Micro Machines - Explosion
Review von M.Wagner (mail) | 07. März 2003 | PAL Version

Die kleinen Flitzer sind wieder da: Mit "Micro Machines - Explosion" schickt Infogrames unter dem Atari Label einen wahren Veteranen des Rennspielgenres auf die Piste. Wie immer bestechen die Rennwagen und Parcours durch ihre geringen Ausmaße, denn in Micro Machines heizen Boliden der Größenordnung MatchBox Auto auf ganz untypischen Strecken wie z.B. einem unaufgeräumten Schreibtisch oder in einem Hühnerstall.
Mal schauen wie der Fun-Race Klassiker den Sprung auf die Next-Generation Konsole überstanden hat.

Gameplay:
Für den Einstieg sollte erst einmal der kurze "Training" Modus absolviert werden. Dieser beinhaltet eine kurvige Übungsstrecke, auf der ihr gleich alle fünf verschiedenen Fahrzeugtypen bezüglich ihres Fahrverhaltens testen könnt. Der Fuhrpark setzt sich aus Standardauto, Sportwagen, Motorrad und Geländewagen nebst Rennboot für Wasserstrecken zusammen. Die Steuerung der Flitzer unterscheidet sich teils drastisch in ihrem Beschleunigungs- bzw. Bremsverhalten sowie der Kurvenstabilität. Solospieler können sich danach erst einmal im "Rennen" Modus austoben. Hier müsst ihr möglichst als Sieger aus einem drei Runden langen Einzelrennen hervorgehen. Etwas schwieriger gestaltet sich dann schon die Meisterschaft: Diese umfasst den Bronze, Silber, Gold und Platin Cup mit jeweils deutlich steigendem Schwierigkeitsgrad. Jeder Cup umfasst eine Rennserie von vier Strecken, die man als Punktesieger für sich entscheiden sollte. Profis können sich letztendlich im Zeitfahren dem Kampf gegen die Uhr stellen.
Für lustige Mehrspieler Partien werden dann gleich drei Spielmodi angeboten. Der "Micro GP" Modus stellt das Multiplayer Pendant zum Rennen Modus dar, jedoch kann dieser in einem Zwei Spieler Split-Screen Modus bestritten werden. Der "Micro Machines" Modus weckt sofort Erinnerungen an den Primus der Serie und kann mit insgesamt vier Spielern simultan bestritten werden. In Einzelrennen oder einer Meisterschaft müssen die Gegner in einer Art Ausscheidungsrennen besiegt werden, indem ihr auf einem ungeteilten Bildschirm insgesamt eine "Bildschirmlänge" Vorsprung herausfahrt. Wer also mit dem Scrolling des Führenden nicht mehr mitkommt fliegt ganz einfach raus. Ganz anders hingegen spielt sich der "Fang die Bombe" Modus, an dem wieder bis zu vier Mitspieler im Split Screen gegeneinander antreten. Zu Beginn jeder Partie startet eines der Autos als eine tickende Zeitbombe - diese müsst ihr natürlich möglichst vor der Explosion einem Mitspieler durch Berührung seines Fahrzeuges unterjubeln. Dieser versucht sie natürlich dann ebenfalls weiterzureichen, wilde Ausweichmanöver sind also angesagt Micro Machines bietet neben insgesamt 24 Strecken ein achtköpfiges Fahrerfeld, deren Autos entsprechend ihrer Persönlichkeit designt sind. Die Spielcharaktere fallen mit Typen wie dem coolen Miami Mike im rotem Sportauto oder Zombie Frank N Stein in seinem obligatorischen Leichenwagen allesamt unter die Kategorie witzig und abgefahren.
Im Rennverlauf lassen sich diverse Waffen oder Hilfsmittel Pick-Up`s aufnehmen, dies verleiht dem Geschehen noch etwas zusätzliche Würze. Mit fiesen Goodies wie z.B. zielsuchenden Raketen, Flammenwerfer oder Minen macht man dem Gegner das Leben schwer, während Hilfsmittel wie der Turbo oder Unverletzbarkeit das eigene Fahrzeug verstärken. Wer diese Pick-Up`s für überflüssig oder störend hält, kann diese im umfangreichen Optionsmenü deaktivieren. Dort lässt sich ebenfalls der Schwierigkeitsgrad in drei Stufen einstellen.
Insgesamt steht bei Micro Machines der Spielspaß im Vordergrund, dies ist dann vielleicht auch schon der einzige aber große Kritikpunkt für den Einzelspielermodus. Der Titel wirkt einfach zu simpel und unausgewogen, so kommt nie wirkliche Spannung und nach kurzer Zeit sogar gähnende Langeweile auf. Dies liegt in erster Linie an der Kombination aus Streckenverlauf und Gegner KI. Fast die Hälfte der Strecken sind derart einfach zu befahren, dass man schon nach der dritten Kurve alle Gegner meilenweit hinter sich gelassen hat. Die anderen Strecken sind im Gegensatz dazu derart schwer, dass die Gegner schon nach einer Runde uneinholbar weit Vorsprung haben. Ein spannendes Kopf an Kopf Rennen kommt daher gegen die KI nie wirklich zu Stande. Für ein paar Stunden mag dies vielleicht Spaß machen, Solospieler sollten sich dann aber schnellstmöglich auf die Suche nach menschlichen Mitspielern machen. Im Multiplayer Modus weiß Micro Machines dann voll zu überzeugen und spielt seine Stärken als Fun-Racer vollkommen aus. Hier macht es wirklich Spaß gegeneinander zu fahren. Lediglich der "Fang die Bombe" Modus ist etwas misslungen, da die Spielausschnitte im Split Screen einfach zu klein sind und vor allem der Vier Spieler Modus mit kaum spielbaren Frameraten aufwartet.

Steuerung:
Die Steuerung von Micro Machines ist insgesamt sehr gut gelungen. Mit dem Analog Stick werden die Wagen gesteuert. Trotz teils drastischer Unterschiede im Lenkverhalten der verschiedenen Fahrzeugtypen behält man jederzeit die Kontrolle über den Boliden. Die A-Taste dient zum Beschleunigen, der B-Knopf zum Bremsen bzw. Rückwärtsfahren. Die rechte Schultertaste dient zum Abfeuern aufgenommener Pick Up`s. Durch Druck auf die Linke Schultertaste sind mit dem Power Slide besonders schnelle Drehbewegungen möglich, dies empfiehlt sich vor allem bei den besonders spitzkurvigen Bootrennen. Die X-Taste dient letztendlich zum Springen, dies ist aber innerhalb der Spiels nur sehr selten nötig. Kollisionen mit anderen Fahrzeugen oder Spielfeldbegrenzungen werden angenehm durch die Rumble Unterstützung untermalt.
Micro Machines belegt vier Speicherblocks auf der Memory Card, die Ladezeiten halten sich in akzeptablen Grenzen.

Grafik:
Micro Machines wird durch eine leistungsstarke 3D Engine visualisiert, die automatische Kameraführung erfolgt aus einer leicht schrägen Vogelperspektive. Gelegentlich schwenkt die Kamera aus dieser meist statischen Perspektive heraus, um in Kurvenfahrten mehr Spieldynamik zu erzeugen. Die Rennfahrzeuge wirken im Spielverlauf auf Grund ihrer geringen Ausmaße eher unspektakulär - in einer kleinen Startsequenz kommt dem Fahrerfeld allerdings durch eine schicke Naheinstellung auch die nötige Aufmerksamkeit zu Teil. Ansonsten haben sich die Entwickler mit dem Design der Rennstrecken sichtbar viel Mühe gegeben. Diese stehen immer unter einem bestimmten Motto und sind allesamt reich und hochauflösend texturiert. Der Hintergrund wird durch animierte 3D Objekte belebt, die auch teils Einfluss auf den Spielverlauf haben. So stellt z.B. eine Mistgabel bei der rasanten Fahrt durch den Hühnerstall eine tückische Engstelle dar. Hinter der nächsten Kurve muss dann geschickt der Mausefalle ausgewichen werden, diese wird bei Berührung ausgelöst und verwandelt die kleinen Flitzer in einen Schrotthaufen. Zwei Kurven weiter gilt es dann gackernden Hühnern auszuweichen, die zu allem Übel auch noch gerade ihre Notdurft verrichten müssen.
Die Grafik Engine stellt das Spielgeschehen bis auf den etwas misslungenen "Fang die Bombe" Modus jederzeit flüssig dar.
Unter dem Strich hinterlässt die Grafik mit seinen hochauflösenden und liebevoll gezeichneten Texturen einen guten Eindruck. Lediglich an Effekten wird ein wenig gegeizt, die verschiedenen Waffen hätte man doch ein wenig bombastischer in Szene setzen können. Von der technischen Seite her wurde ebenfalls ein wenig geschludert. Neben dem Fehlen eines 60 Hz. Modus wartet Micro Machines mit kleinen aber auch ein wenig störenden PAL Balken auf.

Sound:
Die Hintergrundmusik von Micro Machines fügt sich nahtlos in den etwas abgedrehten Gesamtcharakter des Spiels ein. Obwohl die ein wenig schlichten Syntie Sounds gelegentlich durchaus nerven können, trüben sie doch insgesamt nicht den Spielspaß. Durch die wenigen Soundeffekte kommt zwar nicht gerade Rennspielflair auf, reichen für einen Fun-Racer aber aus. Ein leichtes Grinsen lässt sich allerdings bei den gelegentlichen deutschsprachigen Äußerungen der Fahrer nicht vermeiden.

Fazit:
"Micro Machines - Explosion" ist ein guter und empfehlenswerter Fun-Racer für die etwas jüngere Spielergruppe. Leider wird der Spielspaß im Solomodus durch kleinere Designmängel getrübt, in den Multiplayer Modes entfaltet der Titel dann aber sein gesamtes Potenzial. Leider verbaut sich Micro Machines durch das zwar klassische aber insgesamt zu simple Spielprinzip eine höhere Gesamtwertung.

Von M.Wagner
7.5Grafik
Solide mit Pal-Balken ohne 60Hz-Modus
6.7Sound
Wie die Grafik nicht beeindruckend aber solide
7.3Spielspass
Zu einfach, zu simple - aber Spaß macht es
7.2Gesamt

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