Special von A.Held (mail) | 07. September 2005
Die Games Convention liegt nun schon einige Wochen zurück und die Uhren ticken bereits zur nächsten großen Messe, der Tokio Game Show, auf der unbestätigten Gerüchten zufolge die Revolution enthüllt werden soll. Die Games Convention lag jedoch noch ganz im Zeichen der aktuellen Generation und bat genug Möglichkeiten, sich mit den letzten Cube-Spielen auseinanderzusetzen. Eine gute Gelegenheit also, abzuschätzen, welche Highlights und Flops uns am Ende dieser Konsolengeneration noch erwarten. Aufgrund der Masse an Spielen, die auf der GC spielbar waren, Kann ich in diesem Artikel natürlich nicht eingehend jedes Spiel Beschreiben - er soll viel mehr einen Überblick über die noch kommenden Games bieten und auf einige evtl. Top-Titel aufmerksam machen.
Geist
Geist ist sicherlich eines der umstrittendsten Spiele der letzten Zeit. Teilweise setzt es für den Titel vernichtende Wertungen unter der 50%-Marke, andere Magazine loben ihn für seine Innovationen. Grund genug also, sich auf der GC von dem Spiel selbst zu überzeugen. Es war bereits die dt. Vollversion spielbar; man startete mit Raimi in seinem menschlichen Körper und schoss sich in bester Ego-Shooter-Manier durch eine feindliche Basis. Nach 10 Minuten wartete hier schon der erste Boss und kurze Zeit später hatte man das Gefühl, ein völlig anderes Spiel zu spielen: Mit Raimi als Geist nahm man Gegenstände und kleine Lebewesen in Besitz, um im Spiel voranzukommen. Hier ließ ich das Joypad dann sofort wieder los, denn die ersten 20 Minuten von Geist haben es geschafft, mich persönlich voll von dem Titel zu überzeugen. Ich konnte keinen größeren spielerischen Unterschied zwischen der Shooter-Sequenz am Anfang und Genreprimus TimeSplitters 3 feststellen; zusätzlich bietet das Spiel noch ein innovatives, sehr gut umgesetzt und meines Wissens nach noch nie dagewesenes Spielsystem. Dass andere Spieler den Titel für seine Steuerung oder mangelnde Action kritisierten, hielt mich nicht davon ab, bereits auf der GC eine Kaufentscheidung zu treffen.
Mario Smash Football
Auch wenn es bereits ein ausführliches Preview zu Mario Smash Football, oder wie auch immer es in Europa letztendlich heißen soll, gibt, möchte ich diesen Titel hier nochmal erwähnen. Obwohl das Endprodukt mit großer Wahrscheinlichkeit wie die anderen Mario-Sports-Spiele ein reines Multiplayerspiel ohne Substanz wird, machte der Titel auf der GC einen Heidenspaß und fesselte mich noch länger an den Controller als die umfangreiche Zelda-Demo. Wer mehr über den Titel erfahren will, sollte sich dann das kürzlich erschienene und wirklich gelungene Preview von K. Witecy durchlesen.
Mario Party 7
Mit Mario Smash Football hatte dieser Titel nur 2 Dinge gemeinsam: Er hat ebenfalls Mario im Namen und ist genauso auf Multiplayer ausgelegt. Ansonsten war mir nicht wirklich klar, was Nintendo mit dieser Demo erreichen oder zeigen wollte. Spielbar waren sechs Minispiele, die im Vergleich zu den Games aus den mittlerweile 6 Vorgängertiteln überhaupt nichts Neues zu bieten hatten. Abermals geht es darum, Münzen zu sammeln oder seine Gegner aus einer Arena zu kicken. Die Minispiele waren nun sicherlich nicht schlecht und boten den gleichen Spielspaß wie die der 6 Vorgängerversionen; ob es allerdings nicht langsam mal reicht, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden.
Fire Emblem
Zugegeben, Fire Emblem ist ein RPG und eine Messe daher ein denkbar ungünstiger Ort, um sich mit diesem Titel auseinanderzusetzen. Trotzdem nutzte ich meine Zeit mit dem Spiel, um zu bestätigen, was ich auch schon in meinem Preview vor ein paar Wochen geschrieben habe: Das Spiel bleibt der Serie absolut treu und der Umstieg in die dritte Dimension hat weder dem Gameplay noch - dank isometrischer Ansicht - der Übersicht geschadet. Lediglich die Spielgeschwindigkeit hat aufgrund kurzer Ladezeiten und aufwendigerer Animationen etwas gelitten; nach wenigen Runden hatte ich mich jedoch daran gewöhnt und es fiel nicht weiter negativ auf. Die Optik selbst hat mich nach der harten Kritik, die ich im Vorfeld über diesen Aspekt des Spiels gelesen habe, dann wirklich positiv überrascht: Die Grafik ist zwar durchaus zweckmäßig, aber keineswegs schlecht oder störend. Die Artworks in den Storysequenzen sahen dagegen wirklich unglaublich gut aus. Kurz, meine Erwartungen an das erste und wahrscheinlich letzte ernsthafte Strategy-RPG auf dem Cube sind weiterhin sehr hoch.
Battalion Wars
Eins vorweg: Battalion Wars befand sich auf der GC entweder noch in einem recht frühen Stadium, oder das Spiel hat wirkliche Probleme. Nach wenigen Sekunden löste ich bereits einen Bug aus und musste einen der Verantwortlichen rufen, damit dieser den Cube aus der Vitrine nehmen und resetten konnte. In einer der anderen wählbaren Missionen spielte ich dann einen einzelnen Soldaten wie in jedem anderen 3D-Shooter auch und mir wurde klar, dass ich weder die strategischen Befehle noch die verschiedenen Fahrzeuge auf der Messe wirklich austesten können würde. Ähnlich wie für Fire Emblem braucht man für diesen Titel viel Zeit.
Yoot Saito's Odama
Weder die Leute die es gespielt haben, noch ich selbst, noch das sich in der Nähe des Stands aufhaltende Messebabe (die wirklich der einzige Grund war, dieses Spiel längere Zeit zu spielen) haben verstanden, was in diesem Spiel passiert. Ein militärischer Flipper also, und mittlerweile konnte man dank eines am Controller befestigten Mikrofons per Sprachkommandos Befehle an die eigenen Einheiten geben, die diese auch sofort befolgten. Trotzdem war man nach spätestens 5 Minuten Game Over, da es wie schon erwähnt einfach nicht nachvollziehbar war, was auf dem Bildschirm passierte. Odama ist ein sehr seltsames Spiel, und entsprechend groß wird auch die Menge an Leuten sein, die der Titel letztendlich ansprechen wird.
Dance Dance Revolution with Mario
Der letzte der Mario-Titel für den Cube war, wie bereits Smash Football, einer der spaßigsten Titel der Messe. Meine ersten Erfahrungen mit einer Tanzmatte liefen überraschend gut, und wären die Getränkepreise auf der GC nicht so extrem hoch gewesen, hätte ich sicherlich noch mehr Zeit mit dem Titel verbracht, was nicht zuletzt am - im Vergleich zu den "normalen" DDR-Spielen - wesentlich einsteigerfreundlicheren Schwierigkeitsgrad lag. Einzige Enttäuschung: Der Soundtrack bestand ausschließlich aus einer Mischung der serientypischen Disco-Musik und Mario-Gedudel. Ein paar klassische, unveränderte Themes wären mir und etlichen anderen Fans sicherlich auch lieber gewesen. Trotzdem sollten sich alle Spieler, die im Erdgeschoss wohnen und keinen Muskelkater bekommen, wenn sie mehr als 100 Kalorien an einem Tag verbrauchen, den Titel vielleicht mal ansehen.
Shadow the Hedgehog
Anhand der Informationen, die im Vorfeld über das mittlerweile 4. dreidimensionale Sonic-Spiel veröffentlicht wurden, konnte man schon ahnen, dass SEGA hier versucht, einen massenmarkttauglichen Titel zu entwickeln, bei dem Gameplay an zweiter Stelle steht. In der Praxis sah es noch wesentlich schlechter aus. Das Spiel war aufgrund der unglaublich schwammigen Steuerung kaum spielbar, die Benutzung der Waffen dank 100% Auto-Aim extrem anspruchslos, und wenn man den Igel mal auf der Strecke halten konnte, raste man durch vollkommen uninspirierte, typische Sonic-Levels. Die schlechte Kollisionsabfrage, die Shadow öfters mal von Wänden abprallen und in einen Abgrund fallen ließ, machte Shadow dann endgültig zum meiner Meinung nach schlechtesten Spiel, das ich auf der GC getestet habe.
Spartan: Total Warrior
Der andere von SEGA für den Cube entwickelte Titel hinterließ einen durchweg besseren Eindruck. Nachdem KOEI den Cube absolut stiefmütterlich behandelt, erscheint mit Spartan nun endlich ein vernünftiger Klon von Dynasty Warriors, der dann auch auf dem Cube erscheint. Wie im Vorbild metzelt man sich durch dutzende von feindlichen Soldaten, wozu in Spartan wirklich einige Moves zur Verfügung stehen, die das Spiel schon wieder fast zu komplex machen. Trotzdem spielt sich der Titel wirklich gut und auch die Schlachtatmosphäre, die größte Stärke der Hack'n'Slay-Serie von KOEI, kommt sehr gut auf. Lediglich den Schwierigkeitsgrad muss SEGA wirklich noch ausbalancieren: Von 12 Geräten, an denen das Spiel getestet werden konnte, zeigten 8 den Game Over-Bildschirm; nach wenigen Minuten auf dem normalen Schwierigkeitsgrad gesellte sich meiner dazu.
Need For Speed: Most Wanted
Mit ähnlich geringen Erwartungen wie an Shadow the Hedgehog ging ich an den neuesten Aufguss der Need For Speed-Serie, und auch hier sollte ich Recht behalten. Die Wagen steuerten sich extrem ungenau, während man sich mit den uninspirierten Straßenrennen und Verfolgungsjagden auseinandersetzte.
Hello Kitty Roller Rescue
Ja, kein Scherz: Auch dieses Spiel habe ich angezockt. Hello Kitty ist ein mit Knuddeloptik ausgestattetes Jump'n'Run, welches sich wirklich nicht schlecht spielt. Trotzdem ist es ganz klar an Kinder gerichtet, erfahrenere Spieler werden sich wegen der niedrigen Spielgeschwindigkeit und des wirklich absolut leichten Schwierigkeitsgrad eher langweilen. So nett das Spiel für Fans von japanischen Sachen mit hohem Cute-Faktor auch sein mag, wirklich empfehlenswert ist der Titel nicht, zumindest nicht für Spieler über 10 Jahren.
The Legend of Zelda: Twilight Princess
Last but not least das sicherlich begehrteste Spiel der Games Convention: Zelda. Die wirklich umfangreiche und in 4 Abschnitte eingeteilte Demo von der E3 war auch auf der Games Convention spielbar, und nur wer bereits am Fachbesuchertag anwesend war, konnte sich wirklich mit dem Spiel befassen, da der Stand bereits am Donnerstag viel zu überlaufen war. Je nach Auswahl konnte man die Anfangssequenz in Links Heimatdorf, eine Schlacht zu Pferd, die ersten Abschnitte des Waldtempels oder den ersten Bosskampf antesten. Insgesamt investierte ich sicherlich eine Stunde in den Titel, und selbst diese Zeit reichte nicht aus, die Demo wirklich komplett zu testen. Dieses Spiel wird riesig. Ebenso klar war, dass sich der Stil des neuesten Zelda-Ablegers sehr nahe an Ocarina of Time orientiert, was die meisten Fans wohl sehr freuen dürfte. Ebenfalls hatte ich mit der Demo den Eindruck, bereits eine fertige Verkaufsversion zu spielen; wenn man bedenkt, dass die Demo auf dem Stand der E3 war und das Spiel erst Anfang bis Mitte 2006 erscheinen wird, kann man sich also ausrechnen, welches Kaliber der Titel hat, der uns hier ganz am Ende der Cube-Ära erwartet.
Von A.Held
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