F-1 Career Challenge
Review von S.Altemeier (mail) | 05. September 2003 | PAL Version

Wer kennt es nicht, dass Spektakel, das jedes zweite Wochenende im Fernsehen um ein paar schnelle Autos und deren Fahrer gemacht wird. Da wird jedes noch so kleine und unwichtige Detail fünfmal besprochen und wirklich jeder noch so unwichtige „Star“ interviewt, obwohl es dem Zuschauer doch eigentlich nur um eine Sache geht: das Rennen.
Das ärgerliche bei so einer Fernsehübertragung ist natürlich, dass man von jedem Rennen nur einen Eindruck bekommt und nie alles mitbekommt, sowie immer in einer gewissen Distanz zum Rennen steht. Um diese Distanz überbrücken zu können, pilgern Rennen für Rennen mehrere tausend Fans auf die Rennstrecke und geben dafür ordentlich Geld. Wer das nicht machen will, für den bringt EA Sports auch dieses Jahr wieder ein Formel 1 Spiel auf den Markt. Ob man mit dem Spiel „mittendrin statt nur dabei“ ist, oder es sich um einen öden Aufguss der vorherigen Spiele handelt, erfahrt ihr im folgenden Test.

Gameplay:
Nun gut was soll man zum Gameplay eines Sportspiels schon großartig sagen, wenn im Prinzip schon alles im Namen des Spiels steckt? Nun gut fangen wir trotzdem mal vorne an: Bei „Formel 1 Carrer Challenge“ handelt es sich - oh wunder- um eine Umsetzung der Spitzenklasse des Motorsports, der Formel 1 also. Nachdem es bei EA Sports bis jetzt immer üblich war, jeder Sportspielreihe ein jährliches Update der Lizenz und minimale spielerische Verbesserungen zu verpassen. standen die Kanadier diesmal bei der Formel 1 ziemlich im Regen; hatte sich doch Sony die Exklusivrechte für die Saison 2003 gesichert, als kräftiges Zugpferd für die PS2. Aber da man bei EA Sports natürlich nicht auf die lukrativen Einnahmen aus dem Formel 1 Geschäft verzichten wollte und man ja noch die Rechte von den Jahren davor besaß, entschloss man sich ein Spiel zu machen, welches auf den Lizenzen von 1999 bis 2002 beruht. Was sich auf den ersten Blick nicht sehr spannend anhört, entpuppt sich auf den zweiten Blick als mittelgroße Sensation, denn EA hatte doch mal wirklich einen guten Einfall, was man denn mit den altbackenen Lizenzen anfangen könnte. Da das Spiel nicht nur auf ein Jahr beschränkt ist, wurde als Zugpferd des ganzen Spiels ein Karriere Modus eingebaut, der sich über 4 Jahre erstreckt und den ansonsten üblichen Meisterschaftsmodus ersetzt. Wer keine Lust hat gleich eine ganze Karriere zu starten, der kann beim „schnellen Rennen“ sich auf allen Strecken und mit allen Fahrern von 1999 bis 2002 ein Rennen liefern, oder im Multiplayer gegen einen Freund antreten.
Doch erst mal wieder zurück zum interessantesten Modus, der Karriere. Hier beginnt man mit der Erschaffung seines Charakters, was sich allerdings auf Namen, Aussehen und den Helm (der anscheinend sehr wichtig ist) beschränkt. Danach geht es zur Teamwahl. Natürlich ist es klar, dass man nicht von Anfang an im McLaren oder Ferrari fahren kann und von daher hat man am Anfang nur die Wahl zwischen den schlechteren Rennställen wie Minardi oder BAR. Wer jetzt aber denkt, dass man mit diesen Autos doch überhaupt keine Chance hat, der liegt... genau richtig. Denn wenn man probiert im Qualifying mit einem dieser Autos eine gute Rundenzeit hinzulegen ist das schon sehr frustrierend, da man aufgrund der schlechten Motorenleistung kau meine Chance auf einen Platz unter den ersten 15 hat, auch wenn man sich ohne eine Fehler um die Runden gehetzt hat. Aber man sollte nicht gleich verzweifeln, denn auch die schlechteste Leistung wird nicht sofort mit einem Rausschmiss geahndet, denn sonst wäre das Spiel sehr unfair. Und da man nach ein paar Grand Prixs langsam aber sicher die Steuerung und das Auto unter Kontrolle hat, schafft man es eigentlich immer auf eine Platz zwischen 10 und 20. Und da diese Platzierungen für einen neuen Fahrer ein nicht schlechtes Ergebnis zu seien scheinen, steigert sich der Ruf des Fahrers mit jeder guten Leistung. Natürlich erwartet das Team bei dem fährt nach dieser guten Leistung auch die Wiederholung dieser Leistung und wenn man das nicht schafft, sinkt der Ruf halt wieder. Nun stellt sich natürlich die Frage wofür der Ruf des Fahrers denn benötigt wird und das ist im Prinzip ganz simpel: Ohne einen gewissen Ruf interessieren sich andere Rennställe nicht für eure Leistungen und ihr fahrt im nächsten Jahr nicht im Benetton, sondern immer noch im ollen Minardi dem Feld hinterher. Man sieht also das es vor allem in der ersten Saison nicht darauf ankommt, ob man in die Punkte fährt oder gar Weltmeister wird, sondern darauf, dass man die Erwartungen des Teams erfüllt oder sogar übertrifft und so seinen Ruf steigert. Was sich vielleicht jetzt langweilig anhört, ist im Spiel eigentlich Recht spannend, da man probiert die bestmöglichste Leistung aus seinem ziemlich schlechten Auto rauszuholen und man sich über jede bessere Platzierung freut. Und außerdem kann es durch günstige Umstände und aggressives Verhalten auf der Fahrbahn auch schon mal zu einer Podiumsplatzierung führen. Generell ist aggressives Fahren in der ersten Saison keine schlechte Leitlinie, da sich das Schadenmodell auch bei den teilweise wildesten Crashs schwer tut den Fahrer aus dem Rennen zu schicken; es passiert also eher selten etwas, was das Renngeschehen für einen selbst wirklich beeinflusst. Ab der zweiten Saison ändert sich das ein wenig, da kann man auch schon mal wegen der ein oder anderen Berührung mit dem Vordermann einen Motorschaden bekommen (ob das dann allerdings so logisch bleibt zu bezweifeln) und man muss langsam an die Box fahren wo im Prinzip jeder Schaden behoben werden kann. Apropos Boxenstopp: Dieser ist interaktiv, was so viel heißt, dass man beim Reinfahren in die Box auf das Geschwindigkeitslimit abbremsen muss, danach noch mal bremsen und dann lenken, schalten und beschleunigen muss. Im Prinzip eine nette Idee, doch die Umsetzung hätte besser gelingen können. Zurück auf der Strecke beobachtet man dann die teilweise total dämliche KI der computergesteuerten Konkurrenten, die einen des öfteren lieber neben als auf der Strecke sehen und einen dann ohne Kompromisse abschießen. Dies ist aber nicht immer so, denn es gibt auch oft Zeitspannen, wo die KI wunderbar funktioniert und die Fahrer einem die Überholmöglichkeit wegnehmen in dem sie die Lücke zu machen.
Als letzte Beschreibung des Karrieremodus gehen wir noch einmal auf die möglichen Einstellungen ein, die sich bei den Formel 1 Fahrzeugen an sich sehr in Grenzen halten. Gerade einmal drei Tuningmöglichkeiten gibt es und dabei handelt es sich um die Lenkung, den Antrieb und das Getriebe, die anhand eines Reglers eingestellt werden. Andere Tuningmöglichkeiten gibt es nur durch die Punkte der EA Sports Karten, die man bei jedem Grand Prix gewinnen kann, in dem man möglichst viele Gegner nacheinander innerhalb eines Zeitlimits oder beim Start überholt, oder möglichst viele Kurven nacheinander perfekt fährt, oder das Rennen gewinnt, etc.. Sobald man irgendwelche von diesen Karten gewinnt, bekommt man Punkte gutgeschrieben, die man dann später für ein Motor- oder Bremsenupdate, einen perfekten Boxenstopp und andere Sachen ausgeben kann. Unter diesen anderen Sachen befinden sich auch neue Helme und Boxenluder, die allerdings nicht nach jedem Rennen neugekauft werden müssen, wie die mechanischen Updates.
So viel zum Karrieremodus kommen wir zum „schnellen Rennen“ und zum Multiplayer. Das „schnelle Rennen“ bietet im Prinzip die Möglichkeit durch alle vier lizenzierten Jahre zu fahren, ohne sich erst hocharbeiten zu müssen. Man kann also sofort mit Michael Schumachers Ferrari um den Hockenheimring brausen und muss nicht erst noch 2 Saisons durchspielen. Ansonsten bleibt auf der Strecke alles gleich, nur dass man sich die Rundenanzahl, das Wetter und ähnliches aussuchen kann. Der Multiplayer bietet für 4 Personen die Möglichkeit im Splitscreen ein Rennen zu bestreiten, allerdings das auch nur alleine und nicht mit computergesteuerten Gegnern. Man kann also sagen, dass sich die Fahrt als relativ trostlos gestaltet und wenn man mit jemanden spielt der das Spiel noch nie gespielt hat, wird sich dieser spätestens nach dem zweiten Rennen verabschieden, da ihn die Steuerung wahnsinnig macht.

Steuerung:
Ja was soll man zu der Steuerung von F1 Career Challenge sagen? Nach dem ersten anspielen habe ich mir für diese Zeilen hier so wunderschöne Worte zum Verreißen zurecht gelegt, da man am Anfang nur die Möglichkeit hat um die Strecke zu schleichen oder alle 5 Meter abzufliegen und im Kies zu landet. Allerdings wer die Geduld mitbringt und sich langsam aber sicher an die Steuerung gewöhnt und die für sich beste Einstellung im Wagenmenü findet, der wird nach einiger Zeit selbst in den engen Gassen von Monaco gut fahren können. Auf jeden Fall beschleunigt man mit dem A-Button und bremst mit B, was im Laufe des Spiels immer wichtiger wird. In der Boxengasse schaltet man zusätzlich noch mit der R-Taste, ansonsten kann man keine manuelle Schaltung einstellen, nur eine Halbautomatik im Modus „schnelles Rennen“, bei dem man mit R hoch- und mit L runterschaltet.. Mit dem Y-Knopf schaut man in den Rückspiegel und auf X werden die Kameraperspektiven durchgeschaltet von denen es vier Stück gibt. Die restlichen Tasten haben keine Funktionen.

Grafik:
Die Grafik im ganzen Spiel ist leider sehr bescheiden ausgefallen. Sowohl die Formel1 Wagen, als auch die Strecken sind alle polygonarm und wirken recht trist. Zwar sind alle Kurse originalgetreu abgebildet, allerdings fehlt die Abwechslung am Streckenrand. Entweder Kies/ Asphalt- oder Rasenauslaufzonen langweilen mit der Zeit, genauso wie die Wetterverhältnisse, die nur selten während des Rennens umschlagen. Sowieso scheint eigentlich meistens die Sonne und wenn man auf einigen Strecken der Sonne entgegen fährt bekommt man einen tollen Ausblick (zum Beispiel auf dem A1 Ring in Österreich). Schade, dass das nicht für alle Strecken zählt. Die Regeneffekte sehen auf dem Visier ganz gut aus und auch der Regen der von oben kommt, kann man sich angucken. Dafür sieht eine nasse Fahrbahn eher aus wie eine Ölspur, was abschnittsweise eine sehr bizarres Szenario rüberbringt. An Streckenhöhepunkte ist besonders der Nürburgring, sowie Sepang in Malaysia aufzuzählen, wo die Atmosphäre, vor allem wegen der vielen Zuschauertribünen besonders gut rüberkommt.

Sound:
Der Sound siedelt sich genauso wie die Grafik nur im technischen Mittelmaß wieder, denn man hat nicht immer das Gefühl mit Formel 1 Boliden unterwegs zu sein, sondern mit dem Moped vom Opa. Während der Menüansicht plätschert eine leise Melodie vor sich hin, die man sich zwar anhören kann; allerdings ist das nicht unbedingt zwingend. Ganz positiv ist der Boxenfunk während der Rennen zu sehen, weist er doch teilweise auf einige wichtige Sachen hin. Allerdings gibt es ungefähr doppelt so viele unbrauchbare Soundspuren, hier einige Beispiele: „Coulthard hatte einen Motorschaden, Coulthard hat gerade eine Position gut gemacht“ oder „Barrichello fährt jetzt in die Box, Barrichello ist jetzt erster“. Also auch der Sound eine Sache, wo man vieles hätte besser machen können.

Fazit:
F1 Career Challenge ist kein schlechtes Spiel, dass ist klar. Formel 1 Fans ärgern sich zwar über die alten Lizenzen, bekommen dafür aber die Möglichkeit eine eigene, virtuelle Formel 1 Karriere zu starten. Anfänger werden mit der Steuerung sehr wahrscheinlich nicht klarkommen und den Controller nach ein paar miserablen Ergebnissen in die Ecke pfeffern. Im Prinzip ist das Spiel nicht schlecht und hat einige gute Ansätze, doch damit man wirklich von einem guten Spiel sprechen kann fehlt vor allem technisch und spielerisch einiges. Zwar fesselt einen der Karrieremodus einigermaßen lang, doch auch hier hat sich irgendwann das Interesse erschöpft, spätestens wenn man zum zweiten Mal Weltmeister wird. Alle die unbedingt ein Formel 1 Spiel haben wollen und noch keine besitzen sollten sowohl dieses hier als auch F1 2002 Probespielen und dann entscheiden welches besser ist. Alle anderen brauchen dieses Spiel nicht.

Von S.Altemeier
6.8Grafik
Technisches Mittelmaß, für die Formel 1 zu wenig
7.4Sound
Mieser Motorensound, ansonsten guter Durchschnitt
7.9Spielspass
Dank Karrieremodus recht lange an den Bildschirm fesselnd
7.6Gesamt

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