangt. Ein wenig dürftig ist auch die lieblos gestaltete Spielanleitung geraten, hier werden noch nicht einmal die Einstellungen im Optionsmenü erläutert.

Grafik:
V-Rally 3 macht optisch eine gute Figur. Die Autos sind sehr detailliert und fast fotorealistisch texturiert. Im Rennverlauf mehren sich dank des ausgezeichneten Schadenmodells Beulen und Schlammspritzer auf der Gehäusekarosserie. Auch die Rennstrecken wissen zu gefallen, das „Feeling“ der dichten Wälder Finnlands oder heißer Wüstenstrecken wird gut vermittelt. Da lässt sich auch die ein oder andere PS2-typische Umgebungstextur der Marke „Schwamm“ und gelegentliches Polygonblitzen verschmerzen. V-Rally 3 bietet eine gute Fernsicht, dadurch behält man jederzeit den Überblick über die Streckenführung. Hervorragend ist auch die optische Umsetzung der Witterungsbedingungen, Nachtfahrten durch dichten Nebel geraten damit wirklich zu einem absoluten Höllenritt. V-Rally 3 lässt sich jederzeit flüssig und ohne große Slow-Downs spielen, der 60Hz. PAL Modus wird per RGB Kabel unterstützt.

Sound:
Während in den Optionsmenüs noch sanft chillende Technorhythmen vorherrschen, bestimmen satte Motorensounds und die Ansagen des Co-Piloten das Spielgeschehen. Diese bringen das Renngeschehen gut herüber und bündeln die Aufmerksamkeit auf das Wesentliche. Insgesamt macht der Titel akustisch eine eher unauffällige Figur, das aber auf hohem Niveau.

Fazit:
V-Rally 3 ist eine gute Rallyesimulation mit schicker Grafik, nettem Sound und großem Spielumfang samt motivierendem Karrieremodus. Die schlechte Steuerung der Fahrzeuge übersteigt allerdings das für den Normaluser erträgliche Maß. Rallye Freaks, die selbst die vertrackteste Steuerung noch als Herausforderung ansehen, können bedenkenlos zugreifen. Allen anderen Spielern sei vor dem Kauf ein vorheriges Anspielen ans Herz gelegt.

Von M.Wagner
8.3Grafik
Schicke und flüssige Grafik; detaillierte Fahrzeuge; aufwendiges Schadensmodell
7.9Sound
Sanfte Technorhythmen, satte Motorensounds und gute Sprachausgabe
6.0Spielspass
Großer Spielumfang; auf Grund der schlechten Steuerung eingeschränkter Spielspaß
7.1Gesamt

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