F-Zero GX
Review von M.Wehmeier (mail) | 30. Dezember 2003 | PAL Version

Im Jahre 1992 erblickte ein Spiel auf dem Super Nintendo das Licht der Welt, dass das Rennspielgenre revolutionierte. „F-Zero“ bestach damals durch eine nie zuvor da gewesene Wahnsinnsgeschwindigkeit und war ungewollt der Kern, aus dem später mehr oder minder gute Klone, wie die „Wipe Out“- oder „Extreme G“-Spiele, sprossen.
Im Laufe der Jahre wurde der Super Nintendo dann durch das modulfressende Nintendo 64 ersetzt und auch die F-Zero Familie bekam Zuwachs. Das neuartige „F-Zero X“ (1998) zeichnete sich vor allem durch spielerische Fakten aus. Bis zu dreißig Fahrzeuge kämpften gleichzeitig auf der Strecke um die Spitzenränge. Das Spiel offerierte zusätzlich dank Zufallsgenerator unendliche viele Strecken. Unter diesen Aspekten litt die grafische Aufmachung allerdings – das Resultat waren triste Level und grobklotzige Bitmapgebäude, die eher klafften als beeindruckten. Diese Tatsache tat dem Spielspaß jedoch keinen Abbruch und gerade im Mehrspielermodus wusste das rassendschnelle Spektakel zu gefallen.

Nun schickt Nintendo, unterstützt von Sega bzw. Segas Entwickelungsstudio Amusement Vision, sein futuristisches Flagschiff in die neuste Videospielgeneration. Spielerisch ist zum größten Teil alles beim alten geblieben. Technisch ist den Jungs von AV ein wahres Kunstwerk gelungen. Aber macht das halsbrecherische Düsen immer noch genauso viel Spaß?

Gameplay:
Willkommen im F-Zero Universum. Wir schreiben das 26. Jahrhundert und die besten Fahrer der Galaxie (mit den technologisch fortschrittlichsten Gleitern) treten beim intergalaktischen F-Zero Grand Prix gegeneinander an. Das einzige Ziel, das sie kennen: den Sieg, und würde es ihr Leben kosten. Angst? Dann spiel’ Mario Kart. Alle anderen: anschnallen! Ab geht’s!

Das wohl Neuartigste an F-Zero GX im Vergleich zu seinen Vorgängern ist der „Story Mode“. Dieser wird – im Hauptmenü angekommen – von acht weiteren Optionen und Modi umgeben. Neben der Möglichkeit sich mit Captain Falcon durch den „Story Mode“ zu schlagen, gibt es den standardgemäßen „Grand Prix“, in dem insgesamt vier Cups, bestehend aus je fünf Strecken, darauf warten, gemeistert zu werden. Diese Cups können jeweils mit vier Schwierigkeitsstufen aufwarten („Novice“, „Standard“, „Expert“ und im späteren Verlauf „Master“). Weitere Spielmodi stellen der „VS. Battle“ Modus, für Duelle mit vier Mitspielern, der „Time Attack“ Modus, zum Aufstellen von Rekorden, und der für anfängergedachte Trainingsmodus („Practice“) dar. Im „Customize Mode“ kann man seinen Wunschgleiter konstruieren, sein eigenes Logo entwerfen und im Shop Gleiterzusätze oder neue Missionen (für den Story Mode) kaufen. Des Weiteren wird die Möglichkeit geboten, unter „Replay“ Wiederholungen gespeicherter Rennen anzuschauen. Abschließend bleibt neben den „Options“ der „Pilot Profiles“ Modus zu erwähnen, in dem die Piloten kurz, dafür inklusive eigener Musik, vorgestellt werden.

Auf ins rasante Geschehen! Bevor es allerdings losgeht, muss ein Fahrer plus sein dazugehöriges Fahrzeug gewählt werden. Insgesamt stehen 30 Gleiter zur Auswahl, von denen am Anfang allerdings nur vier freigeschaltet sind. Die Restlichen können durch Tickets, die man durch gute Ergebnisse im Grand Prix erhält, im Shop gekauft werden.
Nach der Bestimmung des Fahrer kann neben der Fahrzeugfarbe noch das Verhältnis Beschleunigung/Endgeschwindigkeit (siehe Steuerung) eingestellt werden. Dann kann es losgehen. Jede Strecke wird vorher in einem kleinen Intro vorgestellt. Beeindruckende Städte, Lichtwerbung, ein beeindruckender Detailgrad, Transparenzeffekte wohin man schaut, alles ohne Nebel, alles ohne einen Hauch von Tristesse – das ist F-Zero anno 2003. Während des Rennens zieht die Umgebung allerdings so schnell an einem vorbei, dass nur selten Details in Erinnerung bleiben – kein Wunder bei einer Geschwindigkeit von meist 1000 KM/H aufwärts.

Die Strecken überzeugen durch Variation und Extravaganz. Sprungschanzen, Tunnelpassagen, Loopings, Korkenzieher- oder Haarnadelkurven – alles ist vertreten. F-Zero typisch gibt es natürlich wieder die gelben Beschleunigungsstreifen und die pinkvioletten Energiestreifen zur Wiederherstellung der Energie, die zuvor durch Attacken von Gegnern, schlechte Fahrweise oder Einsatz des Turbos verloren gegangen ist. Bremszonen, die den Gleiter beim Passieren verlangsamen, sind ebenso vertreten, wie die blauweißen Anti-Haftungszonen, bei denen der Gleiter die Kontrolle verliert.

Und während so manche Reklametafel im rasanten Spielverlauf auf den futuristischen Strecken an dem 'geblendeten' Spieler vorbeizieht, vergisst dieser ganz, worauf es ankommt: auf das Gewinnen. Bekommt der Erstplazierte noch 100 Punkte, wird es von Platz zu Platz immer weniger. Diese Tatsache, dass selbst die Letzten Punkte kriegen, macht das Kalkulieren während des Rennens ungemein schwer. So kann es sein, dass man Erster wird, in dem man fünfmal auf den fünften Platz gelandet ist. Am Ende der fünf Rennen eines Cups gibt es dann je nach Platzierung Tickets (s.o.).

Neben dem Grand Prix gibt es noch den ungemein unterhaltsameren „Story Mode“, der den Hauptmodus des Spiels bildet. Hier wird mehr als nur herumgedüst, hier wird eine Geschichte erzählt. Dies geschieht mittels „Full Motion“ Zwischensequenzen. Wird Falcon nicht gerade in einer Bar - wie man sie sich in der Zukunft vorstellt: voller unmenschlichen Viechern - von einem Penner angesprochen, der ihn bittet ein Rennen für ihn zu fahren, wird unser Held in blauer Verkleidung auf einer Spritztour von Gangstern herausgefordert. So erzählt sich die Geschichte weiter und nicht immer ist das Ziel der einzelnen Missionen ein Rennen zu gewinnen. So lässt die Missionsbeschreibung z.B. verlauten, dreißig Konkurrenten zu eliminieren oder alle Items in einer bestimmten Zeit von der Strecke aufzusammeln. Das vielleicht einzige Manko des „Story Mode“ ist der viel zu hohe Schwierigkeitsgrad. Was Profis recht sein wird, schreckt Anfänger ab. Fakt ist – um es leicht sarkastisch zu sagen –, wer nicht gerne verliert, wird an F-Zero GX keinen Spaß finden.



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