Tokyo Game Show 2005
Special von S.Henze (mail) | 05. Oktober 2005

Einleitung
Willkommen auf der Tokyo Game Show, die eigentlich gar nicht in Tokyo, sondern in der benachbarten Präfektur Chiba, auf dem Makuhari Messegelände im Nippon Convention Center, stattfindet. Auch dieses Jahr wieder zog die größte Videospielmesse der Welt (Rekord 1999: 163.000 Menschen) zahlreiche Besucher an, und Gamecube X war natürlich auch dabei. Die dazugehörige Galerie findet ihr hier.

Loading Level One...
Nach 30 Minuten Zugfahrt vom Tokyo Hauptbahnhof aus in Makuhari angekommen, waren die Ersten die uns begrüßt haben, einige nette Mädchen in knappen, weiß-grünen Kostümen, die möglichst vielen Leuten eine große XBox360-Tüte in die Hand drückten. Darin befand sich das „XBox360 Premium Book“, eine Hochglanzbroschüre mit dem NextGen-Lineup für das aktuelle Jahr. Bisher war Microsoft im Konsolenbereich in Japan ja nicht so sehr erfolgreich, um es vorsichtig auszudrücken. Das einzige Regal was in den Läden oft noch kleiner ist als das mit den XBox-Spielen ist das der PC-Spiele. Allerdings ist auch das Marketing für die alte XBox eher dürftig gewesen, kein einziger TV-Werbespot im letzten halben Jahr. Obwohl viele bekannte und beliebte Spiele aus Japan wie Dead or Alive, Project Gotham Racing oder nun auch einige Rare-Spiele unseres Vertrauens inzwischen nur noch exklusiv auf der XBox zu haben sind, ist der Bekanntheitsgrad der Konsole in Japan erschreckend niedrig, vom Beliebtheitsgrad ganz zu schweigen. Dies will man mit der XBox360 nun ändern, weswegen sich auch der Messeauftritt von Microsoft dementsprechend angepasst hat. Auch wenn knapp zweieinhalb Monate vor Verkaufsstart (Neudeutsch: „Launch“, in Japan am 10.12.2005) weder im Handel noch im japanischen Fernsehen ein Fitzelchen Werbung zu sehen ist, rannte allein schon wegen dieser Tüten-am-Bahnhof-Strategie mindestens jeder zweite wie mit einem Werbeschild für die neue XBox360 herum. Neben dieser Funktion, war die Tüte aber dennoch besonders für andere Zwecke äußerst günstig. Im Laufe der Zeit füllte sich diese dann nämlich mit kiloweise Heften, Zetteln, CDs, Broschüren, Flyern, DVDs, Kulis, weiteren Tüten und was es sonst noch alles gab.

Die Tokyo Game Show fand in drei großen Hallen statt. Die Größe der einzelnen Messestände variierte dabei stark zwischen winzigen Ständen in denen Firmen nur ein einziges Produkt anboten (z.B. Nubytech mit ihrem Chainsaw-Controller für Biohazard 4) und den riesigen Ständen der großen Firmen, oft mit eingebautem Kino und/oder Bühne, die von einem Schwarm flyerverteilender Mitarbeiter umgeben waren. Da die Decke recht hoch war, schwebten über den größeren Ständen luftgefüllte Firmenlogos, die für die Orientierung optimal waren. Doch nicht alle großen Namen des Business waren vertreten. Schmerzlich vermisst wurde natürlich besonders Nintendo, die auch dieses Jahr wieder nicht anwesend waren, aber durch Saturo Iwatas Keynote und die dortige Enthüllung des Nintendo Revolutions Controllers im Vorfeld, dennoch für Gesprächsstoff sorgten. Aber auch andere namhafte Entwickler wie beispielsweise Electronic Arts waren nirgendwo zu sehen. An europäischen Entwicklern war nur Ubisoft vertreten, deutsche Entwickler erwartungsgemäß nicht. Während zwei Hallen von Besuchern jeden Alters erkundet werden konnten, war die dritte Halle nur für Kinder (und deren Eltern) reserviert. In diesem abgegrenzten Kinderbereich konnte man natürlich Spiele, die speziell für die jüngere Kundschaft entwickelt wurden, anspielen. Das Positive daran war jedoch die Tatsache, dass der Andrang dort sehr viel schwächer war, sodass sich ohne größere Wartezeiten die Gelegenheit bot, einige der dort gezeigten Titel anzuspielen. Eine wirklich gute Sache, denn in den beiden Haupthallen musste man, um Spitzentitel wie Ridge Racer 6 oder Grandia Online spielen zu können, teilweise zwei Stunden anstehen und warten.

Abstand
Die diesjährige TGS hatte viele Schwerpunkte, aber man hatte irgendwie das Gefühl dass die Messe etwas zerrissen ist zwischen alt und neu, zwischen Next-Generation und Retro, zwischen Wohnzimmer und Mobile Gaming. Es gab sowohl alte Spiele für neue Konsolen als auch neue Spiele für alte Konsolen.
Die nächste Generation der Konsolen wurde wie gesagt vor allem von Microsoft vertreten, Sonys Beitrag bestand lediglich aus einem Kino.
Im Bereich der Handhelds zeigte der Nintendo DS auch ohne Nintendos Anwesenheit Flagge, wurde aber fast schon durch Sonys PSP übertrumpft, da Sony natürlich einen eigenen PSP-Stand hatte, an dem man viele der Spiele, die man schon bei den Herstellerständen anspielen konnte, erneut fand und zusätzlich die Neuheiten von Sony selbst begutachten konnte. Weiterhin waren die Demostationen der Nintendo DS-Titel nicht unbedingt zentral platziert, sodass man bei jedem Hersteller ein wenig suchen musste um die aktuellsten Titel für Nintendos Handheld anspielen zu können. Vorbildlich war hier hingegen Sega, wo man Titel für Nintendos Konsolen und Handhelds schon beim Betreten des Messestandes sehr gut erblicken konnte.

Überraschend groß war weiterhin der Anteil der PC-Spiele auf der Messe, wenn auch immer noch am Schwächsten vertreten. Dominiert haben vor allem Rollenspiele und hier wiederum vor allem Online-Rollenspiele. Wen wundert´s. Sega hatte hier zwei sehr interessante Titel im Programm (mehr dazu im Sega-Abschnitt), Microsoft zeigte Dungeon Siege II, und Requiem – Prelude of Blood von Gravity Corp. sah ebenfalls sehr viel versprechend aus. Darüber hinaus wurde bei Multiplattform-Spielen stets erwähnt, ob es eine PC-Version gibt oder eben nicht. Insgesamt wäre da wesentlich mehr drin gewesen, aber die TGS ist nun einmal nicht primär auf PC-Spiele fokussiert.
Eines der größten Themen der Messe war das Mobile Gaming, wobei man leicht das Gefühl bekam, Japan hat diesen Trend irgendwie verschlafen. Von den vier großen Providern in Japan hatte allerdings nur NTT Docomo einen eigenen (ziemlich großen) Stand, an dem es vor allem i-Mode Inhalte zu bestaunen gab, scanbare Handylinks zum runterladen selbiger inklusive (jedes aktuelle japanische Handy hat die Funktion, mit der eingebauten Kamera spezielle Barcodes zu lesen, in denen Links verschlüsselt sind, so müssen die Linkadressen nicht von Hand eingegeben werden). Aber auch die meisten Hersteller hatten eine Ecke mit Spielen fürs Handy, denn alte Spiele oder bekannte Namen auf Handys neu zu portieren liegt in Japan derzeit im Trend. Vor allem leistungsfähigere Grafikchips eröffnen dabei neue Möglichkeiten. So kann man das erste Megadrive-Sonic genauso auf dem Handy spielen wie Metal Slug, Final Fantasy oder Dynasty Warriors. Hudson beispielsweise bietet aktuell u.a. Bomberman Kart 3D, Necromancer, Challenger und Bomberman 3D, sowie alte Klassiker vom NES oder PCEngine wie Lode Runner, Bomberman oder Dungeon Explorer an.

RePlay
Der Trend alte Spiele neu zu veröffentlichen hat nun aber, nachdem vor allem Nintendo und Namco es erfolgreich vorgemacht haben, die ganze Branche erfasst. Nicht nur auf Handys wird portiert, auch auf aktuelle Handhelds oder Konsolen. Während Nintendo in den Revolution die Downloadmöglichkeit älterer Spiele beziehungsweise 20 Jahre erfolgreicher Firmengeschichte gleich mit einbaut, gehen die meisten anderen Hersteller den klassischen Weg. Einzelne Spiele oder Sammlungen werden neu mit reduziertem Preis veröffentlicht.
So zum Beispiel bei Tecmo. In den Spielhallen in Japan ist Tecmo heute eher wenig vertreten, aber glorreich war die Arcade-Vergangenheit, und das wird gefeiert mit dem bald (27.10.05) für die XBox erscheinenden Tecmo Classic Arcade, eine Sammlung von elf Spielen aus den Jahren 1981-1991, HDTV-Unterstützung inklusive.
Sega hat sich auch an große Zeiten zurückerinnert, und portiert schon seit längerem ältere Spiele. Die SEGA AGES 2500 Serie hat es bisher auf 19 Spiele gebracht, und demnächst kommen noch einige hinzu. Am 27.10.05 kommt die Space Harrier Complete Collection und SDI & Quartet (Sega System 16 Collection). Bisher noch kein Datum haben Last Bronx, Sega Memorial Selection, Gunstar Heroes, Advanced Taisen, Galaxy Force II, Panzer Dragoon und Dynamite Keiji, sie kommen aber sicher. Der Preis beträgt jeweils einheitliche 2500 Yen. Von Panzer Dragoon beispielsweise konnte ich mir selbst ein Bild machen, die Grafiken wurden wenn überhaupt, nur minimal geändert. Taito nennt seine Werbe-DVD im Stil einer alten Schallplatte sogar gleich Taito Memories, obwohl das nur einer unter vielen Trailern auf der DVD ist. Für die PS2 wird für knapp 5000 Yen ein Best of aller alten Erfolge neu herausgebracht, ich habe 43 gezählt.
Der einzige Hersteller, der fast nur Neues zeigte war Microsoft. Selbst Sony blieb hinter meinen Erwartungen zurück, da sich in Sachen PS3 wohl noch immer nichts getan hat. Zumindest die Bilder die man sah waren die Alten, weder das Design der Konsole noch das des Controllers hat sich geändert (oder vielleicht mal das des Schriftzuges, der unweigerlich an Spiderman erinnert), es gilt also immer noch als das Aktuelle. SquareEnix hingegen versucht im Moment möglichst viel Kapital aus ihrer erfolgreichsten Serie zu ziehen. Final Fantasy VII Advent Children steht seit dem 14.09.05 im Handel, Final Fantasy IV wird für den GameBoy Advance erscheinen, Final Fantasy XI wird ab Ende November auf der XBox360 spielbar sein. Ein Trailer zu Final Fantasy XII war ebenfalls zu sehen, aber nur vorgerenderte Videosequenzen, das Spiel erscheint erst Frühjahr 2006. Bei den Trailern zur PS3 war auch eine Techdemo, die im Prinzip die Anfangssequenz aus FFVII gezeigt hat. Zoom zu einem haltenden Zug, aus dem Cloud springt. Graphisch sehr beeindruckend, leider wird das Spiel nicht neu released werden. Nicht zu vergessen der actionlastige Ableger Final Fantasy VII – Derge of Cerberus.

Challenger appears...
Microsoft hatte einen beeindruckenden Stand ganz in weiß und grün. Er wirkte sehr hell und offen. Sämtliche Hardware war ausgestellt, man konnte viele Spiele selbst antesten, auf einer großen Leinwand wurden Trailer in einer Endlosschleife gezeigt. Die in dem XBox360 Premium Book vorgestellten Spiele waren N3 Ninety Nine Nights, Project Gotham Racing 3, Everyparty, Kameo – Elements of Power, Final Fantasy XI, Dead or Alive 4, [eM] eNCHANT arM, Deadrising, Biohazard 5, Chrome Hounds, Hard Boiled Adventure, Frame City, Ridge Racer 6, Love Football, Rumble Roses Double, Ziria, World Airforce, Ghost Recon, NBA Live 06, Need for Speed Most Wanted, Dynasty Warriors 4 Special, ein neues Tokyo Extreme Racer, Wrestle Kingdom und Test Drive Unlimited. Zu Lost Odyssey und Blue Dragon gab es nur Titellogos. The Elder Scrolls 4 – Oblivion hat leider ebenso gefehlt wie viele EA Sports Titel. Trotzdem eine sehr beeindruckende Darstellung, die deutlich macht wie groß der Vorsprung der XBox360 werden könnte, wenn bis Sommer 2006 weiterhin so viel entwickelt wird.
Zwei der Spiele konnte ich mir genauer ansehen. Ridge Racer 6 sieht wirklich atemberaubend aus, vor allem der Detailreichtum ist beachtlich, auch wenn im Display kein HDTV sondern nur ein normaler Fernseher steckte. Vom Stil her erinnert es sofort an Ridge Racers auf der PSP, und genauso viel Spaß macht das Spiel sicher auch. Keine Experimente von Seiten Namcos. Test Drive Unlimited hingegen ruckelte leider sichtbar, und man kann hoffen dass die Entwickler (Atari Japan) noch daran feilen werden. Der Trailer zum Spiel zeigt jedenfalls nur vorgerenderte Sequenzen eines Rennens, die zwar ganz gut aussehen, aber physikalisch schlecht umgesetzt sind, die Autos fahren einfach unrealistisch um die Kurven. Besonders fiel auf, wie Microsoft seine neue Konsole für den Kunden platziert hat. In einem Bereich des Standes wurden kleine Wohnzimmer nachgebildet, mit Plasma-TV, Surround-Decoder samt Boxen und Subwoofer, DVD-Player (alles von Pioneer), davor ein gemütlicher Stuhl, ein Teppich drunter, Pflanzen, Wandschirme und Regale trennten die einzelnen Teststationen. Mittendrin die XBox360 um dem Kunden die Strategie nahe zu legen die Microsoft verfolgt: Diese Konsole passt in jedes Wohnzimmer, auch in Ihres. Diese Überzeugungsarbeit bei der Akzeptanz von Videospielkonsolen im heimischen Wohnzimmer kommt nicht selten gut an, Microsoft setzt fort was Sega damals begann, als sie den Saturn VideoCD-fähig machte. Nicht zu vergessen Sony, die nicht ohne Grund auf jede PS2-Packung den Aufkleber „meistverkaufter DVD-Player der Welt“ drucken.

Sega
Sega hatte vielleicht das größte Angebot an neuen (und alten) Spielen, immerhin ist die Werbe-DVD ganze 40 Minuten lang mit Spieletrailern gefüllt. Das einzige was für die NextGen-Konsolen gezeigt wurde, war allerdings Sonic the Hedgehog, ein schlichter Titel der beabsichtigt auf vergangene Zeiten blicken lässt, als Sega mit den erfolgreichen Sonic-Spielen das Jump'n'Run-Genre aufmischte. Sonic war Sega, genauso wie man einen dicklichen, schnauzbärtigen, rotlatzhosigen Klempner sofort mit Nintendo in Verbindung brachte. Mit den alten Sonic-Spielen hat dieses allerdings außer dem Namen nur wenig gemein. Dünn ist er geworden, pfeilschnell und irgendwie noch aerodynamischer. Man konnte sehen, wie Sonic in dem Level quer durch die Luft hüpfte, auf Stahlträgern nach Ringen grindete, in der Luft auf Gegner zuschoss, Gegner packte und gegen Mauern schleuderte (die dann effektvoll zusammenbrachen, jeder Stein einzeln physikalisch genau berechnet). All das ohne einmal herunterzufallen, Gelegenheit gab es genug. Offensichtlich gibt es Funktionen im Spiel die es verhindern dass man in der Luft knapp an einem Gegner vorbei springt. Man visiert grob an und trifft dann auch immer. So schoss Sonic in der Luft viermal nacheinander auf Gegner zu, und nachdem sie getroffen waren (und, wiederum effektvoll, verschwanden) konnte man noch in der Luft den nächsten anvisieren und Sonic raste los. So wurde nicht nur eine gewisse Strecke, sondern auch ein Höhenunterschied zurückgelegt, was die Navigation in dem Level, das im ersten Moment unübersichtlich aussah, erleichterte. Vor allem die fantastische Weitsicht im Level war atemberaubend.
Getreu dem Trend zur Rückbesinnung auf alte Stärken hatte Sega nun neben dieser Präsentation mit Sonic Rush (NDS) und Sonic Riders (PS2, GCN, XBox) noch zwei weitere bald erscheinende Sonic-Spiele im Programm, sowie den Ableger Shadow the Hedgehog (PS2, GCN, XBox). Sonic Rush konnte jeder anspielen der einen DS dabei hatte (was lange Anstehzeiten vermied), denn Sega waren die einzigen, die vorbildlich einen DS-Demodownloadservice anboten. Ein sehr guter Service, der wohl auch noch einmal die gute Beziehung zwischen Sega und Nintendo bestärkt. Man konnte Bleach DS, Sonic Rush und Wo kommen die Babys her (aus dem japanischen direkt übersetzt, im Prinzip eigentlich Project Rub 2) auf seinen DS laden und dann in Ruhe antesten. Ich habe ein Level von Sonic Rush gespielt, leider gab es manchmal Einbrüche bei der Framerate (immer wenn 3D ins Spiel kam), ansonsten ein gewohnt gutes Sonic-Spiel. Zumindest in dem einen Level gab es eigentlich keine weiteren Überraschungen. Am Sega-Stand gab es auch einen leider, eher selten gesehenen Bekannten: den Nintendo Gamecube. Sega bringt Bleach GC am 8.12.05 auf den japanischen Markt, ansonsten waren wirklich kaum Gamecube-Spiele zu entdecken, was aber wie gesagt auch mit der Abstinenz seitens Nintendo zusammenhängt. Für den Nintendo DS wird aber fröhlich viel entwickelt. Neben den oben genannten Spielen wird es Puyo Puyo Fever Chuu, Mushi King, Kantan DS (3 Gehirntrainings-Spiele), Super Monkey Ball DS und ein Doraemon-Spiel geben. Bis auf Doraemon alle noch dieses Jahr. Demgegenüber stehen sechs PSP-Spiele (die ersten fünf kommen noch dieses Jahr). Puyo Puyo Fever Chuu, Guilty Gear XX #Reload, InitialD Street Stage, Power Smash New Generation, Brain Trainer Portable (ohne Touch-Screen nur halb so gut), und Sakura Wars 1&2 (eine Neuauflage der alten Drama-Adventures). Bisher ist also das Lineup für den DS nicht nur stärker, sondern auch innovativer. Allein schon deshalb, weil man Neuauflagen alter Spiele durch die Möglichkeiten des Touch-Screens neu konzipiert, was Abwechslung bringt. Da es in nächster Zeit mit Spielen direkt von Nintendo eher dünn aussieht, ist es schön zu sehen dass diese Lücke gefüllt wird. Auch im Bereich der Online-RPGs kehrt ein großer Name zurück: Phantasy Star Universe. Das Spiel erscheint für PS2 und Windows, wann ist allerdings bisher unklar. Exklusiv für den PC erscheint im Oktober 2005 RF online, ein SciFi-Fantasy-MMORPG. Neben einigen sehr verspäteten PS2-Releases für den japanischen Markt (Killzone ab 27.10., the Getaway Black Monday ab 10.11.) war Sega Rally 2006 wohl noch der interessanteste PS2-exklusiv-Titel (richtig gelesen, bisher nur PS2, nicht mal NextGen). Leider waren auf der Messe keine Spielszenen zu sehen, und auch im Trailer gibt es nur vorgerendertes Material.

Sony
Das Lineup für die PS2 und die PSP ist fast gleich stark, was zeigt wie sehr man bemüht ist den Handheld zu einem Erfolg zu verhelfen. Neben Fortsetzungen bekannter PS2-Serien (Siren 2, Formula 1 '05, Ratchett & Clank 4th) hat vor allem Polyphony Digital ein heißes Eisen im Feuer, mit Tourist Trophy – The Real Riding Simulator streben die Entwickler den Thron bei den Motorrad-Rennsimulationen an. Bedenkt man ihre Erfahrung im Bereich Rennautos, ist ein Erfolg des Spiels fast garantiert. Das Top-Rollenspiel für die PS2 dieses Winters kommt eigentlich von Level5 und heißt Rogue Galaxy. Berühmte Synchronsprecher (z.B. Aya Ueto für den weiblichen Hauptcharakter Kisara), Cell-Shading bei den Personen, beeindruckende Grafik der 3D-Umgebung und massive Werbung (allein im Software Catalog von SCEJ drei Doppelseiten, statt höchstens eine wie bei jedem anderen Spiel) lassen auf einen vollen Erfolg schließen. Hoffen wir, dass Kampfsystem und Story ebenfalls erster Güte sind.
Bleach ist zurzeit eine dermaßen erfolgreiche Serie (angefangen beim Manga im Jump-Verlag über die Anime-Serie bis hin zu den Videospielen), dass es gleich zwei neue Spiele für die PSP geben wird, ein RPG und ein Action-Spiel (wahrscheinlich sehr ähnlich der PS2-Version). Mit Monster Kingdom Level Summoner kommt von Gaia ein weiteres RPG. Bisher ist der europäische Markt mit Rollenspielen für die PSP ja eher dürftig bestückt, was sich hoffentlich bald ändert, Mangel an Spielen gibt es jedenfalls nicht. Weiterhin erwähnenswert sind noch Talkman, eine Art digitaler Reisebegleiter mit dem man über ein beigelegtes Mikrophon kommunizieren kann. Ein blauer Vogel mit gelbem Schnabel übersetzt einem was auch immer man in seine PSP spricht in eine andere Sprache, ideal auch zum Lernen von Fremdsprachen. Neben diesem Talk-Mode gibt es noch einen Game-Mode und Tools, wie etwa einen Währungsrechner. Loco Roco hingegen ist ein Action-Spiel was man wohl ausschließlich mit L und R steuert, das Prinzip scheint an Lemmings angelehnt zu sein. Ein gelber Blob (mit Gesicht) muss durch einen Parcours gelotst werden, dabei kann man ihn teilen und wieder zusammenfügen. Grafisch auf jeden Fall sehr eigen. Was war denn nun eigentlich mit der Playstation 3? Wie gesagt, Hardware gab es nicht zusehen. Dafür bekam man in einem Stehkino allerlei grafisch zwar beeindruckende, aber leider immer noch größtenteils vorgerenderte Trailer, zu sehen. Aber nicht nur. In Spielgrafik zu sehen waren laut Sony selbst Final Fantasy VII, Gran Turismo, Lair und, ich bin sicher, auch ein Teil des Metal Gear Shock-Trailers war Spielgrafik. Man bemerkte dennoch bei einigen Szenen ein Flimmern, grade bei den Hochhäusern die bei Gran Turismo vorbeizogen oder dem langen Zoom bei Final Fantasy: regelmäßige Strukturen wie die Front eines Hauses oder ein Zaun verschwammen bei mehr Abstand. Aber das war immerhin besser als nur vorgerenderte Videos zu zeigen. Sehr beeindruckend war der relativ lange Metal Gear Shock-Trailer, der wie gesagt, anfangs in Spielgrafik zu sein schien. Müll und verbrannte Papierschnipsel wehten durch die Straßen einer halb zerstörten Stadt, die Atmosphäre hatte etwas von Naher Osten. Dieses Herumwehen von Papier zusammen mit dem hohen Detailreichtum der Zerstörung der Häuser, Autos und herumliegender Gegenstände sah buchstäblich atemberaubend aus, vor allem auf der riesigen Leinwand. Dazu kamen Texte wie „Forget Prerendered Scenes“ und andere Wortspiele mit der Abkürzung FPS. Außerdem wurde die großspurige Behauptung aufgestellt, mit dem Cell-Prozessor würde man den Konsolen-Krieg gewinnen. Große Worte. Bislang aber noch keine Taten, wir werden sehen.

CosPlay
Die Tokyo Game Show ist allerdings nicht nur eine Messe für Videospiele, selten habe ich so viele kostümierte Fans selbiger gesehen, und noch seltener so lange Schlangen um sie zu fotografieren. Natürlich waren auch die flyerverteilenden Mitarbeiterinnen der Stände (Neudeutsch: „Messebabes“) oft in knappen Kostümen unterwegs, und es war manchmal wirklich sonderbar zu sehen, wie Männer mit drei Kameras um den Hals zehn Fotos von nur einem Mädchen machten (und aus welchem Winkel). Die ließen sich das zwar lächelnd gefallen, aber manchmal minutenlang stillzustehen weil immer mehr Hobby-Fotografen ankamen ist sicherlich auch kein schöner Job. Aber Werbung ist Werbung, und ein Foto von einem Kostüm mit Logo in der Kamera ist sicher genauso gut wie ein Flyer mit Logo in der Hand. Wenn nicht besser.

Impress
Der abschließende Eindruck ist ein geteilter. Einerseits vermisste ich wirklich Neues, gerade auch von Nintendo. Das Fehlen von Nintendo war nun einmal deutlich zu spüren. Gut, sie haben endlich den Controller des Revolution enthüllt, aber so wirklich wissen wir immer noch nicht was uns erwartet, oder wie die Spielesituation beim Launch der Konsole aussehen wird. Sony hüllt sich ebenfalls noch in Schweigen, hat dafür aber schon eine lange Liste mit Spielen veröffentlicht, von denen man einige sogar sehen konnte. Allerdings kann sich vieles noch ändern, und wer weiß wie alt diese Trailer waren die da gezeigt wurden. Bei Microsoft hingegen weiß der Kunde woran er ist. Es gibt Daten, es gibt Fakten, es gibt Spiele. Das wurde auch eindrucksvoll präsentiert, Microsoft will alles aus dem Vorsprung den sie haben rausholen, und vor allem in Japan mehr Marktanteile.
Bei den Handhelds liefern sich die PSP und der NDS ein Kopf an Kopf-Rennen, bei dem es keinen Gewinner gibt. Dafür ist einfach die Zielkundschaft und die Art der Spiele zu unterschiedlich. Gerade in Japan haben ja so ungewöhnliche Spiele wie Nintendogs oder Project Rub großen Erfolg, und die sind auf der PSP so nicht realisierbar. Es wird interessant sein zu sehen, welche Gehirntrainings-Spiele erfolgreicher werden, die für die PSP oder die für den DS. Umgekehrt lassen sich durch die schwächere Hardware auf dem DS manche Genres schlechter umsetzen. Wer zum Beispiel Autorennen mag, wählt besser die PSP (Zumindest bis Mario Kart DS im Handel steht). Das wird sich leider auch in naher Zukunft nicht ändern. Ich denke aber da wird noch viel kommen.
Und den Trend zu alten Spielen mag man gut finden oder nicht, er wird wohl in Zukunft noch mehr ein Teil der Videospielewelt werden als bisher. Allein schon deshalb, weil man endlich auf den aktuellen Handhelds (und wohl in naher Zukunft auch auf Handys) ältere Spiele von PS1, N64 oder SNES ohne Qualitätsverlust portieren kann, wird die Anzahl dieser Spiele sicher noch steigen.
Von S.Henze


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