Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs
Review von D.Wackerbauer (mail) | 29. Dezember 2004 | PAL Version

Nun ist es endlich soweit, der lang ersehnte dritte und leider auch letzte Teil der Trilogie der Herr der Ringe läuft in den Kinos und bereitet den Fans einen würdigen und grandiosen Abschluss eines Meilensteins der Filmgeschichte, den man wohl nie vergessen wird. So gab es für EA einiges an Arbeit, damit auch das Spiel zum Film ein Würdiges wird. EA hatte ja schon mit dem Spiel zum zweiten Teil bewiesen, das sie es drauf haben und das bis dato beste Spiel zu einem Film hingezaubert, das es jemals gab. Zwar handelte es sich um reines Hack ’n’ Slay, doch die Präsentation war gigantisch und auch die klasse Grafik (eine der Besten auf dem Cube) sorgten für einigen Spielspass. Natürlich war das Spiel nicht perfekt und hatte noch so einige gravierende Schwächen, wie den Schwierigkeitsgrad und der zu monotone Spielablauf. Doch das konnte man ihnen leicht verzeihen, da sie uns so wunderbar in die Welt von Tolkien entführten. Jetzt ist also das zweite Spiel zum dritten Teil erschienen, mit noch besserer Grafik, mehr spielbaren Charakteren, noch mehr Spielspass, noch größerem Umfang, noch gigantischerer Präsentation und mehr Gemetzel. So müsste es jedenfalls im Idealfall aussehen, wenn das Spiel dem Film gerecht werden will. Ob EA es mal wieder geschafft hat, den Flair und den Zauber des Films einzufangen und sie sich die Kritikpunkte des Vorgängers zu Herzen genommen haben oder ob sie es diesmal total verhunzt haben, erfahrt ihr wenn ihr weiterlest.

Gameplay:
Über den Fernseher flimmern gewaltige Bilder, eine riesige Schlacht ist im vollen Gange und wird durch ein Gänsehauttreibendes Orchester untermalt. Die Orcs greifen an, stürmen auf Helms Klamm zu und versuchen sie einzunehmen und alles und jeden zu töten. Die Welt Mittelerde steht kurz vorm Untergang, die Menschen und Elben sehen sich einem aussichtslosen Kampf gegenüber und ziehen sich zurück, doch da erscheint Rettung - Gandalf der Weiße taucht auf - im Schlepptau tausend von kämpfenden Kriegern, die sich mit einem Aufschrei allesamt einen Abhang hinunter stürzen, auf die unten wartenden, überraschten Orcs. Plötzlich wechselt die Echtzeit Sequenz in Spielgrafik über und ich stehe mit Gandalf mitten im Schlachtfeld um Helms Klamm. Ich bin so überrascht und noch gefangen von der DVD Qualität der mir gezeigten Bilder, das ich erst mal eine Weile brauche um zu verstehen was hier gerade abgeht. Die Orcs greifen mich sofort an. Ich löse mich aus meiner Starre und drücke irgendwelche Buttons, schon schlägt Gandalf mit seinem Stab um sich und metzelt alles nieder was sich ihm in den Weg stellt. Bei meinen Kampf begleiten mich die original deutschen Synchronstimmen der Filmakteure also Legolas, Gimli und Aragon - natürlich sind die restlichen Stimmen wie zum Beispiel von Frodo auch im Spiel integriert - und sagen mir was ich als nächstes zu tun habe. Nachdem ich durch das Betätigen einiger herumstehenden Katapulte den Einzug des Bösen in die Festung verhindere, ist der erste Kampf erst mal vollbracht, doch nun geht es erst richtig los.

Wie ihr bemerkt habt beginnt das Spiel bei der Schlacht um Helms Klamm, doch diese geht schnell vorbei und ist nur eine Einführung. Was man auch gut daran erkennt, das jetzt erst der Menü-Bildschirm des Spiels erscheint, was sicherlich nicht ganz normal ist. Am Anfang hab ich mich echt gewundert, wo der bleibt und schon mit dem Gedanken gespielt, das ich vielleicht irgendwas falsch gemacht habe oder aber ein nicht fertiges, defektes Game bekommen habe. Doch Gott sei Dank haben sich diese Befürchtungen nicht bewahrheitet. Ich kann euch auch gleich versichern, das man nachdem die erste Sequenz gespielt und abgespeichert wurde direkt beim starten des Spiels zum Menü gelangt und nicht erst immer wieder den Anfang spielen muss. Das wäre dann wirklich nicht sehr intelligent gewesen. Kommen wir zum Wesentlichen, das Menü bietet dir schon die Erste auffällige Neuerung zum Vorgänger, denn hier kannst du nun auch neben den Einzelspieler-Modus einen Kooperativ-Modus wählen und dich mit einem Freund durch die Horden kämpfen, was sehr erfreulich ist.
Eine schwere Entscheidung fällt mir bei der Charakterauswahl, bei der du nun zwischen sechs deiner Lieblingsfiguren wählen kannst, Legolas, Gimli, Gandalf, Aragorn, Sam und Frodo stehen zur Verfügung, also für jeden was dabei. Vorher sollte man sich aber trotzdem Gedanken über die Wahl machen, da diese darüber entscheidet welchen Weg du gehen wirst. Mit Frodo und Sam kämpfst du dich zum Schicksalsberg vor, wo hingegen du dich mit z.B. Legolas und Aragorn auf den Weg nach Minis Tirith machst. Egal für wen du dich entscheidest, Zeit für Pausen oder zum Atmen wirst du keine bekommen. Was man schon ganz zu Anfang des Spiels erahnen konnte, nämlich das dich hunderte von Gegnern erwarten und du aus dem kämpfen wohl nicht mehr raus kommst, bewahrheitet sich nun, wo das Spiel richtig losgeht. Deine Hauptaufgabe besteht darin zu metzeln. Dabei kannst du deine Gegner mit verschiedenen Kampfbewegungen ausschalten. Gimli benutzt dazu seine Axt, Aragorn sein Schwert und Frodo Stich. Jeder Charakter hat zu den normalen Angriffen auch noch einen Fernangriff, der ab und an sehr von nutzen sein kann und dich aus manch schwierigen Situationen befreit. So musst oder kannst du zum Beispiel mit einem Bogen Ollifanten aufhalten oder aber Trolle beseitigen.
Ich schlage mich also durch die endlosen Massen an Gegner und versuche zu überleben, dabei bleibt mir leider kaum zeit um auf die wunderschöne Umgebung zu achten. Immer wieder explodiert etwas neben mir, fällt auseinander oder es wird was in Brand gesteckt, so dass man kaum noch den Weg vor Augen hat, was manchmal auch negative Auswirkungen haben kann. Es wird zwar deutlich, das die Entwickler einiges getan haben um das Spiel noch realistischer zu machen, doch so machen sie es zugleich leider auch noch hektischer und unübersichtlicher aber dies wirklich nur an einigen Stellen und dann passiert etwas mit solcher Wucht an Grafikeffekten, das man es locker verschmerzen kann, mal nicht ganz den Durchblick zu haben.
An manchen Stellen im Spiel erscheint ein leuchtender Kreis auf dem Boden, dies ist um es gleich vorweg zu sagen ein neues Feature im Spiel. Siehst du so einen Kreis, solltest du dich bis zu ihm durchschlagen und die Aktionstaste drücken, dadurch löst du dann meistens Katapulte aus oder öffnest Toren, die dir weiter helfen das Level zu bestehen. Mit der Aktionstaste kannst du aber auch im Boden steckende Speere benutzen und sie den Orcs in den Körper rammen. Diese Erweiterung des Spielgeschehens bietet einem eine winzige Abwechslung zum Kampfallerlei aber auch nicht mehr. Nach jeder geschafften “Mission“, werden deine Bemühungen bewertet und du bekommst Erfahrungs- und Upgrade-Punkte, die dich deinen Charakter einen Level höher steigen lassen und mit deren Hilfe du dir neue Fähigkeiten aneignen kannst. Dann wird dir noch freundlicherweise gezeigt ob du den Level gut oder schlecht gemeistert hast.
Eines ist einem schon nach ein paar Spielminuten klar, blasen an den Fingern sind bei diesem Spiel nicht zu vermeiden. Diese lassen sich evtl. verringern, wenn du das Game zu zweit zockst, doch auch da ist die Gefahr allgegenwärtig. Zumal du dir im Zweispielermodus, die gefundene Lebensenergie mit deinem Kampfpartner teilen musst und so ist der Vorrat an Energie doch sehr oft knapp. Der Koop-Modus wurde beim Vorgänger schmerzlich vermisst und nun zeigt sich auch warum. Denn zu zweit macht das ganze Spektakel einfach doppelt Spaß. Das Geschehen spielt sich für beide Mitstreiter auf einem Bildschirm ab, so muss man zwar öfters auf seinen Kameraden warten wenn man weiter will aber der noch zu kämpfen hat oder aber schlicht und einfach zu lahm ist. Der große Vorteil beim Koop-Modus ist, das das Spiel nicht mehr ganz so schwer ist, denn im Einzelspielermodus ist man oft nahe der Verzweifelung. Auch bekommt man zu zweit am Ende eines Levels meistens die besseren Bewertungen bekommt und es leichter die versteckten Charaktere und Gimmicks frei zu schalten.

Steuerung:
Die Steuerung ist so einfach wie das Spielprinzip, du bewegst den Stick um zu gehen und drückst Knöpfe um zu schlagen… fertig. Nun gut ganz so einfach ist es nicht, du hast verschiedene Kampftechniken, so vollführst du wenn du L und A gleichzeitig drückst zum Beispiel einen Fernangriff, mit Y einen Sturmangriff, mit A einen schnellen Angriff, mit B kannst du parieren und mit R gibst du deinen Gegner den Todesstoss. X und Z dienen als Aktionstaste, wobei X auch noch fürs treten zuständig ist, Zu guter letzt kannst du noch mit dem C-Stick deinen Kampf in mehrere Richtungen austragen. Im Laufe des Spiels lernst du dann neue Fähigkeiten die durch Kombinationen der verschiedenen Knöpfe ausgetragen werden können, diese Kombination wird im “Menü“ hinter jeder dir zur Auswahl stehenden Attacke dargestellt. Eine Spezialfähigkeit gibt es auch, diese wird ausgeführt, wenn man das Steuerkreuz nach oben drückt. Also alles für ein Hack ’n’ Slay Spiel typisch einfach…fertig.

Grafik:
Die Grafik ist noch ein Tick besser als beim Vorgänger und bietet ein Fest für die Augen. Wunderbare Weitsicht und schöne Texturen beglücken dich und entführen dich in eine fremde Welt, die man aber leider nicht immer richtig genießen kann, da die Grafikeffekte deine Sicht und Aufmerksamkeit rauben. Immer wieder explodiert etwas, eine Wand bricht zusammen, Nebel steigt auf oder Geister umschwirren dich. Dazu gesellen sich dann meistens noch hunderte von Orcs zu, so dass die Engine schon mal in die Knie geht und es zu leichten ruckeln kommt. Doch dafür bestechen die Gegner und deine Spielfigur mit schönen Details und hoch auflösender Grafik. Wer meint es würden nur Orcs zu sehen sein irrt sich gewaltig, wie im Film gibt es Trolle, Ollifanten, Nazguls und Geister. Alle sehen sehr realistisch und beeindruckend aus und könnten glatt aus dem Film entsprungen sein. Die Präsentation des Spiels ist wohl mit das Beste was ich je für ein Spiel gesehen habe. Einfach klasse, was an Filmszenen zu sehen ist und wie sie in Spielgrafik überläuft, so das man kaum unterscheiden kann was ist jetzt echt und was Grafik. Die Filmsequenzen haben tatsächlich schon DVD Qualität und dies ist schon bemerkenswert beim Gamecube. Also Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs hat auf jeden Fall eine der besten Grafiken für den Cube und diese schafft es zusammen mit der Präsentation tatsächlich so gewaltig zu wirken wie der Film.

Sound:
Genauso klasse wie die Grafik ist auch der Sound, der direkt aus dem Film genommen wurde und so gar nichts anderes kann als dir eine Gänsehaut zu verpassen. Ein gewaltiges Orchester begleitet dich durch deine Schlacht mit Streichern und allem was dazu gehört. Manchmal werden auch leise Töne angesprochen und Melodien gespielt, die man sofort aus den ersten beiden Filmen wieder erkennt. Auch die Soundeffekte wissen zu überzeugen, vom Schwerterklirren bis hin zum Gebrüll der Orcs, Trolle und Ollifanten ist alles zufrieden stellend. Man denkt tatsächlich man stünde in Mitten von tausenden von Orcs die brüllen und kämpfen. Du hörst das Gekreische von allen Seiten und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn das Spiel kann man im Dolby Surround genießen, was beträchtlich die Stimmung steigen lässt. Zumal du nun hören kannst von wo aus die Gegner dich angreifen werden. Die Sprachausgabe ist auch exzellent und weist keine Fehler auf, es konnten die original deutschen Synchronsprecher für das Spiel gewonnen werden, so das noch mehr Herr der Ringe Flair aufkommt und man sich noch besser in das Spiel hineinversetzen kann also auch für den Sound ein fettes Kompliment von mir.

Fazit:
Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs ist ein wirklich gutes Spiel und übertrifft den Vorgänger in vielen Punkten. Gerade die Grafik, der Sound und die Präsentation gehören mit zum Besten auf dem derzeitigem Markt. Leider täuscht dies nicht darüber hinweg, das es sich bei dem Spiel schlicht und einfach um reines drauflosschlagen und kämpfen dreht und um nichts anderes. Du brauchst dein Gehirn kein einziges mal zu benutzen, was für manche mit Sicherheit auch von Vorteil ist. Doch trotz der Tatsache, dass das Spielen nur aus bloßem Knöpfchen drücken besteht, langweilt man sich zu keinem Zeitpunkt, dafür ist einfach zu viel auf dem Bildschirm los. Bis man das Game durch hat vergeht auch so einige Zeit, da man erfreulicherweise den Umfang erhöht hat. Auch der Schwierigkeitsgrad ist nichts für Anfänger und ist so hoch, das man länger bracht als ein paar Stündchen bis man den Abspann gesehen hat. Am Ende kannst du sogar noch versteckte Charaktere frei schalten und Interviews mit den Darstellern des Films etc. gibt es auch noch. Um es einfach mal klar zu sagen, die Entwickler haben sich wirklich mühe gegeben und ein klasse Spiel hingezaubert und das, obwohl es sich hier nur um eine Filmumsetzung handelt. Wenn sich doch alle mal soviel Mühe bei einer Filmumsetzung geben würden wie EA, sehe die Welt doch viel besser aus. Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs ist die beste Filmumsetzung, die es bis jetzt gibt und das heißt für alle (nicht nur für der Herr der Ringe Fans, denn für sie ist es eh die Offenbarung) die auch nur im Geringsten was mit der Herr der Ringe und *Knöpfchendrücken* anfangen können… kaufen.

Von D.Wackerbauer
9.2Grafik
Mit die Beste für den Cube plus super Präsentation
9.3Sound
Gänsehaut Sound wie im Film eben und gute Synchronisation
8.5Spielspass
Einfach nur rumlaufen und um sich schlagen, doch dies diesmal auch zu zweit
8.8Gesamt

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