Pro Rally 2002
Review von M.Kallhardt (mail) | 09. Januar 2002 | PAL Version

Alle Jahre wieder erscheinen die Perlen der Sportspiele als neue Version und schmücken sich, einem unbekannten Trend folgend, mit einer aktuellen Jahreszahl, meistens der des kommenden Jahres, um darauf hinzuweisen, aus welcher Saison die verwendeten Daten stammen. Dies kennt man von den Sportspielen aus den Häuser EA-Games und SEGA.

Bei Pro Rally 2002 handelt es sich leider nicht um die aktuellen Daten der Saison 2002, Publisher UBI hat sich aber immerhin die Lizenzen einiger Wagenhersteller geholt, so dass man zum Beispiel mit den Fahrzeugen der Firmen Seat, Citroen und Peugeot über die Pisten heizen darf.
Und Auswahl gibt es dabei eine Menge: 20 Wagen aus vier Klassen dürfen über 48 Strecken in sieben Ländern getreten werden - allein, gegen einen menschlichen oder fünf künstliche Gegner.

Gameplay:
Der Fuhrpark umfasst dabei kleine Frontantriebler aus der Kit Car-Klasse (z.B. Seat Arosa RACC), Allgetriebe Fahrzeuge aus der Pro-Klasse (Mitsubishi, Peugeot) oder legendäre Klassiker (Audi Quattro, Peugeot 306). Bei jedem Wagen ist das Fahrgefühl anders - je nachdem ob nun 280 oder 450 PS unter der Haube stecken und abhängig davon, wie der Wagen eingestellt ist. Man kann nämlich je nach Wagenklasse Reifenart, Bremseneinstellung, Differential oder auch Turboladung selbst wählen. Damit man vor dem Rennen die richtigen Einstellungs-Entscheidungen trifft, bekommt man eine kleine Wettervorhersage, sowie den vorherrschenden Untergrund gesagt.
Die Streckenlänge wird ebenfalls genannt, eine Kartenübersicht fehlt leider, ebenso Angaben über Steigung oder Gefälle.

Auf der Strecke dann kann der geneigte Fahrer sofort in eine der vier wählbaren Kamerasichten schalten: neben zwei Heckperspektiven gibt es eine Sicht von der Motorhaube, sowie eine Fahrersicht direkt durch die Frontscheibe. Eine Möglichkeit nach links oder rechts aus der Scheibe zu gucken fehlt leider.
Aber man soll ja auch nicht gucken, sondern fahren!

Dabei haben die Programmierer vor das richtige Rally-Erlebnis erst einmal die Fahrschule gesetzt. In acht Lektionen wird der Fahrschüler zunächst auf einem Asphaltplatz an die wichtigsten Fahrmanöver wie Slalom und Handbremsenkurve gewöhnt, dann kommen noch ein paar Fahrten auf verschiedenen Untergründen dazu. Die Kurse müssen innerhalb eines Zeitlimits absolviert werden und Fehler wie das Überfahren eines Hüttchens werden mit sofortigem Durchfallen bestraft.
Das macht die Fahrschule nicht gerade einfach, da sich die "Fahrlehrer" mit den Tipps eher zurückhalten. Es wird einem nur gesagt, dass man sich bitte auf dem folgenden Kurs der Handbremse bedienen möge.

Nach etlichen Trainingsrunden (so viele werden es garantiert) bekommt man dann endlich sein Fahrdiplom und darf nun als echter Rally-Fahrer die Amateur-Meisterschaft fahren. Hier geht es zunächst nach Argentinien. Alle schon einmal begonnenen Strecken dürfen im Trainingsmodus nur gegen die Stoppuhr einmal angefahren werden, Punkte gibt es allerdings nur in der Meisterschaft.
Das Siegertreppchen ähnelt dabei der Formel 1: Der Erste bekommt zehn Punkte, der Zweite sechs usw. Die Platzierungen ergeben sich aus dem Zeitabstand, den man auf den ersten Fahrer hat. Man fährt ja keine Runden, sondern Strecken. Fährt man besonders schnell, kann man seinen Abstand auch wieder abbauen. Kollisionen sollten natürlich immer vermieden werden, gelingt das nicht, fällt mit hoher Wahrscheinlichkeit ein technisches Teil aus. Trifft es die Lenkung, kann man noch damit leben. Geht der Motor kaputt, kann man das Rennen vergessen, denn mit knapp 50 km/h kommt man zwar sicher ins Ziel, aber niemals noch in einstellige Plätze. Zum Glück hat das eigene Team nach jedem Rennen eine Stunde Zeit den Wagen zu reparieren. Aber nicht zuviel kaputt machen, alleine das Reparieren des Motors kostet 35 Minuten Arbeitszeit.

Damit man nicht allzu oft mit Bäumen oder Wänden kollidiert, gibt einem der Beifahrer präzise Hinweise, wie stark die nächste Kurve sein wird oder was hinter dem Hügel auf einen wartet. Und das sowohl optisch mit kleinen Symbolen im Sichtfeld, als auch akustisch: "Zwei Links, enger werdend, dann Vorsicht: Sprung." Äußerst stimmig und hilfreich.

Am Ende einer Etappe (= ein Land) bekommt man dann entweder das Lob oder den Zorn des Teamleiters zu hören. Ist die Rally geschafft und steht man auf der Endtabelle ganz oben, heißt das "Sieg" und man darf sich freuen, denn nun werden neue Features freigeschaltet.

Zunächst den Arcade-Modus.
Hier fährt man gegen fünf Computergesteuerte Wagen über 18 schon bekannte Strecken und versucht einen der vorderen Plätze zu erreichen. Erhält man 18 Goldene Pokale (für 18 Erste Plätze), bekommt man den Trophy-Modus.
Hier werden 16 Fahrer aufgestellt und immer zwei treten gegeneinander auf Rundkursen an. Der Verlierer fliegt raus, der Gewinner trifft auf den nächsten Fahrer usw.
Am Ende kann man die Classic-Cars freischalten, wahre Klassiker mit einer Monster-PS-Zahl.

Die Profi-Rally ist sofort nach dem Meistern der Amateur-Meisterschaft anwählbar.
Hier merkt man sofort, dass die Wagen und Gegenspieler stärker sind. Kleinere Fahrfehler können das gesamte Feld schon mal umkrempeln...
Nun aber zum größten Fehler des Spieles: Wie vielleicht einigen schon bekannt ist, befindet sich in der PAL-Version von Pro Rally 2002 ein Bug, der das Spiel immer nach dem Replay der England-Rally abstürzen lässt, so auch bei uns. Man kann sich sicherlich darüber ärgern, aber bis man endlich bei dieser Rally ist, vergehen schon ein paar Stunden, die man in den anderen Spielmodi verbringen kann.

Trotzdem ist das eine untragbare Sache und vielleicht auch der Grund, warum UBI das Spiel nicht auf der deutschen Firmenseite erwähnt.

Nun, man kann sich aber noch über ein paar andere Gameplay Sachen aufregen:
Einmal wäre da die merkwürdige physikalische Engine. In den Replays sieht der Wagen aus, als würde er wie ein Stück Seife über die Strecke schlittern. Außerdem lässt er sich sehr leicht mal aus der Spur bringen, wenn man über einen kleinen Huppel fährt und ein freudiger Überschlag ist die Folge. Oder warum zum Teufel kann man Hüttchen, kleine Barrieren und sogar die Checkpoint-Schilder überfahren und ein gewöhnliches Straßenschild oder ein Busch stoppt (!!) den Wagen. Oder man verfängt sich in einer Wand, auch oft gesehen.

Ganz kurios wird es wenn man gegen die Computergegner fährt.



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