Special von M.Kleditzsch (mail)
Rareware, wer auch immer diesen Namen liest, sei es Nintendo - oder auch ein
anderer Konsolen - Videospielefan, wird zwangsweise Tränen der Begeisterung
in den Augen haben. Es gibt wenige Entwicklerstudios, die einen fast mackellosen
Ruf haben, selbst die weltweit größten (z.B. Square) haben einige
schlechte Seiten oder Gerüchte um die sich die Fans immer wieder Sorgen
müssen. Rareware ist hingegen ein Ausahme-Studio. Egal für welches
System, egal welche Idee des Spiels, grundsätzlich holen sie immer das
bestmögliche aus Allem heraus. Natürlich gibt es auch im Hause Rareware-
im weiteren Text Rare genannt - , welches im englischen Twycross angesiedelt
ist, einige Unfeinheiten, welche aber wirklich nicht Erwähnenswert sind.
Aus dem Anlass heraus, dass im Moment die Gerüchteküche brodelt und
von einigen XBOX und PS2 Anhänger felsenfest behauptet wird, Rare würde
nicht mehr exklusiv für Nintendo entwickeln, habe ich mir die Arbeit gemacht
und dieses kleine Special geschrieben. Wahrscheinlich einfach um den Jungs von
Rare damit zu zeigen, dass die Nintendo-Szene lebt und keineswegs uninteressiert
an dem Hause Rare ist. Ich werde im Nachfolgenden Text sowohl ein Wenig auf
die einzelnen Titel von Rare, als auch auf die Entwicklung der Popularität
oder auf wichtige Ereignisse in der Geschichte der Spieleschmiede eingehen.
 Donkey Kong Country - 2000 - Game Boy Color
Rare entwickelt keineswegs schon seit ihrer Gründung für
Nintendo. Das Unternehmen begann seine Arbeit schon am Anfang der 80er Jahre
mit Titeln wie Attic Attack, Jetpac oder anderen, hauptsächlich für
Spectrum Computer entwickelte Spiele. Leider liegen mir zu diesen Spielen nur
die Informationen vor, die auch auf der offiziellen Rareware-Homepage preisgegeben
werden. Deswegen springen wir mal ein Stück weiter. Bis 1986 entwickelte
Rare also für damals aktuelle Systeme wie Spectrum, MSX oder Amstrad. 14
Spiele wurden zu großen Hits. Im Jahr 1986 jedoch wurde Rareware auf das
NES aufmerksam und bemühte sich um eine Kontaktaufnahme zur - damals noch
vollständig in Japan ansässigen - Nintendo Corporation. Man einigte
sich schnell und Rare begann für das damals noch relativ frische Nintendo Entertaiment System (kurz NES)
zu entwickeln. Damals war Rare - nicht so wie heute - noch nicht für seine
großen Maskottchen bekannt und war bei der - ohne hin kleinen Fangemeinde
zu NES Anfangszeiten - eher ein Entwickler unter vielen. Laut Nintendo selber
erkannte man natürlich sofort was die Jungs aus dem Herzen Englands so
auf dem Kasten haben und engagierte sie flux als 3rd Party. Ganz so wird das
zwar nicht stimmen, denn jedes Entwicklerteam hatte es bei Nintendo aufgrund
von Lizenzgebühren und der japanischen Spitze sehr schwer, aber lassen
wir dieses kleine Detail mal offen. Bis zum Ende des 16-Bit Zeitalters entwickelte
Rare aber nicht ausschließlich auf Nintendo Konsolen, sondern auch für
Sega und bis heute nur vier Spiele für Arcade-Plattformen.
 Jet Force Gemini - 1999 - Nintendo 64
Man entwickelte bis zum Ende der NES Ära rund 40 Spiele für diese
Plattform - eine sehr beachtliche Zahl - und begann natürlich auch bei
der Einführung des Game Boys ganz vorne mitzuspielen. Leider war eine solche
Spieleflut beim Super Nintendo Entertainment System in der Anfangszeit nicht
vorhanden. Gerade mal ein paar Spiele der Battletoads-Reihe wurden für
das Super Nintendo veröffentlicht. Der erste wirklich große Hit auf dem Super Nintendo
war für Rare - und wahrscheinlich auch der endgültige Durchbruch bei
Fachpresse und Fans weltweit - Donkey Kong Country (1994) . Das Spiel wird heute
als das größte und beste 16 Bit Spiel aller Zeiten gehandelt. Erste
3D-Effekte, eine coole Soundkulisse und richtig viel Spielspaß ließen
das Spiel weltweit 8 Millionen Mal über die Ladentheke wandern. Im Jahre
2000 erschien Donkey Kong Country als Remake auch auf dem Game Boy Color.
 Donkey Kong 64 - 1999 - Nintendo 64
Direkt nach Rares Super Nintendo-Hit Donkey Kong Country kam auch schon
der nächste Hochkaräter ins Spiel. Die umstrittene Beat'em'Up Serie
Killer Instinct. Zu diesem Zeitpunkt bestand Rareware aus ~250 Mitarbeitern
und Nintendo kaufte sich zu 25% in das Unternehmen ein. (Man hatte zwar vorher
auch hauptsächlich für die Nintendo-Konsolen entwickelt, aber auch
Pläne für die Veröffentlichung von Hochkarätern auf Sega
Konsolen). So langsam beginnt jetzt die Nintendo 64 Zeit für Rare. Das
erste Spiel von Rare für die 64 Bit-Konsole war Blast Corps, welches kurz
nach dem Launch im Herbst 1997 erschien.
Leider war Blost Corps (BlasDozer in Japan) nicht der gewünschte
Erfolg. Kurz nach Blast Corps erschien aber (zumindest in den USA, Japan und
dem Rest von Europa) der "indizierte Rare Shooter" (wie es jahrelang
in den Charts von einschlägigen deutschen Nintendo Magazinen zu lesen war),
welcher in Deutschland indiziert wurde. Das Spiel ist der Titel der sich in
England am schnellsten verkauft hat - bis heute. Das Spiel hielt sich knapp
drei Jahre in den Software-Charts Amerikas und ist bis heute wohl eines der
erfolgreichsten Rare Games auf dem Markt. Im weiteren Verlauf der Nintendo 64
Ära griff Rare immer wieder auf bekannte Charaktere und neu-erfundene zurück.
Man versuchte also Nintendo zu folgen und Maskottchen zu erschaffen. Mit Conker,
Banjo, Kazooie, Donkey Kong, Diddy Kong und Joanna Dark ist es ihnen ja auch
offensichtlich sehr gut gelungen.
 Banjo Tooie - 2000 - Nintendo 64
Für viele Rare-Hits auf dem N64 war das Expansion Pack zwingend
notwendig, was vielleicht auch noch einmal die Grafik-Qualität der Spiele
deutlich macht. Nach Perfect Dark (2000) erschienen auch nur noch sehr wenige
Titel generell auf dem N64 (bzw. auch von Rare) und Mickey's Speedway USA bildete
nach Conker den krönenden Abschluss auf dem N64. Conker's Bad Fur Day war
die erste große Niederlage für Rare. Man erhoffte sich durch den
neuartigen Stil neue Käuferschichten anzusprechen. Denn Conker ist bestimmt
nicht für Kinder sondern ein Jump'n'Run für Erwachsene mit Fäkalsprache,
Titten und anderen netten Accesoires. (Leider?...) wurde das Spiel in Deutschland
nicht von Nintendo sondern von THQ gepublisht. Dies hat den Preis des Spiels
(und auch ein paar andere Faktoren) auf 75 Euro und höher gedrückt
und aus diesem Grund wurden schon viele Käufer abgeschreckt. Leider war
dem Spiel kein großer Erfolg vergönnt, obwohl es sehr gelungen ist.
Das war also das Ende der N64 Ära für Rare. Ein Rückblick
auf die letzten 4 Jahre zeigt uns einen sehr erfolgreichen Software-Entwickler.
Einen der führenden der Welt und den besten aus England. Mehrere sehr bekannte
Maskottchen lassen die Firmenflagge hoch im Wind, und die Aktie (auch bei den
Fans) hoch im Kurs wehen. (Was ein Satz *g*). Mit diesem Rückenwind (oder
doch besser Orkan?) machte sich Rare Anfang 2001 daran, erste Titel für
den Nintendo GameCube zu entwickeln. Da man ja seit 1994 2nd Party bei Nintendo
ist, ist das ja auch selbstverständlich. Nebenbei werden Spiele für
den Game Boy Color und den Game Boy Advance programmiert, welche aber meist
Remakes, Abklatsche von N64 Titeln oder sonstige, mittelklassige Spiele sind.
Nichts also um sich lange damit auf zu halten.
 Perfect Dark - 2000 - Nintendo 64
Man will bei Rare auch auf dem GameCube seiner Linie mit alten
und neuen Maskottchen treu bleiben, und kündigte Spiele wie Donkey Kong
Racing, Perfect Dark Zero und Star Fox Adventures an. Seit der E3 2001
- in der die ganzen Spiele ja erstmals gezeigt und angekündigt wurden -
hat sich die Strategie aber wiederrum ein wenig geändert. So will man sich
nicht auf alle Projekte gleichzeitig stürzen, sondern die Titel nacheinander
abarbeiten. Angefangen wird mit Star Fox Adventures, welches ja schon im Herbst
erscheinen soll, und Projekte wie Donkey Kong Racing sind erst einmal auf Eis
gelegt (da wird aber wohl auch Nintendo seine Finger mit im Spiel gehabt haben).
Wir erwarten also für das GameCube Debüt einen Hochkaräter erster
Wahl. Star Fox Adventures wird dank eines riesigen Entwicklerstabes und eines
unglaublich hohen Budgets und dem enormen Potenzial der Designer und Story-Editoren
ein - schon jetzt feststehender - super Hit, nicht nur was die Verkaufszahlen angeht.
Man könnte also sagen dass Rare keinen Grund hätte auch
für andere Publisher zu arbeiten, denn es waren ja Gerüchte um Projekte
für die X-Box und PS2 laut geworden. Wir wollen uns natürlich nicht
100%ig festlegen, aber Entwicklungen für andere Konsolen wären ruftechnisch
und finanziell sehr riskant und da Rare ja auch profitorientiert arbeitet eher
unvorstellbar. Freuen wir uns lieber auf die kommenden Hits aus unserer Lieblings-Spieleschmiede
und zerbrechen wir uns nicht den Kopf über Gerüchte die von neidischen
Fans anderer Konsolen ausgebrütet wurden.
Von M.Kleditzsch
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