Review von M.Wagner (mail) | 22. Februar 2003 | PAL Version
Boxsimulationen fristen im Spielesektor ein ähnliches Nischendasein wie Wrestlinggames. Das liegt wohl hauptsächlich daran, dass die Titelauswahl eher gering und die Spiele meist nur mittelmäßig sind. Neben der eher spaßig-spielbaren "Ready 2 Rumble Boxing" Reihe gibt es eigentlich keinen anderen aktuellen Genrevertreter von Rang und Namen. Diesem Umstand will "Knockout Kings 2003" von EA Sports mit der richtigen Mischung aus actiongeladenem Faustkampf und Simulationsniveau Abhilfe leisten. Nachdem der Vorgänger nur auf X-Box und PS2 released wurde, erscheint der aktuelle Nachfolger nun exklusiv auf dem Nintendo GameCube.
Gameplay:
In insgesamt vier Spielmodi gilt es euren Widersacher durch diverse Schlagkombinationen auf die Bretter zu schicken. Um die grundlegenden Spielprinzipien zu erlernen, empfiehlt sich zu Beginn der "Schaukampf" Modus. Im Schnellverfahren werden eine Kampfarena sowie der bevorzugte Boxer nach Gewichtsklasse ausgewählt - neben einigen Fantasiekreationen stehen hier auch spielbare Boxlegenden wie z.B. Muhammed Ali, Lennox Lewis oder Evander Holyfield zur Verfügung. Im Ring tretet ihr dann über mehrere Runden gegen euren Kontrahenten an. Als Gewinner steigt ihr entweder durch einen K.O. Niederschlag oder Sieg nach Punkten aus dem Ring. Dafür müsst ihr geschickt diverse Kombinationstreffer aus Haken, Jabs und Uppercuts am Kinn oder Körper eures Gegners landen. So drescht ihr nach und nach dessen Energieanzeige herunter, was dann unweigerlich zu einer Zwangspause auf dem Ringboden führt. Neben ordentlichem Austeilen sollte natürlich die Abwehr mit Doppeldeckung und Ausweichmanövern nicht ganz vernachlässigt werden, denn eure Gegner wehren sich energisch und nach Leibeskräften. Im Kampf verlorene Energie gewinnt ihr nach Rundenende teilweise zurück.
In der "Turnier" Modus Variante tretet ihr nacheinander gegen vier oder acht Kontrahenten in Einzel Ausscheidungskämpfen an. Das Highlight für Einzelspieler stellt aber sicherlich der "Karriere" Modus dar, in dem ihr euren eigenen Boxer generieren könnt. Zu Beginn verpasst ihr diesem erst einmal ein ansprechendes Äußeres und verteilt dann in bester Rollenspieltradition Punkte auf ein Attributsystem - so kann der Newcomer ganz nach eigenen Vorstellungen kreiert werden. "Kraft" und "Geschwindigkeit" beeinflussen die Stärke und Schnelligkeit der Schläge; "Ausdauer", "Kinn" und "Herz" spiegeln euer Standvermögen und die Regenerationsfähigkeit dar. "Cuts" stellt letztendlich eure Resistenz gegen kleine Verletzungen dar. Weitere Punkte lassen sich im Spielverlauf durch Kampferfolge erlangen, somit könnt ihr euren Boxer zum absoluten Gewinner hochzüchten. Nach und nach kämpft ihr euch von ganz unten an die Spitze der Weltrangliste empor und könnt letztendlich den Champion herausfordern. Doch der Weg dahin ist lang und steinig, nach zehrenden Zweikämpfen stehen erst einmal Wochen der Erholung an. Kommt der Boxer im Karriere Modus in die Jahre, sinken auch die Attribute wieder ab und irgendwann ist es dann einmal Zeit die Handschuhe an den Nagel zu hängen.
Im Gegensatz zu diesen eher realistischen Umsetzungen des Boxsports steht der "Schlagorgie" Modus. Hier beherrscht ganz klar die Action das Kampfgeschehen - ohne jegliches Rundensystem wird geboxt bis der Sieger durch K.O. feststeht. Der Energiebalken füllt sich nur durch besonders spektakuläre Treffer oder Blockaktionen wieder auf Durch das Anbringen gezielter Schlagkombinationen erhaltet ihr kurzzeitig niederschmetternde Spezialschläge. Nach und nach könnt ihr euch so durch die komplette Gegnerliste kämpfen, um letztendlich zum unbezwungenen Champion gekrönt zu werden.
Multiplayer:
Knockout Kings bietet für Multiplayer die Spielmodi "Duell-Schlagorgie" sowie "Schaukampf" an. Im "Turnier" Modus können bis zu acht Freunde in Ausscheidungsduellen gegeneinander antreten, natürlich nur jeweils zwei Spieler simultan. In allen Spielmodi können aus dem "Karriere" Modus abgespeicherte Boxer verwendet werden.
Steuerung:
Alles andere als gut gelungen ist dann allerdings die Steuerung von Knockout Kings. Der vertrackteste Part kommt gleich dem analogen Control Stick zu. Mit diesem bewegt ihr den Boxer im Ring, dabei unterscheidet das Spiel zwischen "vollen" und "leichten" Bewegungen. Bei einer vollen Bewegung muss der Analog Stick bis zum Anschlag in die gewünschte Richtung gedrückt werden, in diese bewegt sich der Boxer dann entsprechend schnellen Fußes. Leichte Bewegungen des Analog Sticks lassen ihn im Nahkampf tänzeln und pendeln, so soll man angeblich Schlägen ausweichen können. Da sich dies aber als vollkommen ineffizient erweist, sollte man sich lieber auf Deckung mittels Drücken der Linken Schultertaste verlassen. Die restliche Belegung setzt sich aus diversen Boxschlägen sowie dessen Varianten bei gedrückter rechter Schultertaste zusammen. Angriffe sind normalerweise immer gegen den Kopf gerichtet, mit einer leichten Bewegung des Joypads nach oben lassen sich allerdings auch Körpertreffer anbringen. Als wirklich frustrierend erweist sich dann aber das eigentliche Kampfgeschehen, denn obwohl sich die Kontrahenten im Nahkampf meist recht statisch gegenüberstehen, gerät Treffen zur reinen Glückssache. Anscheinend werden die Treffer nach dem Zufallsprinzip und nicht durch einer ordentliche Kollisionsabfrage ermittelt.
Mit der Steuerung wurden eigentlich gleich alle guten Voraussetzungen zunichte gemacht. Knockout Kings gerät zu einer simplen und unkoordinierten Klickorgie, da dies genauso viel oder wenig zum Erfolg führt wie ein koordiniertes Schlagen und Blocken.
Der Titel belegt fünf Speicherblöcke auf der Memory Card, auf die Integration eines 60 Hz. Modus wurde leider verzichtet. Die Ladezeiten halten sich insgesamt in annehmbaren Grenzen. Die Anleitung ist bis auf das Cover in ödem schwarz-weiß gehalten und insgesamt recht lieblos designt.
Grafik:
Knockout Kings wird in einer 3D Engine aus 3rd Person Perspektive präsentiert, die Kameraführung erfolgt unkompliziert automatisch. Fast schon EA Sports typisch haben sich die Programmierer auch bei Knockout Kings viel Mühe mit den Spielfiguren gegeben, in diesem Fall den Boxern. Diese werden durch hochauflösende Texturen ordentlich und plastisch dargestellt - auch die Modelle der Boxlegenden sehen den menschlichen Vorbildern recht ähnlich. Die Bewegungsabläufe wirken dank Motion Capturing und Motion Blending realistisch und lassen Boxflaire aufkommen. Das Spielgeschehen wird jederzeit absolut flüssig und ruckelfrei dargestellt, Niederschläge werden in einer eher unspektakulären Slow-Motion Sequenz wiederholt. Ansonsten werden neben Echtzeitschatten noch einige Schweißspritzer bei knackigen Kopftreffern geboten - das war es dann aber auch schon.
Wirklich lächerlich sind die lieblos animierten 2D Publikums Texturen im Hintergrund geraten, diese wirken wie Platzhalter einer frühen Beta Version. Solche Relikte der 32-Bit Ära sollten in keinem modernen Titel mehr zu finden sein, hier wurde wirklich geschlampt.
Insgesamt ist Knockout Kings wahrlich keine Augenweide und grafisch vollkommen unspektakulär, die Hardware Power der GameCube Konsole wird nicht ansatzweise ausgenutzt.
Sound:
Im Hauptmenü gibt es wenigstens etwas dämliche Hip-Hop Song zu hören, danach wird es dann aber auch ganz schnell still. Im eigentlichen Kampfgeschehen werden dann nur boxtypische Schlag- und Treffergeräusche sowie gelegentliche Zurufe aus dem Publikum wiedergegeben. Das aktuelle Kampfgeschehen wird durch Audio Kommentare analysiert, allerdings auf Englisch. Wahrscheinlich hat man im Hause EA dann auch nicht mehr so recht an den kommerziellen Erfolg von Knockout Kings geglaubt und auf teure Lokalisierungen wie deutschsprachigen Kommentar verzichtet.
Der spärliche Sound bietet immerhin Dolby Pro Logic 2 Support.
Fazit:
Unter dem Strich wirkt Knockout Kings 2003 wie eine unfertige Beta Version: Die immerhin grundständig soliden Spielmodi wurden mit unterdurchschnittlicher Grafik, verkorkster Steuerung und miesen Audio Features verhunzt. Der ganze Titel wirkt undynamisch monoton - teilweise fast steril und bietet weder spaßiges Aktionsgekloppe noch ansatzweise Simulationsniveau.
Von M.Wagner
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| 4.0 | Grafik Nett animierte Kämpfer, ansonsten unspektakulär bis schlecht | |
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| 3.5 | Sound Kaum vorhandene Musik und Effekte, lediglich englischer Audiokommentar | |
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| 3.8 | Spielspass Grundsolide Spielmodi, schlechte Steuerung, insgesamt mangelhaftes Gameplay | |
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| 3.8 | Gesamt | |
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