Review von M.Kallhardt (mail) | 10. Dezember 2003 | PAL Version
Große Panik im Morgenland: Üble Krähen haben die Weisen Hühner entführt und in goldene Eier gesperrt – so verhindern sie, dass die Hühner den Morgen herbeikrähen können und es herrscht ewige Nacht.
Der kleine Billy Hatcher merkt davon zunächst nichts, verpennt aber am Morgen, weil ihn keines der Hühner mit seinem Gekrähe weckt. Auf dem Weg zur Schule rettet er ein kleines Küken vor den fiesen Krähen und wird daraufhin vom Hühnergott zur Rettung des Morgenlandes ausersehen.
Billy Hatcher and the Giant Egg hebt sich durch sein kinderfreundliches Szenario erfrischend sinnfrei vom größeren Rest der Spielewelt ab. Nach all dem Aliens-plätten und Große-Auto-Diebstehlen tut es gut, mal einen kleinen Jungen in einem magischen Hühneranzug zu steuern. Bis er schließlich vor dem letzten Endgegner steht, sind über 50 Level zu meistern, daneben steht noch ein 4-Spielermodus zur Verfügung.
Aber erst mal langsam...
Gameplay:
Man beginnt die Geschichte als normaler Junge, unseren kleinen Billy Hatcher.
Zum Start eines jeden Levels bekommt Billy vom Hühnergott eine kurze Aufgabenstellung, danach darf er loslaufen. Im ersten Level erhält man eine kurze Einführung in die Spielelemente und Billy findet sein wichtigstes Utensil: den Magischen Hühneranzug. Der sieht zwar ziemlich lächerlich an Billy aus, gibt ihm aber die hilfreiche Fähigkeit, die überall über die Level verstreuten Eier zu kontrollieren.
Diese Eier warten in ihren kleinen Nestern darauf, dass Billy sie aufnimmt und vor sich herrollt. Nur mit seinem Hühneranzug ist Billy den ganzen mutierten Krähen hilflos ausgeliefert, mit einem Ei kann er es ihnen jedoch zeigen. Die kleineren Übelwichte können einfach plattgewalzt werden, für die etwas größeren braucht Billy schon mehrere Treffer mit dem Ei. Dazu kann der Junge auch verschiedene Ei-Moves ausführen, beispielsweise das Ei wie ein Yojo vorschnellen lassen, oder hochspringen und das Ei vor sich auf den Boden schmettern.
Da es sich aber eben nur um Eier handelt, muss Billy ein wenig vorsichtig sein, sonst zerbricht sein Ei und ist futsch.
In den Level liegen auch Früchte versteckt, die das Ei durch überrollen aufnehmen kann. Davon wächst es und richtet bei den Krähen mehr Schaden an. Hat das Ei eine bestimmte Anzahl Obst gefressen ist es bereit, von Billy „ausgebrütet“ zu werden. Dazu muss der Junge das Ei mittels „Ei-Ruf“ ankrähen und schon bricht die Schale auf und das Innere kommt heraus.
Bei dem „Inneren“ kann es sich um Extra-Items handeln, die Billy kurzzeitig Unsichtbarkeit verleihen, bunte Kämme, die sein Ei unzerstörbar machen, Extra-Leben oder mehr Gesundheit (Billy darf 5x getroffen werden, dann ist ein Leben weg.) oder ein Eiertier.
Diese sind Elementargeister, die Billy kontrollieren kann. Sie sind um einiges kräftiger als ein Ei und können von Billy aus der Ferne auf einen Monsterschwarm gejagt werden. Das Tier, die übrigens alle wie eine Kreuzung aus 2 völlig verschiedenen Tierarten aussehen, erledigt dann die Krähen und Billy kann anschließend in Ruhe die Früchte einsammeln, die die Gegner hinterlassen haben.
Manchmal braucht man auch noch die speziellen Elementarfähigkeiten eines Tiers, etwa Wasser um ein Feuer zu löschen.
Als besonderen Gag haben die Programmierer einige Sega-Maskottchen unter die Tiere geschmuggelt, etwa Sonic oder NiGHTS. Diese müssen aber erst durch fortgeschrittenes Spielen freigeschaltet werden, sind aber viel stärker als die anderen Tiere.
Insgesamt gibt es über 60 verschiedene Eier im Spiel – jedes mit einer anderen Füllung. Am häufigsten findet man allerdings ein leeres Ei, da man an manchen Stellen in den Level nur mit Eierhilfe weiterkommt. Beispielsweise kann Billy sein Ei wie ein Trampolin benutzen um höhere Abschnitte zu erreichen, er kann auf dem Ei schwimmend Flüsse überqueren oder mit dem Ei eine Art Murmelbahn herunterrollen – an diesen Stellen merkt man deutlich, dass das Spiel vom Sonic Team entwickelt wurde.
Die restliche Stellen der Level gestalten sich meistens gleich: eine größere, begrenzte Fläche, an der irgendwo der Ausgang fehlt – Billy muss mit seinem Ei erst alle Gegner plätten (das ist wörtlich zu nehmen) oder einen Schalter umlegen, damit der Zugang zur nächsten Ebene geöffnet wird. Glücklicherweise hat sich das Sonic Team eine Menge Möglichkeiten überlegt, wie das aktuelle Areal gemeistert werden muss, so dass man nicht immer das gleiche erledigen muss, die Grundaufgabe bleibt aber gleich. Neben den gegnerischen Krähen muss Billy außerdem auf Wasser oder Lava aufpassen – beides ist tödlich für ihn.
Die verschiedenen Welten wie Pirateninsel, Dinohöhle oder Eisschloss stecken zu Beginn noch in der ewigen Nacht, im ersten Level jeder Welt muss Billy daher erst mal das Weise Huhn befreien. Im zweiten Level kommt dann der Oberboss, worauf sich im Anschluss der Zugang zur nächsten Welt öffnet, von denen es insgesamt 5 gibt. Auf diese Weise kann man die böse Oberkrähe schon nach 10 Level erreichen, will man das gesamte Morgenland allerdings befreien, muss man noch die restlichen 6 Level jeder Welt lösen. Dies lohnt sich, da man auch noch andere Aufgaben als Krähen überrollen erhält, etwa Wettrennen und Schatzsuchen.
Zu dem hat Billy auch noch 3 Schulfreunde, die er in manchen Level befreien muss und die man als Spieler dann auch steuern darf und die weitere Level freischalten.
Diese drei Freunde sind auch die anderen drei Figuren, die man im Multiplayer-Modus (leider nicht im LAN) steuern darf. Je nach Fortschritt im Spiel kann man sich in bis zu 8 verschiedenen Arenen duellieren: als Spielmodi stehen Wettbrüten (die meisten Eier in einer bestimmten Zeit), Zielbrüten (wer als erster 10 Punkte oder so hat) oder Mitspieler plätten (offensichtlich – Punkte erhält man durch das Besiegen seiner Mitspieler). Spaß zu viert machen alle drei.
Als besonderes Schmankerl hat das Sonic Team im Spiel auf 5 Eier mit Minispielen versteckt – einmal ausgebrütet können die Spiele auf einen Gameboy Advance geladen werden. Unter den Spielen sind simple Billy Hatcher-Neukreationen, aber auch Klassiker, wie „NiGHTS into Dreams“.
Klingt alles so, als hätte sich Sega eine Menge Mühe gegeben, dass Billy Hatcher ein richtiges Überspiel wird – warum das allerdings nicht geklappt hat, schreibe ich jetzt.
Steuerung:
Billy leidet etwas unter seiner realistischen Eiersteuerung und ziemlich unter der „intelligenten“ Kamera.
Eigentlich lässt sich Billy nämlich sehr einfach steuern: Mit dem Analogstick dirigiert man den kleinen Jungen durch die Levels, man rennt einfach gegen ein Ei und schon rollt Billy es vor sich her. Für ein realistisches Roll-Gefühl vibriert das Gamepad dann auch leicht. Für ein noch realistischeres Gefühl verhält sich das Ei natürlich auf wie ein menschengroßes Ei: es ist schwer und wenn man es vor sich herrollt, kann es nicht einfach so anhalten. Sprich: Billy kann mit dem Ei nicht im vollen Lauf umdrehen und muss mit dem Ei ein wenig ausrollen um stehen zu bleiben. Gerade bei einem Plattformspiel, wie Billy Hatcher das zeitweilig ist, kann sich so was aber als fatal herausstellen. Zwar wird Billy nicht immer mit in den Abgrund gerissen (und ein neues Ei findet sich schnell), aber überaus nervig ist es, wenn man das goldene Ei, in dem eines der Weisen Hühner steckt, beschützen und gleichzeitig über so eine Plattform steuern muss. Am besten kommt dann noch eine der Stellen, wo man das Ei über eine Schiene auf eine andere Plattform rollen lässt um dann selber einen anderen Weg zu nehmen und das Ei am Ende der Schiene vor der Abgrund auffangen muss – Stress pur.
Das wäre alles nicht so schwer, wenn die Steuerung nicht relativ zu dieser scheinbar intelligenten Kamera wär. Drückt man nach oben, bewegt sich Billy also nach vorn, von der Kamera weg. Meistens ist dieses „Vorn“ aber nicht die Richtung, in die Billy gehen muss, die Kamera lässt sich aber nicht dazu bringen, eine günstigere Perspektive zu zeigen. So kommt es, dass man den wichtigen Pfad mal nicht richtig erkennen kann und die Plattform, wo das lebenswichtige Ei dann in die Tiefe rollt niemals rechtzeitig erreicht.
Zu Glück sind solche frustrierenden Momente aber die Ausnahme.
Grafik:
Auch grafisch bietet Billy Hatcher eher altbackenes... im Vergleich zum Grafikpaten „Sonic Adventure 2“ hat man sich aber doch noch ein wenig mehr Mühe mit der höheren Leistung des GameCubes gegeben – alle Figuren wurden schön modelliert, sind zwar nicht sehr detailreich, dafür gut animiert.
An Effekten wurde zum Glück auch nicht gespart – die Levels sehen überaus lebendig aus und bieten, zumindest von den großen Architekturmerkmalen wie Berge, Inseln oder Häuser eine große Fernsicht. Sonstige Gegenstände wie Bäume, Eier oder Früchte poppen aber auch nicht einfach auf, sondern werden weich eingeblendet, was im Nachhinein nicht so schlimm wirkt, man fragt sich aber doch, ob der Gamecube nicht auch die komplette Grafik gepackt hätte.
Vielleicht liegt es auch daran, dass Sega die Hardware schon im aktuellen Level tüchtig fordert. Billy zum Beispiel wirft einen „richtigen“ Schatten – der aufgrund mancher Fehlberechnungen manchmal aber auch an der Wand landen kann, statt am Boden – daneben gibt es eine Menge kleiner Effekte, die man nur bemerkt, wenn man genauer hinguckt: Wasseroberflächen beispielsweise sind mit einem Verzerreffekt versehen, beim sprichwörtlichen Plätten der Gegner werden allerlei Figurentricks angewandt...
Letztendlich können die Tricks und die liebevoll gestalteten Level aber auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Billy Hatcher nur etwas überdurchschnittliche Grafikkost bietet.
Sound:
Hier erst mal ein dickes Minus an Sega: es gibt schlichtweg keine Lautstärkekontrolle im Spiel. Das fällt dadurch äußerst negativ auf, dass die Titel- und Menümusik ein fröhliches Kinder-Lalalala-Liedchen ist, aber von Süße nur so überquillt und auch gut von Blümchen in die Charts gebracht werden konnte – es ist ein typischer Sega-Ohrwurm, der aber auch leicht auf die Nerven gehen kann.
Ähnlich gestaltet sich die restliche InGame-Musik, die in den Levels aber zum Glück dezent im Hintergrund bleibt.
Die Soundeffekte sind meistens irgendwas zwischen Hühnergackern und Looney Tunes-Cartoon, passen aber gut zum Spiel. Sprachausgabe gibt es keine, die nicht besonders umfangreichen Texte sind aber komplett übersetzt worden.
Für die Effekte bietet Sega aber feinstes Dolby Pro Logic 2 an.
Fazit:
Alle die sich mit Billy Hatcher einen würdigen Nachfolger für Sonic erhofft haben, werden wohl enttäuscht werden: nach der Jump’n’Roll-Krone wird Billy Hatcher wohl nicht greifen, im heutigen Spielegeschäft ist es aber auch schwer, eine neue Figur gleich an die Spitze zu katapultieren.
Ansonsten hat Sega wenig falsch gemacht – Umfang des Spiels gehen voll in Ordnung, es bietet einen 4-Spielermodus und eine Menge witziger und vor allem NEUER Ideen... bleibt zu hoffen, dass Billy Hatcher 2 nicht mit solchen Kamera- und stellenweisen Leveldesignproblemen zu kämpfen hat.
Von M.Kallhardt
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| 7.2 | Grafik Gutes Design und nette Kleinigkeiten, fürs ganz Große fehlt aber etwas | |
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| 6.0 | Sound Musikalisch fragwürdig, ansonsten unspektakulär | |
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| 7.9 | Spielspass Abgesehen von der Kamera meint es Sega manchmal zu gut mit den Spielern | |
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| 7.1 | Gesamt | |
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