Sega Soccer Slam
Review von C.Reichel (mail) | 07. Januar 2003 | PAL Version

Fans von Multiplayer-Games haben auf dem GameCube gut lachen: Mittlerweile sind etliche hochkarätige Spiele zu haben, die gerade mit mehreren eine Menge Spaß versprechen. "Timesplitters 2", "Smash Brothers" und "Beach Spikers" sind nur ein paar Beispiele, aus einer Reihe, die sich noch ein ganzes Stück fortführen ließe.
Mit dem neusten GameCube-Titel aus dem Hause Sega beschäftige ich mich in diesem Review: "Sega Soccer Slam". Der Name "Sega" stand in der Vergangenheit meist für klasse Spielspaß und ob dies auch bei "SSS" der Fall ist, erfahrt ihr wenn ihr weiter lest.

Gameplay:
Wie der Name des Spiels schon erahnen lässt, handelt es sich bei "Sega Soccer Slam" um ein Fußballspiel. Doch erwartet den Spieler kein gewöhnliches Fußballspiel, sondern ein Match, ohne Fouls, ohne Seitenaus, kurz gesagt ohne Regeln.
Gespielt wird immer drei gegen drei. Die Teams setzen sich aus den verrücktesten und farbenfrohsten Charakteren zusammen, die man sich vorstellen kann: Vom Möchtegern-Fußballprofi aus Brasilien, über einen Schläger im England-Trikot, bis hin zum Roboter aus der fernen Zukunft ist wirklich allerlei dabei und somit für ausreichend Abwechslung gesorgt. Zu den männlichen Hauptdarstellern gesellen sich aber auch eine Handvoll weibliche Akteure dazu (und die meisten sind echt nicht schlecht gebaut). Jeder Spieler unterscheidet sich in Schusskraft und Geschwindigkeit/Wendigkeit sowie in körperlicher Kraft (wichtig für die Fouls). Anfangs stehen euch sechs Teams mit je drei Spielern zur Auswahl, drei weitere Teams könnt ihr euch freischalten, wenn ihr im "Challenge-Mode" gut abschneidet.

Das Spielfeld ist relativ klein gehalten und da es weder Tor- noch Seitenaus gibt und dadurch das Spiel nie unterbrochen wird, erwartet euch eine umso rasantere Action.
Dies wird durch die geringe Anzahl an Feldspielern zusätzlich unterstützt. Dadurch werden langweilige Spielphasen praktisch komplett vermieden, da ungefähr alle fünf Sekunden spätestens wieder ein Torschuss vorkommt. Zwischendurch wird gegrätscht, geboxt und gerempelt bis eure Finger ermüden... Normale Schüsse sind sowieso eher selten der Fall, die meiste Zeit über sind Seitfallzieher, Kopfbälle, Volleyschüsse und Fallrückzieher an der Tagesordnung - alles eben einen ganzen Tick unrealistischer als beim "echten" Fußball.

Folgende fünf Spielmodi stehen euch zur Verfügung: Arcade, Quest, Challenge, Tourney und Practice. Der Arcade-Mode unterteilt sich dann nochmals in Quick Start (alle Einstellungen werden dem Zufall überlassen), Exhibition (hier spielt ihr ein einzelnes Match gegen den Computer oder menschliche Mitspieler) sowie Hot Potato und Brawl.
Letztere beiden sind Mini-Games und können meiner Meinung nach nur sehr kurz motivieren. Bei Hot Potato geht es darum in einer kleinen Arena den Ball so lange wie möglich zu halten bzw. ihn den Gegnern wegzuschnappen. Ist das Zeitlimit am Ende explodiert der Ball, weshalb man ihn kurz davor schnellstmöglich an einen Mitspieler abgeben sollte.
Bei Brawl handelt es sich um eine Art Wrestlingspiel in stark abgespeckter Version. Ebenfalls in einer Arena versucht man hier den Gegner mit Fouls und Attacken solange zu bekämpfen bis dessen Lebensanzeige auf Null gesunken ist. Mit Fußball hat das ganze aber wirklich gar nichts mehr zu tun. Beide Minispiele wirken im ersten Moment vielleicht noch ganz lustig, aber nach wenigen Runden ist hier die Luft schon raus!

Wesentlich umfangreicher und unterhaltsamer präsentiert sich da der Quest-Modus. Mit einem Team eurer Wahl reist ihr rund um den Globus um gegen die verschiedenen Teams anzutreten und Preisgelder zu verdienen. Mit diesem Geld kauft ihr im Soccershop dann Ausrüstung um eure Spieler zu verbessern (etwa ihre Schusskraft). Außerdem könnt ihr euch hier z.B. auch Artworks und neue Stadien freischalten. Die Motivation ist im Quest-Modus also sehr groß, auch wenn man nur alleine vor seinem GameCube sitzt.

Im Challenge-Mode stellt man sich sein eigenes Team zusammen um danach vier Spiele zu absolvieren. Hierbei kann man aus jedem Team Spieler miteinander kombinieren. Übersteht man alle vier Spiele, so erhält man einen neuen Charakter. Insgesamt kann man neun neue Charaktere erspielen. Verliert man zwischendurch ein Spiel muss man allerdings von vorne anfangen. Was mich dabei gestört hat, ist die Tatsache das man sich die Charaktere in jedem Schwierigkeitsgrad erspielen kann. Spielt man somit auf niedrigster Schwierigkeitsstufe hat man schnell alle freigeschalten.

Im Tourney-Mode nimmt man an einem Turnier teil, bei dem alle sechs Standardteams vertreten sind. Wahlweise kann man auch alle sechs Teams übernehmen und somit alle 15 Spiele austragen. Dies ist aber meiner Meinung nach irgendwie Sinnfrei, da man so den Ausgang des Turniers extrem manipulieren kann. Auch gibt es hier nichts freizuspielen, weshalb das Interesse an diesem Modus schnell verloren geht.

Wirklich gut gemacht ist der Practice Mode: In 16 kurzen Lektionen bekommt man alles wichtige schnell und unkompliziert beigebracht. Ist man sich noch nicht ganz sicher kann man die Lektion beliebig oft wiederholen, bis wirklich jeder Spielzug sitzt. Auch komplexere (dank der Steuerung aber immer noch einfache) Aktionen, wie z.B. Killerkicks (Spezialschüsse) lernt man hier schnell.

Das Spiel macht auch gegen Computergegner Spaß, ungeschlagen ist aber wie bereits erwartet der Multiplayermode. Ob gegeneinander oder mit bis zu zwei Freunden im Team, Sega Soccer Slam ist im Multiplayermodus mein ganz klarer Favorit. Der Computer regt sich eben nicht so herrlich auf, wenn ich ein Tor von der Mittellinie aus schieß oder sekundenlang durch seine Abwehr dribble und danach das Leder gekonnt im Netz versenke. Aber auch miteinander gegen ein Team mit künstlicher Intelligenz kommt Freude auf. Dank dem variablen Schwierigkeitsgrad wird man hier auch über einen längeren Zeitraum gefordert. Bis auf den Practice-Mode könnt ihr alle Spielmodi auch mit menschlichen Mitspielern bestreiten.

Negativ anzumerken wäre, dass das komplette Spiel auf Englisch ist. Allerdings stellt dies nicht wirklich ein Hindernis da, da wenig Text vorkommt und sonst ja eh nur die Action auf dem Rasen im Vordergrund steht .

Steuerung:
Die Steuerung ist vorbildlich einfach und geht nach wenigen Minuten gut von der Hand. Spielerwechseln und Passen könnt ihr per A-Knopf. Geschossen wird mit B, wobei ihr die Härte bestimmen könnt indem ihr den Knopf gedrückt haltet. Auch habt ihr die Möglichkeit mit X ein Ausweichmanöver (z.B. eine Rolle) hinzulegen oder den Ball mit Y abzuschirmen. Mit R rennt ihr schneller (allerdings nur solange wie eure Boostleiste noch gefüllt ist) und mit L könnt ihr euer Power-Up nutzen, mit dem ihr schneller rennt und härter schießt. Seid ihr in der Defensive wird mit X gegrätscht und mit B geschlagen. Hohe Pässe könnt ihr spielen wenn ihr den A-Knopf für eine kurze Zeit gedrückt haltet. Die Steuerung reagiert exakt und Verzögerungen gibt es keine. Selbst Spieler, die bisher eher wenig Erfahrung haben werden schnell damit zurecht kommen.

Grafik:
Grafisch bietet sich einem ein schöner Anblick: Die Charaktere sind toll animiert, begeistern durch flüssige Bewegungen und sehen einfach nur schick aus. Durch die farbenfrohe Gestaltung kommt hier auch keine Langeweile auf. Bei den Zuschauern muss man natürlich wieder Abstriche machen, aber besser als in anderen Spielen dieser Art sehen sie allemal aus. Die Stadien unterscheiden sich nur unwesentlich von einander, können aber dennoch gefallen. Ein paar tolle wie Effekte wie die Power-Ups oder die Zeitlupenanimation bei den Killerkicks sind ebenfalls toll gemacht. Auch könnt ihr aus verschiedenen Kameraperspektiven und Zoomstufen wählen. Ruckler und Slowdowns bleiben euch erspart.

Sound:
Auch der Sound konnte mich überzeugen: Zwar ist das komplette Spiel auf Englisch und somit der Kommentator auch, aber wer die Fifa-Serie kennt wird mir zustimmen das die deutschen Kommentatorsprüche meistens einfach nur albern klingen. Somit kommen die Sprüche bei "SSS" einfach einen Tick cooler rüber und passen auch wirklich zum actionreichen Geschehen auf dem Spielfeld. Ebenfalls passend sind die Jubelszenen nach einem Tor gemacht. Jeder der Akteure hat eine Handvoll Sätze die er dann zum Besten gibt. Die Zuschauer fiebern eifrig mit, sind aber natürlich nur eine nette Beigabe. Der Sound gibt also wirklich keinen Grund zur Kritik.

Fazit:
Sega Soccer Slam macht einfach Spaß. Wer auf unkomplizierte und turbulente Multiplayer-Action steht ist hiermit bestens beraten. Auch der Singleplayer weiß durch freispielbare Charaktere und Extras zu Überzeugen, sein volles Potenzial entfaltet "SSS" trotzdem nur mit mehreren. Hat man dann erst mal drei Freunde vor den GameCube gezerrt, steht stundenlangem Spielspaß nichts mehr im Wege. Sega Soccer Slam platziert sich somit in der Reihe der Multiplayer-"Must Haves" für Nintendos Würfel.

Von C.Reichel
8.2Grafik
Toll animierte Charaktere und flüssiges Gameplay ohne Ruckler
8.0Sound
Englischer Kommentator mit passenden Sprüchen untermalt das Geschehen gut
8.6Spielspass
Mit mehreren geht die Action erst richtig los. Hohe Langzeitmotivation - Alleine machts nur halb soviel Spaß
8.5Gesamt



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