Review von M.Wehmeier (mail) | 11. Oktober 2003 | PAL Version
Vor vier Jahren machte ein imposantes Kampfspiel auf der schicksalskranken Dreamcast auf sich aufmerksam. Zwar war Soul Calibur letztendlich nicht mehr als ein glänzender Stern im Schatten großer Konkurrenten, wie der Dead or Alive- oder Tekken-Serie, doch die makellose Spielbarkeit machte das Spiel unvergessen und die damalige Grafikpracht wurde blitzartig zur unerreichten Referenz.
Nun erhält Namco’s Serie, die einst im Playstation-Spiel Soul Edge seinen Ursprung fand, vielversprechenden Zuwachs. Der Multikonsolentitel Soul Calibur II soll da anknüpfen, wo der Vorgänger aufgehört hat: mit der Throneinnahme und dessen Verteidigung.
Gameplay:
Wie mittlerweile fast schon standardmäßig bekommt der Spieler am Anfang ein schönes Intro vorgeführt, in dem die Charaktere dramatisch heldenhaft – zwischen hymnischen Tönen und lockeren, südländischen Gitarrenklängen – in Szene gesetzt werden.
Im Optionsmenü angekommen, fallen die kampfspieltypischen Modi, wie der „Arcade“- und Einzel- bzw. Mehrspielermodus, wie auch der von dem Vorgänger bekannte Waffenmodus zuerst ins Auge. Ein Trainingsmodus hilft dabei, anfängliche Schwierigkeiten zu beseitigen oder bestimmte Kampftechniken zu perfektionieren. Abgerundet wird der gute Gesamteindruck durch den Überlebenskampf, in dem so viele Gegner wie möglichst eliminiert werden müssen, und dem Zeitkampf sowie vorerst geheimen, später freispielbaren Spielmodi.
Was sich in den Moduskategorien so verschieden und abwechselungsreich anhört, ist in der Arena immer das Gleiche: Zwei Kämpfer stehen sich gegenüber und schlagen sich gegenseitig die Lebensenergie aus den Balken. Doch bevor feststeht wer gewonnen hat oder wer überhaupt gegen wen antritt, müssen erst die „formalen Dinge“ erledigt werden, sprich Charakterbestimmung und Schauplatzauswahl. Von vorhandenen 23 Kämpfern sind nur 15 am Anfang anwählbar, die Restlichen sind Belohnungen, die zugänglich werden, wenn der Spieler bestimmte Level des Waffenmeistermodus bewältigt.
Zusätzlich hat jeder Raufbold ein Profil, das nach Durchspielen des Arcade-Modus verfügbar wird, aber nichts Weltbewegendes offenbart; Angaben über die Herkunft, Alter und die Arena, in die der Charakter kämpft, sowie eine Audiodatenbank mit auf Knopfdruck abrufbaren Sprachfetzen erfreuen Informationsdurstige.
Jeder kommt auf seine Kosten: Samuraifreaks wählen „Mitsurugi“, Zelda-Fans „Link“, Anhänger von Stabakrobaten „Kilik“ und Freunde der Devotion die herrische „Ivy“. Ist die Entscheidung über den Kämpfer und dessen Outfit (jeder hat zwei verschiedene) gefallen, kommt nun die nächste Frage: In welcher Arena kämpfe ich? Unabhängige Antwort gibt der Zufallsknopf. Andernfalls kann zwischen zehn Kampfumwelten entschieden werden, die aber nicht auf die Charaktere zugeschnitten sind. Sei es aber ein japanischer Vorhof, eine Höhlenplattform in der Nähe eines Schiffes oder eine altertümliche Kathedrale, richtig überzeugen kann keine Arena, es fehlt einfach die Liebe zum Detail und auch die Interaktivität – von Aha-Effekten ganz zu schweigen.
Dafür punktet das Gameplay auf ganzer Linie. Selten war ein Kampfspiel in der Art umfangreich und tiefgängig und doch so schnell gut bedienbar. Anfänger werden nicht verzweifeln und gestandene Profis werden mit den höheren Schwierigkeitsgraden ihren Spaß haben.
Kampftechnisch verfällt Soul Calibur II nur selten in wahllosen Knopfdrückorgien, denn sobald man gegen erfahrene Spieler antritt, nützt das Gutglückdrücken gar nichts mehr – ein Zeichen für die hervorragend ausbalancierte Steuerung.
Neben diesen Stärken hat aber auch Soul Calibur II Schwächen. Neben ein paar visuellen Defiziten – mehr dazu unter „Grafik“ – leidet das Werk unter Innovationsmangel, es gibt nichts was es nicht schon mal gab. Dafür besticht Namco’s Vorzeigekampfspiel durch einen immensen Gehalt an versteckten Extras. Neben den oben genannten Profilen gibt es eine Handvoll versteckter Arenen, Dutzende von Waffen, Modi und auch Charaktere frei zu spielen.
Final ist zu sagen, dass der Dreamcast Nachfolger ein Würdiger ist. Soul Calibur II ist leicht zu spielen, schwer zu meistern und wartet mit einer derart großen Menge an versteckten Zusätzen auf, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll zu sammeln.
Steuerung:
Zeichnete sich der Vorgänger noch durch überschaubare Kampfhandlung aus, findet man nun eine ungewohnt schnelle Kampfhandlung vor, die sich am ehesten mit Hilfe von Konkurrenzprinzipien, wie der „Dead or Alive“-Serie, definieren lässt.
Erfreulicherweise lässt sich das rasante Geschehen durch die gute Steuerung der Akteure fast perfekt kontrollieren. Die Charaktere, die entweder mit dem Analog-Stick oder Digital-Pad dirigiert werden, gehorchen auf Tastendruck präzise, was nicht in jedem Kampfspiel der Fall ist. Die einzelnen Tastenbelegungen können im Optionsmenü den eigenen Vorstellungen angepasst werden, wobei die vorgegebene Einstellungen (siehe Infobox) optimal sind.
Grafik:
Grafikreferenz? Ja, allerdings sagt das auch nichts aus, bei der gegenwärtigen Konkurrenz auf dem GameCube. Während auf anderen Plattformen andere Thronanwärter („Tekken“ und „Virtua Fighter“ auf der PS2, „Dead or Alive 3“ auf der X-BOX) mit Soul Calibur II um die Krone kämpfen, bleibt auf dem Nintendo Flagschiff entweder dieser Kampf aus oder er spielt sich zwei Qualitätsebenen darunter ab. Als Konkurrenz könnte „Def Jam Vendetta“ oder „Mortal Kombat Deadly Alliance“ entgegengesetzt werden, die aber im Vergleich zu den genannten Konkurrenz der anderen Konsolen grafisch nichts entgegenzusetzen haben.
Insgesamt wirkt die Grafik überwiegend gelungen, wobei der Vergleich zum Vorgänger bescheiden aussieht. Technisch wurde zwar ein Schritt nach vorne gemacht – dieser kann aber nur mit „schwach“ beurteilt werden (sind die Programmierer etwa schon auf den Zielgraden zur bestmöglichsten Grafik?) – doch gleichzeitig in Sachen „Liebe zum Detail“ drei zurück.
Die Kämpfer bewegen sich realistisch wie flüssig und auch sonst punkten die Charaktere in Sachen Design auf ganzer Linie. Von „Frame-Rate“ Einstützen ist ebenso wenig zu sehen, wie von dem ungewünschten Treppeneffekt – die PS2 lässt grüßen. Schöne Lichteffekte bei spezifischen Attacken verzaubern die Augen des Spielers, allerdings ziert nicht nur Glanz den Gesamteindruck. Ein großer Kritikpunkt ist die Außenwelt. Die Arenen erscheinen lieblos dahinprogrammiert und wirken letzten Endes auch steif und leer. Fühlte man noch beim Vorgänger eine oft dunkle, bedrückende ab und zu aber auch fidele Atmosphäre, klafft hier ein Loch der Langeweile.
Auch Hintergrundstexturen mit niedriger Auflösung, die u.a. Gebäude entstellen, machen die Arenen zu einem Kontrastbild zu den gelungenen Kämpfern.
Trotz allem Negativen: Visuell spielt Soul Calibur II auf sehr hohen Niveau. Wer einen starken Vorgänger im Rücken hat, der ist halt hohen Erwartungen ausgesetzt.
Zum Schluss bleibt noch zu bemerken, dass der „Legend of Zelda“-Held Link einfach nur deplaziert ist und neben den ganzen doch sehr ernsten Charakteren – denen man alle einen gewissen Grad Melancholie nicht absprechen kann – wie eine sich im falschen Film befindende Witzfigur wirkt.
Sound:
Für ein Kampfspiel bietet Soul Calibur II ein wahrhaft großes Aufgebot an verschiedenen Musikstücken. Die abwechslungsreichen, episch dramatischen Hymnen erfüllen ihre Aufgabe und tragen zur etwas mittelalterlich fantasievollen Aufmachung des Spiels bei. Letztendlich bleibt die Untermalung aber im Unterbewusstsein und verzaubert den Gehörgang nicht mit musikalischen Ohrwürmern, wie es Konkurrenten (siehe „Guilty Gear X“) können.
Neben dem Sound hat auch jeder Charakter circa ein Dutzend mehr oder weniger sinnvolle und intelligente Sprüche auf Lager, die der Spieler zu Beginn eines Kampfes zu Ohr bekommt. Die gewöhnlichen Stöhn- und Schlageffekte sind typischerweise auch vorzufinden.
Freunde von gepflegten Surround Sound werden sich zusätzlich über die Dolby Pro Logic 2 Unterstützung freuen.
Fazit:
Cassandra, Voldo, Ivy und Co. sind zurück. Soul Calibur II besticht durch ein schnelles, unkompliziertes aber doch umfangreiches Gameplay und einer famosen, aber nicht perfekten Optik. Triftigstes Kaufargument ist aber die enorme Spieltiefe. Einspieler werden hinreichend Spaß mit dem Waffensammeln und Extras Freispielen haben; Mit Freunden steigt Namco’s Werk zwar nicht in den Olymp der Partyspiele auf, verspricht aber lange Nächte verbissener Kämpfe.
Ein paar Spielern wird die Rasanz ebenso wenig gefallen, wie die lieblosen Arenen. Wird über diese kleinen Schönheitsfehler aber der Mantel der Toleranz gelegt, erwartet den Kampfspielfan ein wahres Highlight.
Es bleibt festzuhalten, dass ein würdiger Nachfolger programmiert wurde, wenn auch der Flair der Dreamcast Version durch die arcadelastigere Spielaufmachung zum großen Teil verloren geht. Aber daran werden sich - wenn überhaupt - sowieso nur die Personen erinnern, die der Dreamcast Respekt gezollt haben – und das waren ja bekanntlich nicht viele.
Von M.Wehmeier
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| 8.6 | Grafik Das Grafikniveau spielt auf hoher Ebene. Fabelhafte Kämpfer, flüssige Animationen, doch die Arenen wirken lieblos dahinplatziert, ebenso wie der Zusatzcharakter Link | |
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| 8.0 | Sound Eine reichhaltige Auswahl an passenden Musikstücken sorgt dafür, dass nicht zu schnell der Lautlosknopf auf der Fernbedienung gedrückt wird. DPL II Zusatz | |
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| 9.1 | Spielspass Exzellentes Gameplay und viele versteckte Extras sorgen nicht nur zu zweit für viel Spaß | |
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| 8.9 | Gesamt | |
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