Phantasy Star Online Episode 1&2 - Offline Review
Review von J.Hampf (mail) | 29. Oktober 2003 | PAL Version

Phantasy Star Online (PSO) - davon hat wohl schon jeder Gamer mal etwas gehört. Doch bevor wir zum eigentlichen Spiel kommen, möchte ich noch einmal einen Griff in die Entstehung und Geschichte von diesem weltbekannten Rollenspiel wagen. Es war das Jahr 1988 als der erste PSO auf den Markt kam; damals noch für das Sega Master System. Mit 4 Helden musste man sich auf den Weg machen um das Böse aus dem `Algol Star System´ zu vertreiben. Im Vergleich zum aktuellen PSO-Teil gab es damals noch kein Action-Kampf-System - das ganze lief rundenbasiert ab, mit einer sehr ausgeklügelten Technik. PSO hatte einen Riesenerfolg, der mit Teil 2, 3 und 4 für das, unvergessene, Sega Mega Drive fortgesetzt wurde. Danach wurde es still um die RPG-Reihe aus dem Hause Sega. Doch mit der Veröffentlichung der Sega Dreamcast mehrten sich auch die Gerüchte um einen 5ten PSO Teil, die letzten Endes auch bestätigt wurden. Als PSO dann im Jahre 2001 endlich für die Dreamcast erschien, setzte es einen Meilenstein in der Konsolengeschichte: Es war das erste Online-Rollenspiel für eine Konsole. Nun, ein paar Jahre später, wird mit Phantasy Star Online Episode 1&2 wieder ein kleiner Meilenstein gesetzt, zumindest für Besitzer eines GameCubes. Denn mit PSO kann man zum ersten Mal mit dem kleinen Wunderwürfel online spielen. Ob sich der Kauf lohnt, oder ob man das Spiel lieber im Regal verstauben lassen sollte, das erfahrt ihr nun in diesem Test.

Gameplay:
Alles beginnt, wie so oft, mit einem recht ordentlich gestalteten Intro. Dort wird dem Spieler die Story nähergebracht, die sich fix erklären lässt. Es geht darum, dass die menschliche Rasse durch eine bevorstehende Zerstörung ihrer Heimat stark bedroht ist. Um die Rasse weiter am Leben erhalten zu können wird ein Raumschiff, die Pioneer 1, entsandt um einen neuen Planeten zu finden auf den die menschliche Rasse umgesiedelt werden soll. Kurz nachdem Pioeener 1 sich auf den Weg gemacht hatte, war auch schon ein passender, paradisiescher Planet gefunden und man begann den Planeten, der Ragol getauft wurde, bewohnbar zu machen. Die freudige Nachricht wurde an Pioneer 2 gesendet, die sich dann auch auf den Weg nach Ragol machte. Doch als Ragol erreicht war, brach der Kontakt zu Pioneer 2 ab und eine gewaltige Explosion erschütterte den Planeten. Nun liegt es an euch den Vorfall zu erkunden und herauszufinden was sich auf Ragol abgespielt hat.

Nachdem ihr also durch das Intro in die Story eingeführt wurdet, findet ihr euch im Hauptmenü wieder. Dort stehen euch verschiedene Auswahlmöglichkeiten zur Verfügung, wobei wir uns in diesem Test ersteinmal auf den Offline Modus konzentrieren wollen. Nachdem wir ausgewählt haben, stehen wir nun vor der Wahl eines Charakters. Wir haben die Wahl zwischen 3 Charakterklassen, die da wären:

Hunter: Sozusagen die Allrounder des Spiels. Sie sind sehr gute Nahkämpfer, eignen sich aber auch für Fernwaffen. Geeignet für Anfänger.

Ranger: Sind auf Schusswaffen spezialisiert, weisen aber auch Qualitäten im Nahkampf auf. Geeignet für Fortgeschrittene.

Forces: Das Wort erklärt eigentlich schon alles - sie sind die perfekten Magier. Doch aufgrund der geringen Lebensenergie ziemlich schwer zu spielen. Geeignet für Profis.

Diese Charakterklassen jeweils noch einmal in 4 Charaktertypen unterteilt, die ich jetzt jedoch nicht alle einzeln erklären werde. Hat man sich dann letzten Endes für einen Charakter entschieden, so kann man diesen noch nach seinen Vorlieben gestalten. Von Frisur über Rüstung bis zu der Augenfarbe - es bieten sich eine Menge Einstellmöglichkeiten. Aufgrund dessen, dass das Spiel in zwei Episoden unterteilt ist, kann der Spieler sich nun entscheiden mit welcher er anfangen möchte. Es ist jedoch mehr als sinnvoll mit der Episode 1 zu beginnen. Um noch einmal kurz auf die Episoden einzugehen: Episode 1 enthält die 4 Level die auch schon in der Dreamcast Version vorhanden gewesen sind, jedoch mit einigen Aufträgen mehr. Episode 2 hingegen war zwar auch in der Dreamcast Version erhalten, jedoch war diese dort ein eigenständiges Spiel. Auch hier stehen dem Spieler wieder 4 Level zur Verfügung. Aber nun genug der langen Worte, kommen wir nun endlich zum Spiel.

Euren Helden steuert ihr dann auf der Pioneer 2 zum ersten Mal endlich selbst. Ihr habt den Auftrag bekommen den Planeten Ragol zu erforschen. Doch bevor ihr euch dort hinbeamen lasst, sollte man sich erstmal die Raumstation selbst anschauen. Dort gibt es eine Bank, Geschäfte die Waffen oder Heiltränke verkaufen, ein Krankenhaus und noch andere Dinge die es zu entdecken gilt. Wenn man sich mit der Umgebung vertraut gemacht hat, wird man dann nach unten auf den Planeten Ragol gebeamt: Die Action geht los! Je nach Charakterklasse besitzt euer Held nun eine Waffe, mit dem er nun die ersten Gegner vermöbeln kann. Hier unterscheidet sich PSO eigentlich kaum im Vergleich zu den restlichen Action-Rollenspielen. Für niedergestreckte Gegner gibt es Erfahrungspunkte, und diese dienen, wie üblich, zum verbessern eures Charakterlevels. Je höher euer Level ist, umso bessere Waffen könnt ihr nutzen, lernt Zaubersprüche und bekommt bessere Stats. Aber wir waren beim Gegnervermöbeln stehen geblieben: Nachdem die ersten Gegner auf euch zu gerannt kommen merkt ihr schnell, dass ihr anfangs unmöglich alle auf einmal erlegen könnt. Ihr müsst Schritt für Schritt vorgehen, was übrigens ein gutes Stichwort ist, denn ihr könnt erst in den nächsten Raum, wenn der in dem ihr euch befindet komplett geleert ist, sprich alle Monster besiegt sind. Auf eurem Weg durch die Level findet ihr viele Kisten mit Items und auch Monster droppen das ein oder andere Mal nützliche Dinge. Bis zu 30 Objekte könnt ihr auf einmal tragen, wenn dieses Pensum erschöpft ist habt ihr jedoch noch die Möglichkeit bis zu 60 Objekte auf der Bank zu lagern. Am Ende eines jeden Levels wartet dann ein Endgegner auf euch, welche teilweise richtig harte Brocken sind. Solltet ihr dabei einmal draufgehen, so verliert ihr das Geld das ihr bei euch hattet und alle Items die ihr nicht getragen habt. Ihr werdet dann in der Raumstation ausgesetzt und müsst euch erneut den Weg durch die Levels gegen dutzende von Monstern bahnen. Da dies auf Dauer jedoch ziemlich einseitig und langweilig wäre, gibt es den sogenannten `Hunters Guild´ in dem euch verschiedene Bonus-Aufgaben angeboten werden. In diesen Bonusmissionen wird man teilweise von einem virtuellen Kumpel unterstützt und muss zum Beispiel gewisse Gegenstände sicher von Ragol auf die Pioneer 2 transportieren.

Wem das dann trotzdem noch zu langweilig ist, der sollte sich am Besten 3 Freunde einladen, denn PSO bietet einen 4 Player Splitscreen-Modus, in dem ihr die Aufgaben zu viert meistern müsst. Ein wenig ärgerlich ist es jedoch, dass sich alle 4 Spieler in der selben Ebene befinden müssen. Das heißt wenn einer zurück auf die Pioneer 2 kehren will, dann muss der Rest auch mit. Davon abgesehen macht es jedoch unglaublich viel Spaß, denn im Battle Mode kann man seine Charaktere dann auch untereinander kämpfen lassen und den Besten Char ausmachen.
Nun steht natürlich noch der Online Modus aus - der wird jedoch, extra, in einem anderen Test ganz ausführlich behandelt werden.

Steuerung:
Auch bei der Steuerung ist alles richtig gemacht worden. Die Knöpfe des Gamepads sind zwar komplett frei belegbar, doch dies ist aufgrund der Tatsache, dass die Steuerungsbelegung perfekt auf das Pad angelegt ist, überflüssig. Selbst ungeübte Spieler haben die Steuerung innerhalb weniger Minuten verinnerlicht und können, zum Beispiel, die Laserschwert Moves ohne Probleme. Anfangs ist es jedoch die Kameraführung ein wenig störend, da sich die Kamera nicht immer hinter dem Charakter befindet, muss man sie oft mit dem L-Knopf manuell hinter den Charakter holen. Doch auch an diese kleine Macke gewöhnt man sich innerhalb kürzester Zeit.

Grafik:
Grafisch wurde im Vergleich zur Dreamcast Version nichts mehr verändert, was aber nicht wirklich schlimm ist. Bis auf ein paar Objekte, die vielleicht ein wenig zu eckig sind kann das Spiel auch grafisch überzeugen. Es ist zwar nicht spektakulär aber auch in keiner Weise enttäuschend. Vorallem die Animationen der Menschen / Gegner und die Effekte wie Explosionen sehen richtig gut aus. Auch die Landschaften sind wunderschön gestaltet worden. Einziges Manko sind die vielen Pop-Ups. Soll heißen das viele Kisten oder Wände erst ab einer bestimmten nähe "aufpoppen". Doch kein Angst, der Spielspaß leidet nicht darunter. Im Spiel werdet ihr dann immer wieder auf unterschiedliche Gegner treffen doch vorallem die Endgegner zeigen welche Arbeit damals in die Grafik investiert wurde. So gibt es beispielsweise einen riesigen feuerspeienden Drachen, der mit unfassbar guten Animationen daher kommt.

Alles in allem gesehen eine grafisch recht ordentliche Leistung - nicht mehr und nicht weniger.

Sound:
Zum Sound muss man eigentlich gar nicht viel sagen, weil er meiner Meinung nach, ziemlich perfekt ist. Die Soundtracks lassen eine unglaublich tolle Atmosphäre aufkommen und zum anderen sind die mystischen Klänge auch noch Balsam für die Ohren. Die Soundeffekte sind zwar nicht überwältigend aber dennoch recht gut geworden. Lediglich an die Geräusche beim Laufen musste ich mich erst einmal gewöhnen, da sich dies ein wenig anhört, als ob der Charakter Frauenschuhe mit hohen Absätzen tragen würde... aber sei’s drum.

Fazit:
Als eingefleischter RPG-Spieler war ich von Phantasy Star Online ziemlich beeindruckt. Der Suchtfaktor ist selbst im Einzelspieler lange Zeit so hoch, wie ich es seit Rollenspielen á la Secret of Mana oder Secret of Evermore nicht mehr gewohnt war. Natürlich macht der Multiplayer gegenüber dem Singleplayer einiges mehr Spaß. Dafür sorgt auch der Battle Mode, der dich gegen deine Freunde antreten lässt. Grafisch gesehen haut PSO heutzutage sicherlich niemanden mehr vom Hocker, trotzdem merkt man wie viel Liebe zum Detail in diesem Spiel steckt. Hinzu kommen die fantastischen Soundtracks und die guten Soundeffekte, die das Gesamtbild gebührend abrunden. Jeder der Angst hat, dass der Offline Modus zu langweilig ist wird eines Besseren belehrt. Dieser Titel sorgt selbst im Singleplayer für stundenlangen Spielspaß und ist sein Geld auf alle Fälle wert! Vor allem RPG-Fans sollten ohne Bedenken zugreifen - PSO ist ein richtiger Leckerbissen.

Bleibt abschließend nur noch eine Frage: Wie gut ist das Spiel dann erst im Online Modus?

Von J.Hampf
8.1Grafik
Keine Veränderungen zur Dreamcast Version, tolle Animationen und Effekte
8.8Sound
Klasse Soundtrack und gute Soundeffekte
8.9Spielspass
Singleplayer sehr gut, Multiplayer fantastisch. Lange Spieldauer
8.8Gesamt

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