Review von M.Kreuzer (mail) | 25. Januar 2003 | PAL Version
Mittlerweile sind "James Bond"-Videospiele legendär geworden. Hauptsächlich ist es wohl dem ersten Spiel, welches indiziert wurde, zu verdanken. Damals hatte "Rare" noch die Rechte an "James Bond". Seitdem "Electronic Arts" diese besitzt, haben sich die Spiele ganz und gar vom Urspiel entfernt. Nach zwei Filmvorlagen ("Der Morgen stirbt nie" und "Die Welt ist nicht genug") waren für die ersten beiden Bond Spiele von "Electronic Arts" also Storys vorgegeben. Trotzdem ließen sie ein Spiel folgen, obwohl es, nach diesen Filmen, erst mal gar keine vorgegebene Story gab. Dies war zugleich der erste Bond Titel, welcher auf den Next-Generation Konsolen erschien. Bei "Agent im Kreuzfeuer" handelte es sich um eine frei erfundene Story, welches einem das warten auf den neuen Film sehr versüßt hat. Doch jetzt ist der Film "Stirb an einem anderen Tag" längst in den Kinos und "Electronic Arts" hat ein neues Bond Spiel herausgebracht. Doch hierbei handelt es sich um eine Anknüpfung der Story von "Agent im Kreuzfeuer" und hat mit der Story des Films nichts gemeinsam. Schade sagen die einen, die anderen freuen sich vielleicht über eine Fortsetzung der "Electronic Arts"-Story. Wie auch immer, in diesem Test erfahrt ihr alles Wissenswerte zum aktuellen Bond Spiel.
Gameplay:
Die Story ist zwar wie gesagt ausgedacht, folgt aber trotzdem einem typischen Bond Raster: Irgendein Bösewicht hat ein großes Ding am laufen und viele seiner Schergen bewachen ihn. Auf dem Weg zu ihm muss Bond, oft auf sich allein gestellt, vielen Gefahren trotzen und sich nach und nach ein Rätsel aus vielen Puzzlestücken zusammensetzen. Dabei kommen etliche "Q-Gadgets" (HighTec-Werkzeuge des MI6) zum Einsatz, er lernt immer eine Frau kennen und hat stets lockere Sprüche auf Lager. So kennt man ihn und auch in dieser Story hat dieses Raster wieder Hand und Fuß. Der Bösewicht heißt in diesem Teil "Raphael Drake". Er hat sich, um das große Ding zu erläutern, ein wichtiges System zur Kontrolle der globalen Raketenabwehr unter die Nägel gerissen. Nun ist die Welt in Gefahr und es kommt nur einer in Frage, der die Welt retten kann: "Bond, James Bond!"
Schaltet man das Spiel zum erstenmal ein, so gelangt man nach einem "Electronic Arts - Challenge Everything"-Logo und einem "MGM Soft"-Löwen direkt ins Spiel, ohne groß mit der Steuerung vertraut zu sein. Genau dafür ist diese Einführungsmission auch gedacht. In dieser Mission wird das Zielen, das Autofahren und einige andere wichtige Elemente direkt näher gebracht. Schon hier kommt die Action nicht zu kurz. Viele Explosionen, viel Spannung und typische Bond Aktionen und Sprüche werden geboten. Somit bekommt man also einen perfekten Einstand ins Spiel. Beim zweiten mal Anschalten des Spiels kommt diese Mission übrigens, logischerweise, nicht mehr vor. Nach den beiden Logos folgt von nun an ein superbes Intro, wie ich es besser in einem Videospiel noch nicht erlebt habe. Wie in einem Bond Film gibt es ein musikunterlegtes Feuerwerk an räkelnden Frauen, Computeranimationen von Waffen, Hintergründen und mehr, welches alles zusammen harmoniert. Ein Bond-Intro halt. Soviel zur Präsentation. In einem übersichtlichen Menü geht es weiter. Nun hat man die Möglichkeit entweder die Missionen oder den Multiplayer zu spielen, als dritte Auswahlmöglichkeit natürlich "Optionen". Insgesamt gilt es 12 reichhaltige, abwechslungsreiche, exotische und individuelle Missionen zu bestehen. Diese kann man in 3 verschiedenen Schwierigkeitsgraden absolvieren. Um eine Mission erfolgreich zu beenden kann man immer mehrere Wege gehen. Eine Mission selber besteht immer aus mehreren Abschnitten welche entweder neu geladen werden oder durch eine Cutscene angekündigt werden. Die Level sind absolut unterschiedlich. Mal muss man per Pedes und Waffengewalt zum Ziel gelangen, mal sind Schleichqualitäten gefragt oder aber man fährt mit der wohl einzigen Anlehnung an den aktuellen Film, den "Aston Martin Vanquish - Bond Version" den Gegnern davon und erreicht so sein Ziel. Sowohl im Auto als auch zu Fuß lässt sich immer Gebrauch von einem großen Waffenarsenal sowie sehr vieler nützlicher Werkzeuge machen. In den bereits angesprochenen Cutscenes wird die Story noch einmal vertieft, welche anfangs durch ein typisches "Briefing" aufgebaut wird. In jedem Level leisten sich Spannung und Action einen grandiosen Schlagabtausch, ganz zu Gunsten des Spielers. Letztlich zu vergessen wäre da auch nicht der Multiplayer. Hier muss ich sagen, über Durchschnitt. Er erinnert hauptsächlich an den vom "Nintendo 64" bekannten Spiel "Die Welt ist nicht genug", aber beinhaltet ebenfalls Elemente von sämtlichen anderen Bond-Titeln und sogar einigem bekannten aus "Perfekt Dark". Herausgekommen ist eine wirklich gute Mischung. Eine große Bandbreite von wählbaren Charakteren, über die Bots, welchen man Charaktereigenschaften zuteilen kann und von denen man stets maximal vier zur Verfügung hat, egal wie viele menschliche Spieler, aber auch tolle Multiplayer-Kampagnen und Eigenschaften runden die actionreiche Schlacht mit Freunden (oder alleine gegen Bots) ab.
Steuerung:
Die Steuerung ist sehr viel besser als ich erwartet habe. Es ist nämlich mit einigen Ausnahmen die gleiche wie bei "Agent im Kreuzfeuer", welche eher nicht Bedienerfreundlich war und sehr gewöhnungsbedürftig noch dazu. Sie war zu sensibel. Wenn man mit dem C-Stick strafen wollte und dabei leicht schräg nach oben oder unten gedrückt hat, so schaute man direkt nach oben bzw. unten. Diese Sensibilität ist nun verbessert worden und das strafen sowie das Hoch-Runter-Schauen geht problemlos von der Hand. Genauso wie der Rest der Steuerung. Wem diese aber trotzdem nicht passt, der kann aus sehr vielen voreingestellten Alternativen wählen. Besonders der Wagen steuert sich sehr realistisch und das sogar untergrundabhängig. Auf dem Eis slidet der Wagen geschmeidig und man muss ihn abfangen um nicht zu übersteuern. Alles im allen eine kompakte Steuerung ohne Hindernisse.
Grafik:
Auch grafisch wird einiges Geboten. So ähnelt der virtuelle James nicht nur vom Aussehen, sondern auch von Animationen seinem leibhaftigen Vorbild ungemein. Eigentlich sind aber sämtliche Animationen gelungen. Besonders die geränderten Cutscenes sehen sehr schön und realitätsnahe aus. Auch die Texturen sind nicht zu kritisieren. Die Level bergen viele Details, welche sich bewegen oder zerstören lassen. Zum Beispiel in einem chinesischen Tempel, wo man häufig auf "Ming-Vasen" stößt. Diese reagieren auf Blei sehr zersplitternd. An der Größe und an der Reichhaltigkeit der Texturen in einem Level kann man auch keinsten Falls meckern. Aber ab und an merkt man halt, dass nicht alles so verspielt und bis zu ende gedacht ist, weswegen die Grafik sich auch leider nicht besonders heraushebt. Beim "Vanquish" gibt es ein Pseudodrehen der Räder. Manchmal wirkt es so, als würden sie sich drehen, in der nächsten Situation denkt man, der Sportwagen würde über die Piste schweben. Der Größte Wehrmutstropfen aber ist, dass das Spiel, vor allem im Multiplayer, wo die Details schon niedrig sind, schon mal in einen "Ruckelmodus", aus dem man manchmal nicht mehr rauskommt ohne die Partie neu zu starten. Im Singleplayer ruckelt es sehr selten. Wenn, dann nur bei Automission, oder vielen Explosionen. Die Tatsache, dass es überhaupt ruckelt, ist schon allein für sich nicht gerade für sich sprechend, da das Spiel eh nur in 30 Frames per second läuft. Und dann gibt’s da ja noch diese kleinen Schönheitsfehler. Zum Beispiel im Pausenmenü. Hier heißt es "Augang" statt "Aufgang". Schade drum, das gleicht die positiven Dinge fast aus.
Sound:
Bond like. Locker flockige Sprüche in den Cutscenes. Das alles in deutscher Sprachausgabe. Die Synchronisation ist sehr gut, sowohl bei Bond als auch bei den anderen Charakteren. Leider hat Bond eine absolut unpassende Stimme, daher wirken die Sprüche nicht so elegant, wie sie es tun würden bei einer anderen oder gar der original Stimme. Gegen die Stimmen der anderen Charaktere ist nichts zusagen, diese sind sehr passend. Wachen schreien, wenn sie Bond sehen oder Partygäste begrüßen ihn freundlich. Musikalisch wird auch einiges geboten. Angefangen beim erwähnten Intro, wo die Musik außerordentlich gut passt, so auch im Spiel. Wird es hektisch, reagiert auch die Musik. Natürlich alles original Bond Melodien. Die Musik stützt auch das Flair ungemein. Die Soundeffekte sind sehr gut. Die Waffen haben einen guten Klang, der Wagen klingt original und alles weitere ist ebenfalls gut gelungen.
Fazit:
Insgesamt für mich das beste Bond Spiel nach dem ersten, indizierten Teil. Endlich wird vieles gewünschtes Geboten. Das meiste auch in guter Ausführung. Alte Erinnerungen kommen hoch, wenn man so manches Übernommenes sieht. Doch wirkt es dabei nicht gestohlen. Bis auf die gravierenden Ruckler eigentlich nur kleine Schönheitsfehler. Vielleicht hätten es noch ein paar mehr Missionen sein können. Ansonsten eine abgerundete Leistung und ein würdiges Bond Spiel. Fans von James können der Entwertung auf jeden Fall 0,1 - 0,4 Punkte draufrechnen.
Von M.Kreuzer
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| 8.4 | Grafik Leider werden durch die Ruckler die sehr schönen Ansätze blockiert | |
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| 9.0 | Sound Sehr gute Synchronisation, sehr guter Gesamteindruck | |
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| 9.2 | Spielspass Der Multiplayer rundet einen motivierenden und spannenden, vielleicht zu kurzen Singleplayer ab | |
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| 8.8 | Gesamt | |
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