Review von M.Wagner (mail) | 27. Januar 2003 | PAL Version
Mit "Godzilla - Destroy all Monsters Melee" beschert Atari allen GameCube Spielern den etwas anderen 3D-Prügler. In bester Tradition der 80er Jahre Trashfilm Reihe, in der anständige Filmmonster noch aus Gummi gefertigt und an Bindfäden aufgehangen durch den Bildschirm flogen, schlüpft ihr in die Rolle eines riesigen Supermonsters und müsst eure ebenso gewaltigen Kontrahenten in gigantischen Zweikämpfen erlegen. Dabei müssen die größten Städte der Erde als Austragungsorte herhalten - und Godzilla und Co. kümmern sich fleißigst darum, dass hier kein Stein mehr auf dem anderen liegen bleibt.
Gameplay:
Das trashige Intro verrät es: Die Vortaak, bösartige Wesen einer hochentwickelten außerirdischen Zivilisation, haben es sich zum Ziel gesetzt die gesamte Menschheit zu unterwerfen und die Ressourcen der Erde auszubeuten. Um jeden Widerstand der Menschheit im Keim zu ersticken, haben die Vortaak "Monster Island" mit ihrem Gedankenkontrollstrahl beschossen und die Gewalt über die dort hausenden Supermonster übernommen. Um ein Zeichen ihrer Bösartigkeit zu setzen, haben sie den Monstern befohlen die Metropolen der Menschheit in Schutt und Asche zu legen.
Doch eines der Wesen ist ihrer Kontrolle entschlüpft, und genau dessen Rolle übernehmt ihr im Einzelspieler "Adventure Modus", um eure Artgenossen im Zweikampf zu stoppen.
Dafür stellt euch Godzilla Melee insgesamt zehn sehr ähnlich spielbare Monster zur Auswahl: Neben den riesigen Landechsen Godzilla, Anguirus, Megalon, Gigan und Destroyah stehen die flugfähigen Echsen King Ghidorah und Rodan sowie drei Monstervarianten zur Auswahl.
Nach der Wahl eures Favoriten geht es dann gleich in einer der acht verschiedenen
3D Kampfarenen, bei denen es sich meist um etwas eintönige Stadtareale handelt, ans Eingemachte. Die Vortaak haben die Kampfarenen zuvor mit einem Energieschild versiegelt, diese stellen auch die Spielfeldbegrenzung dar und machen Ring-Out`s unmöglich. Genretypisch müsst ihr die Gesundheitsleiste eures Gegners mittels Schlägen und Tritten abarbeiten, um den Kampf mit einem K.O. Sieg zu gewinnen. Besonders verheerende Special Moves zehren an der Energieleiste, diese lädt sich im Verlauf des Kampfes nur sehr langsam wieder auf. Mit dieser Energie lassen sich z.B. Gegner packen und in der Luft herumschleudern oder Fernkampfattacken wie Godzilla`s Atomenergieblitz abfeuern. Fairerweise besitzt jedes Monster zumindest eine Attacke mit hoher Reichweite. Spielerisch offenbart Godzilla Melee neben Stärken auch einige Schwächen. Hier überzeugt vor allem das dynamische Spielfeld, denn unter den mächtigen Attacken der Riesenmonster brechen riesige Hochhäuser zusammen, vergehen Kraftwerke in gigantischen Explosionen und ganze Häuserzüge werden unter Trümmern begraben. Das Spielfeld bietet jedoch auch einigen Einfluss auf das Kampfgeschehen, so können blinkend hervorgehobene Spielfeldelemente wie z.B. kleinere Türme, Schiffe und U-Boote als wirkungsvolle Projektile auf den Gegner geschleudert werden. Zum Glück stellen große Bauten auch einen ausgezeichneten Schutz vor gegnerischen Fernkampfattacken dar - zumindest bis sie zusammenbrechen. Für zusätzliche Raffinesse sorgen gelegentlich erscheinende Power Ups, welche z.B. den Gesundheitsbalken wieder auffüllen oder das Monster in den besonders fiesen "Zorn" Modus versetzen. Das Repertoire an Moves fällt zwar insgesamt recht gering aus, die gute Mischung aus Nah- und Fernkampf bietet jedoch einigen taktischen Tiefgang. Leider gestalten sich vor allem die Nahkampfe durch die träge Reaktionszeit der Monster zu zäh und undynamisch. Im Nahkampf wirft meist der erste Treffer den Gegner durch das halbe Spielfeld zurück, eine koordinierte Abfolge von Schlägen und Abblocken kommt dadurch fast nie zustande. Leider sind die Attacken nicht einmal im Ansatz differenzierbar, ein rechtzeitiges Blocken oder Ausweichen krönt daher nur der Zufall mit Erfolg. Meist wird man sich daher auf wildes Gedrücke verschiedener Angriffe verlassen müssen - von einer wirklich anspruchsvollen Kampfsimulation ist Godzilla Melee jedenfalls sehr weit entfernt.
Einzelspielern ist der schon erwähnte "Adventure Modus" vorbehalten, in diesem gilt es nacheinander 8 Kontrahenten in jeweils verschiedenen Arenen zu besiegen. Für dieses Unterfangen stehen euch nur 3 Continues zur Verfügung; Grund genug für einige Probekämpfe im "Versus Modus", in dem ihr wahlweise gegen den Computer oder einen menschlichen Mitspieler antretet. Im "Survival Modus" müssen Einzelspieler dann ihr wahres Können offenbaren: Hier müsst ihr nacheinander so viele Gegner wie möglich erlegen, ohne auch nur ein einziges Mal selbst K.O. geschlagen zu werden. Zu Beginn sind nur recht wenige Monster und Kampfarenen frei wählbar, sie müssen erst in den Solo-Modes freigespielt werden. Der Solospieler Anteil ist sehr knapp geraten, der Adventure Modus ist spätestens nach 2 Stunden durchgespielt - danach gibt es nicht mehr sonderlich viel zu sehen.
Multiplayer:
Godzilla Melee ist daher eindeutig für Multiplayer Partien ausgelegt. Im "Melee Modus" treten 2-4 Spieler simultan gegeneinander an; im "Teamkampf" können sich dann jeweils 2 Monster verbünden, um dem Gegner so richtig weich zu klopfen. Im "Destruction Modus" tritt der Zweikampf dann ein wenig in den Hintergrund, hier erringt ihr Punkte durch das Zerstören von Gebäuden. Der Multiplayer Teil ist als durchaus gelungen zu bezeichnen und bietet Potential für den ein oder anderen Spielabend. Insgesamt gesehen ist Godzilla Melee aber eher ein etwas simpler Fun Prügler für zwischendurch, kein spielerisches Schwergewicht vom Schlage eines "Soul Calibur".
Steuerung:
Godzilla Melee lässt sich mit dem GameCube Controller problemlos spielen. Der analoge Control Stick dient zur Bewegung eures Monsters, per Druck auf die rechte Schultertaste springt dieses, die linke lässt es geduckt rennen. Mit der A-Taste wird geschlagen, B dient zum Treten, der Y-Knopf zum Abblocken. Der Druck auf den X-Knopf löst einen kombinierten Körperangriff aus. Mit dem Z-Knopf wird der weitreichende Strahlenangriff aufgeladen und ausgelöst, mit dem C-Stick steuert ihr in diesem Fall die Schussrichtung. Blinkende Gebäude lassen sich mit einem kombinierten Druck auf A + B aufheben und auf den Gegner schleudern, im Nahkampf kann das gegnerische Monster ebenso gepackt und mit verschiedenen Wurftechniken "entsorgt" werden.
Die Steuerung reagiert etwas träge, dies erschwert die Ausrichtung auf den Gegner in der 3D Umgebung ungemein und einige Schläge verpuffen wirkungslos in der Luft. Sicherlich ist die träge Steuerung zum Teil gewollt, da man ja nicht einen leichtgewichtigen Kampfmönch sondern ein 250 Tonnen Monster steuert.
Im Optionsmenü lassen sich Rundenlänge, benötigte K.O. Siege in den Matches, Rumble Unterstützung sowie der Schwierigkeitsgrad in 3 Stufen auswählen. Der Titel benötigt 4 Speicherblocks auf der Memory Card, die Ladezeiten halten sich angenehm kurz. Godzilla Melee unterstützt den PAL 60Hz. Modus.
Grafik:
Bereits im Intro lässt sich erkennen, dass die Stärken der verwendeten Spigot Engine nicht gerade in der detaillierten Darstellung kleinerer Objekte liegen. Die teils peinlich verzerrten Texturköpfe einiger Menschen sehen eher nach 128 Bit Urgestein aus und erinnern an Anfangszeiten der DC Ära. Im eigentlichen Spiel gibt es dann allerdings nicht mehr viel zu bemängeln - die Grafik ist als ausnahmslos grundsolide zu bezeichnen. Die Monster sind realistisch texturiert und ähneln ihren Vorlagen bis aufs Haar - da kommt wirklich Filmfeeling auf. Die Kampfarenen bestehen aus eher undetaillierten Bauten, hier zählt eher die Masse als herausragende Feinheiten. Trotz vieler gleichzeitig auf dem Schirm dargestellter Objekte läuft die Grafik angenehm flüssig und ruckelfrei. Grafikbugs wie Clipping oder aufpoppende Polygone lassen sich nicht ausmachen, die Kollisionsabfrage ist ebenfalls gelungen. Bis auf einige kleine Macken gibt es hier nicht wirklich etwas zu bemängeln.
An grafischen Effekten wird nicht wirklich viel geboten, hier mal ein kleiner Transparenzeffekt, dort einmal Godzilla`s Energiestrahl Attacke - nichts, was einen wirklich vom Hocker haut.
Die Kampfarenen sind sehr eintönig designt, hier hätten sich die Entwickler durchaus mehr Mühe geben können. Hervorzuheben ist wirklich einmal wieder das gute Anti-Aliasing der GameCube Konsole, unschöne Kanten an Texturschrägen gehören nun fast der Vergangenheit an.
Insgesamt stellt Godzilla Melee einen grafisch mittelmäßigen Titel mit nicht ganz zeitgemäßer Optik dar.
Sound:
Wer schon einmal einen alten Godzilla Film gesehen hat, wird wohl dessen einzigartiges Gebrülle niemals vergessen. Die Programmierer haben hier auch ganz eindeutig auf dieses Material zurückgegriffen - Godzilla Melee bietet die Original Kino Sounds und Audioeffekte der Filmmonster. Dramatisch angehauchte Rockmusik bildet leise den passenden Hintergrund, den größten Teil der Soundkulisse bilden aber dann eher Explosions- und Schlaggeräusche. Audiofans freuen sich über den Dolby Pro Logic 2 Support.
Fazit:
"Godzilla - Destroy all Monsters Melee" ist unter dem Strich ein simpel-netter und absolut mittelmäßiger Titel, der immer mal wieder für ein nettes Spielchen zwischendurch, vorzugsweise eine Multiplayerpartie, einlädt. Seine Stärken sind sicherlich die Filmlizenz und Originalmonster, das witzige Einäschern von Großstädten sowie der 4 Spieler Modus. Die etwas lahme Steuerung und die simplen Manöver trüben dann allerdings zügig den Spielspaß. Für überzeugte Einzelspieler bietet dieses etwas andere Beat’em Up eindeutig zu wenig Spieltiefe und Umfang.
Von M.Wagner
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| 6.3 | Grafik Grundsolide Grafikengine, mittelmäßiger Detailgrad, biedere Effekte | |
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| 6.4 | Sound Original Filmeffekte, ansonsten mäßiger Sound | |
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| 5.5 | Spielspass Viele Monster, etwas zähes Gameplay, geringer Umfang für Solospieler | |
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| 6.1 | Gesamt | |
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