The Italian Job
Review von M.Kleditzsch (mail) | 29. Oktober 2003 | PAL Version

„Charlie Croker wurde in Venedig nach dem größten Goldraub aller Zeiten von einem seiner eigenen Männer übers Ohr gehauen. Natürlich brennen er und seine Komplizen nun darauf, sich an dem Verräter zu rächen und ihm das Gold wieder abzunehmen. Doch das ist leichter gesagt als getan...“

Gameplay:
Wie? Ihr dachtet „The Italian Job“ wäre ein Rennspiel? Naja, nicht ganz. Die Entwickler von Eidos Interactive haben nämlich aus der Filmlizenz „The Italian Job“ – dem Remake eines Films aus den 60er Jahren, welcher den „Mini“ als einen der Hauptakteure einsetzt – einen Zwitter aus Racing-Game und Adventure geschaffen. Eindeutig orientiert sich das Spiel an den ersten Teilen der „Driver“ Reihe, denn Ihr verlasst Euren Wagen (meistens ein chicer Mini) nie. Die Story wird von Punkt zu Punkt erzählt und so werden euch auch die Missionen zugesteckt.
Dank des Filmvorbildes dürften Kenner die Story des Games schon kennen, jedoch wird der komplette Storyplot ja noch einmal aus einer anderen Perspektive erzählt. Dank Originalsynchronstimmen und übernommenen Bildern aus dem Film präsentiert sich das Spiel in den Menüs und den Cut-Scenes wirklich einwandfrei und dürfte den Charme des Films perfekt widerspiegeln. Zwischen den Missionen sieht man also Cut-Scenes in Ingame-Grafik unterlegt mit genialen Audiokommentaren. Das ganze taugt schon fast als Hörbuch. Hinzu kommen sehr gut umgesetzte Skriptbewegungen innerhalb der Sequenzen – schon fast wie im Film!
Reale Bilder – also direkt aus dem Film (welcher übrigens am 3.11.2003 in den deutschen Kinos anläuft) bekommt man übrigens nicht nur im Intro, sondern auch bei freispielbaren „Special-Features“ zu sehen. Also eigentlich das Programm, welches normalerweise auf die Film-DVD gepresst wird. Ein Wort noch zum Thema Spielmodi: Neben dem „Story-Modus“ lassen sich auch 1- oder 2-Spieler „Stadtralleys“, Stunt-Rennen, Zeitrennen oder ein Freeride fahren. Jeder Modus hat zu Beginn nur ein oder zwei Strecken zur Auswahl, nach geglücktem Durchspielen nehmen die Zahlen aber zu!
Zu erwähnen sei noch die Funktion des Multiplayers. So lassen sich im schon erwähnten Stadtrallye-Modus Rennen gegen Freunde ausführen, welches den Langzeitspaß nach oben bringt, leider fehlt uns aber ein 4P Modus. Hinter dem Stuntmodus verbirgt sich eine Mischung aus Geschicklichkeitsrennen und der Möglichkeit, mit verschiedenen Fahrzeugen verschiedene „Tricks“ auszuführen. So kann der Mini durch drücken der R-Taste in einer Kurve auf nur 2 anstatt 4 Rädern fahren, also eine Art Powerslide. Dafür gibt’s dann sowohl im Stuntmodus als auch im Storymode Punkte.

Steuerung:
Die Steuerung ist sehr arcadelastig und lässt sich gut mit den beiden Burnout-Teilen vergleichen. Leider überzeugt das Kurvenverhalten nicht ganz so wie die angesprochene Konkurrenz aber dennoch spielt sich das Game flüssig und intuitiv. Nach 10 Minuten einfahren sollte man alles drin haben.

Grafik:
Leider einer der Kritikpunkte des Games. Denn die restliche Präsentation ist rundum perfekt, die Engine erinnert bisweilen aber stark an Burnout und bietet als wirkliches „Augenhäppchen“ nur die Lichteffekte. Passanten wurden absichtlich nicht eingebaut (da auch die Filmvorlage „unblutig“ ist) und dementsprechend herrscht eine notorische Leere auf den Straßen. Die Fahrzeuge wirken gegen die Konkurrenz (die ja wirklich hart ist) leicht klobig und erreichen nicht den von Need for Speed aufgestellten Anspruch. Das Schadensmodell ist stark auf Arcade getrimmt und dementsprechend unrealistisch, erfüllt aber den Zweck. Natürlich gibt es auch positive Aspekte der Engine, so können recht viele Wagen auf einmal dargestellt werden, die Ladezeiten sind angenehm kurz und die virtuellen Städte sind mitunter riesig. Innerhalb von Intros zeigt sich die Engine auch sehr flexibel und auch „Nostalgie-Layer“ sind kein Problem (ähnlich Filmen aus den 60ern – wie der Originalstreifen). Man kann einige Bereiche nicht erreichen, welche in anderen Spielen keine Probleme darstellen sollten und die Physik wirkt nicht ausgereift.
Unterm Strich bleibt eine Engine der gehobenen Mittelklasse.

Sound:
Musiktechnisch hält sich der Titel dezent zurück. Typische Filmmusik (klingt leider sehr aus dem Synthesizer geschüttelt) macht sich nur leicht im Hintergrund bemerkbar. Dort, wo das Spiel die Stärken hat, wird aber passend betont. So wird die Synchronisierung voll ausgespielt und man ist, wie schon erwähnt, schon noch einigen Augenblicken an die Story gefesselt und dank des „Aha“ Effektes der einzelnen Stimmen (denn man kennt sie aus diversen Filmen) wird es auch nicht langweilig. Soundeffekte sind gut platziert und man hörte den Unterschied von Mini zu Mini Cooper Sport noch nie so gewaltig. Wirklich eine herausragende Leistung für einen Lizenztitel und klar eine der Stärken von „The Italian Job“.

Fazit:
Sicherlich haben wir es hier mit einem Werbeträger sowohl für den Mini Cooper als auch für den Film „The Italian Job“ zu tun, aber man merkt deutlich, dass sich Eidos sowohl mit der Produktion als auch mit der Sprachanpassung sehr viel Mühe gegeben hat.
So stehen einem alternativ auch viele andere Gefährte zur Auswahl, die Levels sind abwechslungsreich und die Cut-Scenes kommen effektgeladen und durchdacht rüber. Die Story, gut aus dem Film übernommen, trumpft auf ganzer Linie. Somit ist dieser Titel nicht nur für Fans des 69er Streifens „Charlie staubt Millionen ab“ oder des Minis zu empfehlen, sondern auch für Freunde durchdachter Arcade-Racing-Action mit spannenden Story-Elementen. Für manche sehr wichtig ist die Zeitbegrenzung bei den Missionen, welche hier nicht ungenannt bleiben sollte.

Von M.Kleditzsch
7.5Grafik
Durchschnitt mit netten Effekten & Scripts
9.0Sound
Wunderbare Synchro mit realitätsnahen Effekten
8.5Spielspass
Dank Storymode, 2 Player & Stunteffekten Dauerspaß garantiert
8.5Gesamt

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